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Hannover Darum gab es 2018 noch keine Bombenräumung
Nachrichten Hannover Darum gab es 2018 noch keine Bombenräumung
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00:20 23.05.2018
Die bisher letzte Bombenentschärfung in Hannover gab es im Oktober 2017 in Vahrenheide an der Ikarusallee. Quelle: Uwe Dillenberg
Hannover

Das Jahr ist bereits fünf Monate alt und es gab noch keine einzige Bombenentschärfung in der Stadt – einerseits eine gute Nachricht, andererseits setzt es die Stadt durchaus unter Zugzwang. Der Rat hatte 2017 beschlossen, bis zu vier geplante Räumungen pro Jahr durchführen zu lassen – die Spontanfunde nicht mitgerechnet. Laut Feuerwehr, die die Blindgängersuche koordiniert, kann jedoch über die erste Maßnahme des laufenden Jahres noch keine Aussagen getroffen werden. „Zunächst muss ein solcher Verdachtsmoment gefunden werden“, sagt Feuerwehrchef Claus Lange auf HAZ-Anfrage.

Die letzte regulär vorgesehene Aktion hätte es im September auf der Baustelle am Seelhorster Kreuz geben sollen, doch die wurde kurz vorher abgesagt. Die Verdachtspunkte hatten sich als ungefährlicher Schrott erwiesen. Doch auch bei den zufällig gefundenen Bomben blieb es in der jüngsten Vergangenheit ruhig. Die generell letzte Entschärfungsaktion in Hannover gab es im Oktober in Vahrenheide. An der Ecke Ikarusallee/Alter Flughafen war bei Bauarbeiten ein Sprengkörper entdeckt worden.

Dass es nun schon so lange still ist, war nicht geplant. „Für das erste Quartal war bereits eine Maßnahme geplant“, sagt Feuerwehrchef Lange. Doch die konnte noch vor dem Veröffentlichen zurückgezogen worden, weil bei den Sondierungen letztlich doch nichts Gefährliches entdeckt wurde. In welchem Gebiet gesucht wurde, verrät Lange nicht. Die Stadt arbeite eng mit dem Kampfmittelbeseitigungsdienst (KBD) zusammen, um gezielt anhand von Luftbildern nach potenziellen Weltkriegsbomben zu suchen. Dazu werden nah beieinanderliegende Verdachtspunkte zu einem sogenannten Cluster zusammengefasst, „um bei einer notwendigen Kampfmittelbeseitigung gleich mehrere Blindgänger unschädlich machen zu können“, sagt Lange.

Derzeit prüfen die Experten unter anderem einen Cluster in Bothfeld mit fünf möglichen Verdachtspunkten, drei konnten bereits ausgeschlossen werden. Die übrigen bedürfen aufgrund der örtlichen Begebenheiten zusätzlicher Sondierungen. „Unser Ziel ist es, im Vorfeld alle technischen Möglichkeiten auszuschöpfen, bevor eine Evakuierung eingeleitet werden muss“, sagt Lange. Ein weiterer Cluster mit 17 Verdachtspunkten befindet sich in Brink-Hafen. Ergebnisse liegen noch nicht vor. Weitere Gebiete in Bemerode und Ricklingen werden momentan mit dem KBD ausgearbeitet. Lange: „Die Lage der Cluster im Stadtgebiet zeigt, dass wir die Belastung einzelner Bürger durch die Verteilung in alle Himmelsrichtungen möglichst gering halten wollen.“

Noch offen ist, ob möglicherweise doch wieder das Seelhorster Kreuz in den Fokus der Kampfmittelbeseitiger rückt. Seit Ende April wird dort der letzte Abschnitt saniert und erste Tiefensondierungen fanden bereits statt. Bei gefundenen Anomalien konnte bislang aber ausgeschlossen werden, „dass es sich um einen Bombenblindgänger handelt“, so Lange. Allerdings folgen in den nächsten Monaten noch weitere Untersuchungen auf dem Baustellengelände. Lange: „Eine diesbezügliche Einsatzplanung besteht, sodass eine Evakuierung kurzfristig umgesetzt werden könnte.“

Die Bombe in Zahlen

800 Einsatzkräfte sind bei einer größeren Bombenräumung in Hannover involviert. Doch es ist nicht nur Polizei, Berufsfeuerwehr und Kampfmittelbeseitigungsdienst, die Mehrzahl sind Ehrenamtler von Hilfsorganisationen und Freiwilliger Feuerwehr. Die größte Entschärfungsaktion in Hannovers Geschichte gab es im Mai 2017 in Vahrenwald, rund 50 000 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen. Drei Fliegerbomben wurden unschädlich gemacht.

Wie viele Blindgänger noch in Hannovers Untergrund verborgen sind, weiß niemand. Experten schätzen die Zahl auf mehrere hundert Bomben. Die niedersächsische Landeshauptstadt erlebte während des Zweiten Weltkriegs 125 Luftangriffe, 6782 Menschen starben und 51,2 Prozent aller Häuser wurden stark beschädigt. Die systematische Suche nach Blindgängern wurde 2012 aus Kostengründen unter Innenminister Uwe Schünemann (CDU) eingestellt.

Von Peer Hellerling

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