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Hannover Leinenzwang? Daran halten sich nicht so viele
Nachrichten Hannover Leinenzwang? Daran halten sich nicht so viele
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00:31 05.04.2018
Am Ihmeufer laufen trotz Leinenzwang zahlreiche Hunde frei herum. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

 Es ist erst eine Woche her, dass zwei freilaufende Hunde den Sturz eines Radfahrers am Ihmeufer provozierten. Zwei Tage später starb der Mann an seinen Verletzungen. Seitdem, so denkt man, müsste sich herumgesprochen haben, dass im gesamten Stadtbezirk Mitte ganzjährig die Anleinpflicht gilt. Doch auch am Ostersonntag sind deutlich mehr Hunde ohne als mit Leine am Peter-Fechter-Ufer unterwegs.

Ein Jogger trabt auf dem Rad- und Fußweg entlang, sein Hund sprintet voraus. Warum er frei läuft? „Weil das dem Hund mehr Spaß macht, wenn ich jogge“, sagt der Mann. Als er von dem Unfall hört, täuscht der Jogger Einsicht vor. Er will das unbequeme Gespräch schnell beenden, das ist offensichtlich. „Nächstes Mal leine ich ihn an.“ Und lässt das Tier weiter seine Wege ziehen. Der Hund tollt mit vier anderen über die Wiese, die Tiere spielen und jagen sich. Der Jogger trabt schließlich weiter, ruft seinen Hund. Einmal, zweimal, dreimal. Vergeblich. Herrchen muss zurück und sein Tier abholen. 

Auf solche Hundehalter ist Jochen Schneider schlecht zu sprechen. „Es gibt nur ganz wenige, die ihren Hund tatsächlich abrufen können. Die Leute sind verantwortungslos und denken nur an sich.“ Schneider selbst, eine stattliche Gestalt, hat seine zwei Huskys an seinen Bauchgurt geleint. Silver und Blacky verbindet außerdem eine Neckleine miteinander. Damit die beiden Schlittenhunde mit ausgeprägtem Jagdtrieb genügend Bewegung bekommen, geht der Mühlenberger 14, manchmal auch 20 Kilometer am Tag. Auf den Feldern Richtung Ronnenberg beobachtet er oft Rudel von bis zu 20 Rehen. „Und die Leute lassen ihre Hunde laufen. Wenn ich etwas dagegen sage, bekomme ich eine dumme Antwort.“ Der 61-Jährige schüttelt den Kopf. 

Zu den wenigen, die ihren Hund mit Leine am Ihmeufer spazierenführen, gehört Sven Heider. Mischling Momo darf sich nur auf Auslaufflächen frei bewegen. „Davon gibt es ja viele. Hier würde ich Momo nie von der Leine lassen. Dafür sind zu viele Radfahrer unterwegs“, sagt der 30-Jährige aus Linden. Ein paar Meter weiter haben Mareike und Matthias Bald eine Decke ausgebreitet und sich auf einer Geländestufe niedergelassen. Hunde umrunden die beiden, Mareike Bald dreht sich weg, als einer seine Schnauze ihrem Gesicht nähert. Begeistert ist sie nicht von der ungebetenen Annäherung. 

Ihr Ehemann ist selbst kürzlich vom Rad gefallen, als ein kleiner Hund ihn am Kronsberg anrempelte. „Ich bin auf den Kopf gestürzt. Aber ich hatte Mitschuld. Ich habe mich vorher nicht bemerkbar gemacht“, räumt Matthias Bald ein. Seitdem trägt der 48-Jährige Helm. 

Einem Nachbarn im Ihmezentrum reißt jetzt angesichts der tobenden Hunde der Geduldsfaden. „Ihr sollt die Hunde anleinen! Wenn das nicht passiert, rufe ich die Polizei“, brüllt er von seinem Balkon. So unverblümt würde Ute Lotte sich nie ausdrücken. Zumal sie Hunde durchaus mag, die eigene Tochter hat ein Tier. „Ich würde mir aber Respekt wünschen. Hundehalter sollten ihre Tiere zurückhalten, wenn Walker oder Radfahrer kommen.“ Mit Freundin Sabine Schlote läuft die Südstädterin oft an den Kiesteichen. Einmal sprang ein kleiner Hund an ihr hoch und  schnappte nach ihrer Hand. Die Besitzerin griff nicht ein. „Oft laufen die Hunde weit voraus, und die Halter achten nicht darauf, was ihr Tier macht“, berichtet Sabine Schlote.

Hier gilt die Anleinpflicht

Vom 1. April an müssen Hundebesitzer ihre Tiere in Wäldern und freier Landschaft wegen der Brut- und Setzzeit anleinen. Dies gilt auch für die Hundeauslaufflächen und -wege am Kronsberg sowie Bornumer Holz. Insgesamt gibt es in Hannover 24 Auslaufflächen mit 41,1 Hektar Fläche und acht Auslaufwege mit 8,9 Kilometern Länge. Die Alte Bult gehört nicht zu den Auslaufflächen. Hier herrscht ebenfalls Leinenzwang während der Brut- und Setzzeit.

Im gesamten Stadtbezirk Mitte gilt ganzjährig ein Anleingebot für Hunde. Der Stadtbezirk umfasst die Stadtteile Mitte, Calenberger Neustadt, Oststadt und Zoo inklusive der innenstadtnahen Eilenriede. Außerdem sind Hunde innerhalb eines Umkreises von 50 Metern rund um Kindergärten und Schulen, in Fußgängerzonen, Einkaufszentren sowie Parks und Grünanlagen anzuleinen.

An der Alten Bult ist kein einziger Hund angeleint. Zahlreiche große Tiere sind unterwegs, die Halter fahren das Gelände mit ihren Wagen selbst aus dem Umland an. „Das ist Hundeland“, stellt Radfahrerin Katharina Dahlgrün trocken fest. „Die Tiere platzen vor Energie wie ein Dampfkocher. Wo sollen sie sich sonst austoben?“ Das weiträumige Gelände ist allerdings nur inoffiziell für Hunde freigegeben, während der Brut- und Setzzeit ab 1. April bis 15. Juli gilt auch hier die Anleinpflicht. „Das Gesetz will Jungwild sowie am Boden und bodennah brütende Singvögel schützen“, erläutert Heino Kamieth, Leiter des städtischen Bereichs Naturschutz. Dazu gehören viele Vogelarten wie Wachteln, Rebhühner, Kiebitze oder Wiesenpieper sowie Feldlerchen, Laubsänger, Nachtigallen, Rotkehlchen und Zaunkönige. Freilaufende Hunde stören durch ihr natürliches Aufspürverhalten Vögel in ihren Erholungsräumen, sagt Kamieth, sie scheuchen die brütenden Tiere auf, deren Gelege dann erkalten oder auch zerstört werden.

Für die Bult scheint das aus Sicht von Hundebesitzern nicht zu gelten. „Es ist schon schwierig, wenn man für einen großen Hund gar keine Auslauffläche hat“, argumentiert Miriam Schneider aus Hemmingen. In den Wald gehe sie während der Brut- und Setzzeit aber nicht, erklärt die 46-Jährige. Und sobald Radfahrer oder Kinder in Sicht kämen, rufe sie Henry zurück. Nicht jeder Hund jage, sagt Gertrud de Wiljes. Sie achte darauf, dass ihr Labradoodle Oscar keinem Radfahrer in die Quere komme, betont die 62-Jährige aus Wettbergen. Und Katzen liefen schließlich auch frei herum. „Dagegen sagt niemand etwas.“

Von Bärbel Hilbig

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