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Hannover Neubau der Feuerwehr-Leitstelle wird zum Desaster
Nachrichten Hannover Neubau der Feuerwehr-Leitstelle wird zum Desaster
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00:38 26.05.2018
Die alte Leitstelle der Feuerwehr in der Calenberger Neustadt muss für einen Millionenbetrag technisch aufgerüstet werden – weil der Neubau der Funktentrale in der Nordstadt nicht fertig wird. Quelle: Nancy Heusel
Hannover

Der Neubau der Leitstelle der Berufsfeuerwehr in der Nordstadt entwickelt sich immer mehr zum Desaster. Die Baufirma Züblin kann, nach HAZ-Informationen, noch immer keinen Termin benennen, an dem das Projekt fertig gestellt sein wird. Deshalb hat die Stadt jetzt die Reißleine gezogen und beantragt, den alten Standort der Funkzentrale in der Calenberger Neustadt technisch nachzurüsten, für insgesamt 4,8 Millionen Euro. Die nachgerüstete Leitstelle kann allerdings erst im März 2019 ihren Betrieb aufnehmen. Die Inbetriebnahme der neuen Leitstelle in der Nordstadt war ursprünglich für den 31. Oktober 2017 geplant.

Der vertrauliche Antrag zu Nachrüstung der alten Funkzentrale, der der HAZ vorliegt, ist am Mittwoch im Organisations- und Personalausschuss einstimmig beschlossen worden. Er muss jetzt noch weiteren Gremien und vom Rat der Stadt abgesegnet werden. Aus Sicht der Verwaltung besteht jetzt dringender Handlungsbedarf: „Die vollumfängliche Umsetzung der Maßnahmen ist aus Sicht der Verwaltung zwingend notwendig, um den uneingeschränkten Betrieb der Einrichtungen sicherstellen zu können“, heißt es in dem Antrag.

Chronik des Bau-Desasters

5. 12. 2015: Stadt unterzeichnet Vertrag mit der Baufirma Züblin über die Errichtung einer neuen Leitstelle, Fertigstellung sollte der 31. 10. 2017 sein

Mai 2016: Erste Mängle in der Durchführung werden erkennbar

August 2016: Züblin kündigt dem mit der Bauplanung beauftragtem Ingenieurbüro und beauftragt zwei neue

22. 9. 2016: Stadt vereinbart mit Züblin ersten Nachtrag zum ursprünglichen Projektvertrag, neuer Fertigstellungstermin: 15. 6. 2018

Frühjahr 2017: Streit um Vertragsverständnis zwischen der Stadt und Züblin eskaliert, Züblin meldet Mehrkosten an, angeblich pauschal und ohne Belege

Sommer 2017: Mediationsverfahren beginnt – es wird im September ergebnislos abgebrochen

ab Mitte Dezember 2017: Stadt und Baufirma sprechen gemeinsam mit externen Rechtsanwälten über die Probleme, bis heute kann Züblin keinen verbindliche Terminzusage machen, wann die Leitstelle fertig gestellt sein wird

Die für den Plan B benötigte Gesamtsumme von 4,8 Millionen Euro setzt sich zusammen aus 3,2 Millionen Euro für die Beschaffung der notwendigen Technik für die Nachrüstung der alten Leitstelle sowie 1,6 Millionen Euro für die dadurch erforderlich gewordene Nachrüstung des Rechenzentrums der Stadt in der Leinstraße. Für die zusätzlichen Investitionen macht die Verwaltung die Baufirma Züblin verantwortlich. Deshalb sollen die Mehrkosten dem Bauunternehmen in Rechnung gestellt werden, heißt es in dem Antrag der Verwaltung.

Die alte Leitstelle kann allerdings nicht im laufenden Betrieb auf den neusten Stand gebracht werden. Geplant ist deshalb, die sogenannte Redundanzleitstelle, die derzeit in der Feuerwache Stöcken gebaut wird und im Dezember 2018 fertig sein soll, übergangsweise ab Januar 2019 als Funkzentrale der Berufsfeuerwehr zu nutzen. Dann soll die alte Leitstelle in der Calenberger Neustadt technisch umgerüstet werden und ab März wieder in Betrieb genommen werden.

In der Leitstelle kommen für die rund 1,2 Millionen Menschen in der Stadt und dem Umland zentral alle Anrufe an, bei denen die Notrufnummer 112 gewählt wurde. Die Feuerwehr koordiniert von der Funkzentrale aus sämtliche Einsätze der Feuerwehren, der Rettungswagen und des Rettungshubschraubers. Wegen der veralteten Technik können beispielsweise bei Großlagen wie einem Sturm nicht alle eingehenden Notrufe zeitnah bearbeitet werden, so dass die Anrufer in der Warteschleife landen. Mit der Eröffnung der neuen Leitstelle soll bei der Feuerwehr auch flächendeckend der Digitalfunk eingeführt werden. Die notwendigen Geräte haben die Städte und Gemeinden bereits angeschafft. Viele Kommunen, die an die Region Hannover grenzen, funken bereits digital, was bei grenzüberschreitenden Einsätzen bereits jetzt zu massiven Verständigungsproblemen innerhalb der verschiedenen Einsatzkräfte führt.

Kommentar: Die neue Leitstelle ist ein teures Versagen

Die neue Leitstelle sollte gravierende Probleme beheben und das Herz der hannoverschen Brandbekämpfer wieder kräftigen. Doch bislang sieht es so aus, als steuere Hannover im Kleinen auf ein Desaster wie am Berliner Flughafen zu, meint Tobias Morchner. (
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)

Von Andreas Schinkel und Tobias Morchner

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