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Hannover Mutter festgehaltener Töchter in Tunesien hofft weiter auf Ausreise
Nachrichten Hannover Mutter festgehaltener Töchter in Tunesien hofft weiter auf Ausreise
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00:17 23.05.2018
Wegen Kindesentzug sitzt Kais B. seit zwei Jahren in Deutschland in Haft. Nun wurden seine Exfrau und die Töchter in Tunis festgesetzt – obwohl die Frau das Sorgerecht auch von einem tunesischen Gericht zugesprochen bekommen hatte. Quelle: Rainer_Droese
Hannover/Tunis

Drama in Tunis: Katharina Schmidt, die Mutter der beiden in Tunesien festgehaltenen Töchter Maryam (11) und Hanna (9), ist mit ihren Kindern am Flughafen gestoppt worden. Seit drei Jahren werden die Kinder in dem afrikanischen Staat von der Familie des Vaters festgehalten, nun wollte die Ärztin aus Hannover sie offenbar nach Deutschland zurückholen. Inzwischen hat sich auch die deutsche Botschaft in den Fall eingeschaltet. Der Vater Kais B. sitzt in Deutschland im Gefängnis, er wurde bereits zweimal wegen Kindesentziehung verurteilt.

Nach Angaben von Maria Szur, Katharina Schmidts Schwester, hatte die elfjährige Tochter am Pfingstwochenende den Wunsch geäußert, nach Deutschland zurückzukehren. Daraufhin habe Schmidt Maryam und Hanna umgehend im Auto mitgenommen und sei zur deutschen Botschaft nach Tunis gefahren. Dort seien sofort Pässe für die beiden Mädchen ausgestellt worden. Bereits im Januar hatte der Bruder von Kais B. in Aussicht gestellt, die Kinder nach Hannover zurückzubringen – allerdings nur dann, wenn sie dies selbst wollten. Die Mutter war zu Besuch bei ihren Kindern in der tunesischen Stadt Kasserine, sie fliegt jeden Monat für eine Woche nach Afrika.

Doch am tunesischen Flughafen spitzte sich die Lage dann zu. Als Katharina Schmidt und ihre beiden Kinder in der Nacht zu Sonntag versuchten, Tunesien zu verlassen, seien sie an der Ausreise gehindert und festgesetzt worden. Zudem seien ihnen die Pässe abgenommen worden, erzählte die Tante, die ihre Schwester aus Hannover nach Tunesien begleitete. Die Behörden am Flughafen hätten die von einem tunesischen Gericht ausgestellte Ausreisegenehmigung vom Februar dieses Jahres nicht anerkannt.

Das Auswärtige Amt bestätigt den Vorfall auf HAZ-Anfrage. „Die Botschaft ist mit dem Fall befasst und ist mit den Behörden vor Ort in Kontakt“, sagt eine Sprecherin. Weitere Details nennt sie zum aktuellen Zeitpunkt nicht. Am Pfingstmontag schien Bewegung in den Fall zu kommen. In den kommenden Tagen müssten laut Szur noch einige Gespräche geführt werden. Aber die Familie hoffe weiterhin, dass die Kinder bald nach Deutschland ausreisen dürften. Inzwischen sei auch das Außenministerium Tunesiens eingeschaltet worden.

Kais B. hatte die Kinder im Sommer 2015 aus Hannover nach Tunesien gebracht, zu dem Zeitpunkt hatte es in der Ehe bereits heftig gekriselt. Deshalb sitzt er bereits seit zwei Jahren in Deutschland wegen Kindesentziehung im Gefängnis. Zuletzt war er deshalb im April erneut zu elf Monaten Haft verurteilt worden. Obwohl Schmidt sowohl von deutschen als auch tunesischen Gerichten das alleinige Sorgerecht zugesprochen bekommen hatte, weigerte sich B.s Familie, die Kinder nach Deutschland zurückkehren zu lassen. Maryam und Hanna wurden in Kasserine seit fast drei Jahren festgehalten. Eigentlich sollten sie dort – mit Einwilligung der Mutter – nur ein halbes Jahr verbringen, um die Heimat ihres Vaters kennenzulernen. Die Stadt liegt etwa 300 Kilometer südwestlich von Tunis.

Anfang 2016 kam Kais B. nach Hannover, um seine Position in dem Sorgerechtsstreit zu vertreten – und wurde im März verhaftet. Seither sitzt er ununterbrochen im Gefängnis, nach Angaben seines Verteidigers in „Isolationshaft“. Allerdings hatte B. Ende 2016 auch Nachrichten an seine Familie aus dem Gefängnis geschmuggelt, dass diese die Mädchen niemals herausgeben solle. Auf HAZ-Anfrage teilte sein Verteidiger mit, dass B. durch die Haftstrafe derzeit keinen Kontakt zur Familie habe.

Von Peer Hellerling

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