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Hannover Wie eine Reiseleiterin aus Kirchrode trauert
Nachrichten Hannover Wie eine Reiseleiterin aus Kirchrode trauert
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00:17 19.04.2019
"Gezittert und geweint": Gertrud Eckhardt kennt Notre-Dame gut; durch den Brand hat sie ein Stück Heimat verloren. Quelle: Benne
Hannover

Die Bilder quälten sie, und doch brachte sie es nicht über sich, den Blick abzuwenden. Bis tief in die Nacht saß Gertrud Eckhardt am Montag vor dem Fernseher und verfolgte das gespenstische Schauspiel des großen Brandes. „Ich habe gezittert und geweint“, sagt die Frau aus Kirchrode aufgewühlt. Sie wählt eine Metapher, die pathetisch klingen würde, wenn ihre Erschütterung nicht so echt wäre: „Als Notre-Dame brannte, brannte mein Herz mit.“

Gertrud Eckhardt ist Studienreiseleiterin. Rund 30 Jahre lang hat sie immer wieder vor der Kathedrale gestanden und Reisegruppen in die Geheimnisse von Notre-Dame eingeweiht. Mit jedem Winkel der Kirche verbindet sie historische Anekdoten oder persönliche Erlebnisse.

Ein vertrauter Ort

Vor der Fassade hat sie Besuchergruppen die berühmte Königsgalerie gezeigt. Sie erzählte den Reisenden von Napoleon und den Päpsten, deren Namen mit der Kirche verbunden sind. Unter dem Spitzturm, der jetzt eingestürzt ist, erläuterte sie die Entwicklung der Gotik. Und immer wieder erlebte sie, wie die Besucher still wurden und ehrfürchtig angesichts der Majestät der Architektur.

„Die Glasfenster, die Statue der Muttergottes, die Dornenkrone – all das kenne ich gut“, sagt Gertrud Eckhardt. Auf dem Tisch in ihrem Wohnzimmer hat sie Fotos aus Frankreich ausgebreitet. Vor zwei Jahren gab die Freiberuflerin ihre Tätigkeit dort auf, seither führt sie Gruppen durchs Calenberger Land und durch die Marktkirche. „Zum Abschied habe ich die Säulen von Notre-Dame noch einmal bewusst berührt und Au revoir gesagt“, erzählt sie. In der globalisierten Welt kann eben auch eine Kirche in Paris für eine Reiseleiterin aus Kirchrode ein Stück Heimat sein; ein vertrauter Ort, an dem ihr Herz hängt wie an wenigen anderen.

„Natürlich kann man Fenster und Türme rekonstruieren“, sagt sie traurig, „doch es sind dann nicht mehr die Originale aus dem Mittelalter – diese sind unwiederbringlich verloren.“ Gertrud Eckhardt hat sich vorgenommen, künftig in jedem Bildervortrag, den sie über ihre Reisen hält, auch Fotos von Notre-Dame zu zeigen; als kleine Reminiszenz. Und sie wird an die Pariser Kirche denken, wenn sie Besucher durch die Marktkirche führt – zu den Fotos, die Hannovers Hauptkirche als Kriegsruine zeigen.

Von Simon Benne

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