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Hannover Neue Stiftung will Obdachlosen ein Zuhause geben
Nachrichten Hannover Neue Stiftung will Obdachlosen ein Zuhause geben
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00:15 14.10.2018
Eine neue Stiftung für Hannover: Jürgen Schabram , Jens Rannenberg, Andreas Sonnenberg, Prof. Eckart Güldenberg und Hans-Peter Daub sagen der Wohnungslosigkeit den Kampf an. Quelle: Heidrich
Hannover

Etwa 4500 Menschen ohne feste Unterkunft leben Schätzungen zufolge in Hannover – Tendenz steigend. Obdachlose, die auf Bänken und unter Brücken schlafen, aber auch Wohnungslose, die in Noteinrichtungen, Heimen oder bei Bekannten auf dem Sofa schlafen, weil sie keine eigene Adresse haben. Ein wachsendes Problem, bei dem die neue Stiftung „Ein Zuhause“ nun Initiative ergreifen will: Das Bündnis aus sozialen Einrichtungen will passenden Wohnraum kaufen, herrichten und – wo es passt – auch selber bauen. Zu den Stiftern des Gründungskapitals, die am Mittwoch im Betsaal des Stephanstifts die Gründungsurkunde unterzeichneten, gehören die Soziale Wohnraumhilfe und die Dachstiftung Diakonie, Treuhänder ist der Werkheim e.V.

„Der Markt schafft es nicht“

Noch hat die Stiftung kein konkretes Projekt vor Augen, aber Jürgen Schabram von der Sozialen Wohnraumhilfe hofft, dass es nächstes Jahr losgeht und die Gruppe sich dann in der ersten Immobilie treffen kann. Zum Start benötigt die Stiftung nach eigenen Angaben 15 Prozent Eigenkapital. Zur Höhe der Summe, die dabei erzielt werden muss, machten die Beteiligten keine Angaben. Das Vorhaben solle sich nach kurzer Zeit zu einer sich selbst tragenden Sache werden, sagt Schabram.

Aus Sicht der Beteiligten hat die Politik im Bereich des sozialen Wohnungsbaus versagt und deshalb die Initiative der Stiftung nötig gemacht. „Auch der Markt wird es nicht schaffen“, meint Schabram. Deshalb werden die Stifter jenseits unternehmerischer und staatlicher Aktivitäten nun selbst aktiv, indem sie Geldspenden und Immobilien über ihre Kontakte einwerben. Ebenso hoffen sie auf Vermächtnisse in Form von Häusern oder kleinen Wohnungen. Auch den kirchlichen Besitz ziehen die Stifter in Betracht. „Es gibt eine große Bereitschaft in der Gesellschaft, die Notlücke auf dem Wohnungsmarkt zu erkennen“, sagt der Sprecher des Stiftungsrats, Prof. Eckart Güldenberg.

Die Politik wurde für die Mängel beim sozialen Wohnungsbau gerügt, ist aber bei der Initiative mit im Boot. Die Landtagsabgeordnete Thela Wernstedt (SPD) soll zukünftig im Beirat der Stiftung mitwirken. Bei allen Fraktionen im Landtag gebe es eine hohe Bereitschaft, sich des Themas anzunehmen, sagte die hannoversche Abgeordnete. Auch anwesende Mitglieder der hannoverschen SPD-Stadtratsfraktion sagten Unterstützung zu.

Nicht jede Unterkunft ist gleichermaßen für die Stiftung geeignet: Schätzungsweise über 90 Prozent der Betroffenen sind alleinstehend und benötigen kleine Wohnungen. Diese gehören aber auf dem freien Markt vergleichsweise zu den teuersten für Mieter. Gleichzeitig seien sie oft für Unternehmen nicht das lukrativste Segment. Hier will die Stiftung einspringen, indem sie auch selbst Grundstücke erwirbt und bebaut. Die Bewohner der neuen Gebäude will die Stiftung selber auswählen. Schabram kündigte an, mit seinem Verein den direkten Kontakt zu den Wohnungslosen zu suchen, die für diese neuen Unterkünfte infrage kommen, und ihnen die Wohnmöglichkeiten gezielt anzubieten.

Erst eine Bleibe, dann der Rest

Die Idee der Stiftung gründet auf einer Idee, die mittlerweile weite Verbreitung in der Sozialpolitik gefunden hat, dem sogenannten Housing-First-Ansatz: Dieser geht davon aus, dass man den Menschen zunächst einmal eine feste Wohnung zur Verfügung stellen muss, bevor man sich um andere Probleme wie Drogen- oder Alkoholsucht, Langzeitarbeitslosigkeit oder Verwahrlosung kümmern kann. Wohnungslose sollen unbürkratisch und ohne weitere Bedingungen eine feste Unterkunft erhalten, einen Mietvertrag bekommen und dazu Hilfe von Sozialarbeitern. Laut Schabram funktioniert der Ansatz: 95 Prozent der Menschen blieben in den vermittelten Wohnungen über längere Zeit und würden eben nicht nach wenigen Wochen schon wieder auf der Straße leben.

Von Sebastian Stein

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