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Hannover Seniorinnen händigen Trickbetrügern 138.000 Euro aus
Nachrichten Hannover Seniorinnen händigen Trickbetrügern 138.000 Euro aus
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00:15 01.02.2018
Zu den Verteidigern der vier Angeklagten gehören Philipp Kaiser (hinten links), Mario Venter (vorne links) und Björn Nordmann. Der Hauptangeklagte ist Hikmet D. (in weiß). Quelle: Irving Villegas
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Hannover

 Es ist gerade einmal ein gutes halbes Jahr her, dass sich fünf Seniorinnen von falschen Polizisten und Staatsanwälten am Telefon beschwatzen ließen, einer Bande von Trickbetrügern ihre Ersparnisse auszuhändigen. In einem sechsten Fall scheiterte die Geldübergabe, weil eine aufmerksame Bankangestellte die – echte – Polizei eingeschaltet hatte. Rund 138.000 Euro verloren die betagten Opfer aus Laatzen, Nordhorn und Braunschweig an die Betrüger, nur die Rentnerin des letzten Betrugs bekam ihre knapp 10.000 Euro wieder zurück. Seit Montag müssen sich drei Männer und eine Frau wegen gewerbsmäßigen Betrugs vor dem Landgericht Hannover verantworten.

Opfern wurde Angst gemacht

Die Masche ist schon lange bekannt, zieht aber offenkundig immer wieder. Auch bei den sechs angeklagten Taten, die sich zwischen Juni und August 2017  abspielten, erzählten die beredten Betrüger den Seniorinnen Schauergeschichten von angeblichen Einbrecherbanden, die bald bei ihnen auftauchen würden. Mithilfe dieser Panikmache brachten die falschen Polizisten und ein „Staatsanwalt Rosenbusch“ die Frauen im Alter zwischen 78 und 85 Jahren dazu, ihnen ihr Geld anzuvertrauen – angeblich, um es vor den herumziehenden Kriminellen in Sicherheit zu bringen. Die Anrufe erfolgten aus der Türkei, auf den Telefon-Displays der Opfer erschienen aber Nummern aus Deutschland.

Eine Laatzenerin hob 6465 Euro von der Sparkasse ab und legte das Geld in eine Mülltonne, ein weiteres Opfer aus Laatzen hob 20.000 Euro ab und deponierte den Bargeldumschlag im Hausbriefkasten. Die größten Verluste erlitten eine Nordhornerin, die 36.700 Euro aus ihrem Haustresor entnahm und unter den Blumenkübel vor ihrer Haustür schob, sowie eine 78-Jährige aus Braunschweig. Diese Frau holte 65.000 Euro aus einem Bankschließfach und stellte ihre Ersparnisse in einer Tüte vor die Tür.

Hauptangeklagter legt Teilgeständnis ab

Der Hauptangeklagte ist Hikmet D. aus Garbsen; der 31-Jährige ist der einzige, der sich derzeit in Untersuchungshaft befindet. D. gilt als der Logistiker der Bande in Deutschland, soll laut Anklage die Geldabholer in den verschiedenen Städten dirigiert haben. Sein Verteidiger Clemens Anger erklärte vor Gericht, sein Mandant habe fünf der Taten bei einem Haftprüfungstermin in der Vorwoche eingeräumt; es gehe ihm darum, den betagten Opfern eine Aussage vor Gericht zu ersparen. Vor der 19. Großen Strafkammer unter Vorsitz von Richter Stefan Joseph wollten der Anwalt und sein Mandant dieses Teilgeständnis am Montag allerdings nicht wiederholen. Der Deutsche mit türkischen Wurzeln soll drogenabhängig sein, dazu wird sich ein Gutachter zu einem späteren Zeitpunkt äußern.

Die anderen Angeklagten sind Mehmet K. (35) aus Garbsen, Sükrü B. (23) aus Grethem (Heidekreis) und Hülga B. (29) aus Hannover. Die beiden Männer sollen laut Staatsanwaltschaft in einigen wenigen Fällen als Geldabholer unterwegs gewesen sein, die Frau soll ergaunertes Geld gelagert und verteilt haben. Mehmet K. ließ über seinen Verteidiger Philipp Kaiser erklären, er sei lediglich an einer Geldabholung am 11. August 2017 in Braunschweig beteiligt gewesen , habe dafür 500 Euro bekommen. Ein Leugnen dieser Tat wäre allerdings auch schwierig – denn kurz danach wurden er und Hikmet D. festgenommen. 

Wieder auf freien Fuß gesetzt

An einem Punkt dürften die nächsten Verhandlungstage  – der Prozess wird erst am 19. Februar fortgesetzt – besonders spannend werden. Denn am 21. Juli 2017 waren Hikmet D. und Sükrü B. nach einer gescheiterten Geldübergabe in Nordhorn bereits vorläufig festgenommen worden. Weil sich der Anfangsverdacht jedoch nicht erhärten ließ, setzte die Polizei die beiden Männer wieder auf freien Fuß. Gut zwei Wochen später schlug die Bande unter Beteiligung von D. erneut zu und erleichterte die 78-jährige Seniorin aus Braunschweig um ihre 65.000 Euro. Die Frage wird sein, ob dies nicht hätte verhindert werden können und müssen.

 

Von Michael Zgoll

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