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Hannover „Loverboy“ soll zwei Frauen gnadenlos ausgebeutet haben
Nachrichten Hannover „Loverboy“ soll zwei Frauen gnadenlos ausgebeutet haben
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11:49 09.04.2018
Der Angeklagte Ali B. äußerte sich am ersten Verhandlungstag nicht zu den Tatvorwürfen. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

  Ein 32-jähriger Mann aus Hannover muss sich seit Donnerstag vor dem Landgericht wegen Menschenhandels und Zuhälterei verantworten. Ali B. ist angeklagt, zwei Frauen als „Loverboy“ in die Prostitution geführt und sie unter  zunehmender Gewaltanwendung ausgebeutet zu haben. Eine 28-Jährige aus Hannover, die nach eigenen Angaben in Wohnungsbordellen in ganz Deutschland bis hin nach Dubai angeschafft hat, arbeitete zwischen 2009 und 2016 für B. Dabei, so die Anklage, habe sie rund 500.000 Euro erwirtschaftet, die der Zuhälter vollständig vereinnahmt habe.  Eine 24-Jährige war laut Staatsanwaltschaft zwischen 2012 und 2013 für den kleingewachsenen Mann mit den vielen Tätowierungen und den stoppelkurzen Haaren tätig. Hier soll sein Profit bei 50.000 Euro gelegen haben.

Angeklagter sagt vorerst nichts

Ali B. sitzt seit Oktober 2017 in Untersuchungshaft. Der verheiratete Vater eines fünfjährigen Kindes äußerte sich am ersten Verhandlungstag nicht zu den Tatvorwürfen, allerdings kündigte sein Verteidiger Matthias Steppuhn für die kommende Woche eine ausführliche Einlassung an. Die Anwältinnen der zwei Frauen, die in erheblichem Maß unter B. gelitten haben sollen, scheiterten mit einem Antrag, die Öffentlichkeit während der Befragung ihrer Mandantinnen aus dem Gerichtssaal auszuschließen.

Die junge Frau, die nach eigenem Bekunden sieben Jahre als Prostituierte für B. arbeitete, hatte sichtlich Schwierigkeiten, ihre Erlebnisse zu schildern. Unter Tränen und mit gelegentlich stockender Stimme berichtete sie, wie schön ihr die Beziehung zu dem wenige Jahre älteren, charmant auftretenden Mann als 19-Jährige erschienen war: „Ich war glücklich, habe ihm blind vertraut.“ Binnen kurzer Zeit hatte sie alle Kontakte zur Mutter und zu ihren Freundinnen gekappt, sah zunächst auch kein großes Problem darin, sich zu prostituieren: „Er sagte, es sei doch schnell verdientes Geld, und ich hab’s gemacht, weil ich mit ihm zusammensein wollte.“ Schon damals habe sie aber gewusst, dass es bereits eine zweite Frau gab, die für B. anschaffte.

Eine Nacht für 2500 Euro

Der Loverboy kümmerte sich darum, dass die Heranwachsende ihren Körper unter auf einschlägigen Internetseiten anbot; ihren ersten Freier empfing sie in einem Wohnungsbordell in Wolfsburg. In Hannover war es in erster Linie ein Etablissement in der Podbielskistraße, wo sie als Prostituierte tätig war. Bei Stundenpreisen von 150 Euro habe sie häufig Tagesverdienste von 700 bis 800 Euro erwirtschaftet, erklärte die 28-Jährige vor der 18. Großen Strafkammer unter Vorsitz von Richter Dirk Gittermann. Als sie in späteren Jahren im Escort-Service arbeitete und Männern von 20 Uhr bis zum nächsten Vormittag zu Willen war, habe sie für solche Nächte sogar 2000 bis 2500 Euro bekommen.  „Das Geld ging aber komplett an Ali“, sagte sie.

Nach einem Jahr, so berichtete die zierliche Frau, sei die Beziehung zu B. zunehmend schwierig geworden. Immer häufiger habe er von ihr Sexualpraktiken verlangt, die sie schmerzhaft und eklig fand: „Auch Küssen mit meinen Kunden empfand ich als sehr unangenehm.“ Setzte sie sich zur Wehr, wurde sie immer häufiger bedroht und geschlagen. „Ali hat auch den Geschlechtsverkehr mit Kunden gefilmt, die davon nichts wussten“, erzählte die 28-Jährige. Irgendwann habe der Zuhälter sie sogar gewürgt: „Zum Schluss war ich nur noch verzweifelt und wusste nicht mehr weiter.“ Später aber schaffte sie es, sich B. zu entziehen. 

Auch zweites Opfer wurde isoliert

Auch das zweite Opfer, so führte Staatsanwalt Martin Lienau aus, habe sich Ali B. als „Loverboy“ gefügig gemacht. Auch der 24-jährigen Frau versprach er ein intaktes Familienleben inklusive Kindern, isolierte sie und verbot ihr den Kontakt zu Freunden. Um die an ihr interessierten Männer kümmerte sich B. zunächst selbst, nahm deren Anrufe mit verstellter Frauenstimme entgegen und machte die Termine für den Sex auf Bestellung aus. Auch von dieser Prostituierten soll der 32-Jährige laut Anklage den gesamten Liebeslohn einkassiert haben. 

Von Michael Zgoll

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