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Hannover So diskutieren die HAZ-Leser über Chico
Nachrichten Hannover So diskutieren die HAZ-Leser über Chico
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13:40 10.04.2018
Der Fall Chico bewegt die Hannoveraner. Quelle: Rainer Dröse
Hannover

Am 4. April wurden die Leichen der 52-Jährigen und ihres 27-Jährigen Sohnes in der Wohnung in Groß-Buchholz gefunden. Der Hund der Familie, ein Staffordshire-Terrier namens Chico, hatte beide totgebissen, wie die Obduktion an der MHH ergab. Wie konnte es dazu kommen? Und was soll nun mit Chico passieren? Darüber diskutieren die HAZ-Leser seit Tagen intensiv. Hier sind Auszüge aus den Kommentaren:

Reißerische Hetzkampagne

Da hat der Autor ja eine Spitzen-Recherche geleistet. Ohne Obduktionsergebnis weiß er schon, dass der Hund beide Menschen getötet hat. Genauso hat er sofort das Umfeld durchleuchtet und weiß ganz genau, was es für Hintergründe für eine solche Tat gegeben hat. Eine tolle reißerische Hetzkampagne.

Christian Beu, Magdeburg

Verwaltung ist für Tote verantwortlich

Der Kommentar des Autors sollte ergänzt werden durch eine Antwort auf die Frage nach der Verantwortung. Eindeutig: Die Verwaltung der Stadt hat versagt. Verantwortlich für die Verwaltung ist letztendlich der Oberbürgermeister. Punkt.

Gleiches gilt meines Erachtens für das heiß diskutierte Anlein-Gebot. Die Stadt Hannover hat eine Verordnung erlassen, in der geregelt ist, wann und wo Hunde anzuleinen sind. Als Bürger der Stadt habe ich das Recht, mich auf die Durchsetzung derartiger Anordnungen verlassen zu können und vor jeglicher Art von Belästigung durch nicht angeleinte Vierbeiner beziehungsweise deren Halter geschützt zu werden. 

So hart es auch klingen mag, aber für mich liegt die Verantwortung für den Tod von drei Menschen – wenn vielleicht nicht rechtlich, so doch ethisch – bei der Verwaltung.

Hans-Gerd Benninghoven, Hannover

Tierbesitzer brauchen auch Ausbildung

Sehr interessant, wer in diesem Fall alles versagt hat – die Mitbewohner, die Stadtverwaltung, die Familie der Opfer. Einschläfern ist ja wohl das letzte Mittel, aber so einfach. Wie kommt überhaupt ein Hund, egal welcher Rasse, in so eine Familie – krank und unbeweglich. Ein Hund, der im Käfig lebt, nachts vielleicht ausgeführt wird, auf den Balkon sich entleeren muss und keine sozialen Kontakte hat. Das eigentliche Opfer ist der bedauernswerte Hund, der so viel Leid erleben musste. Mein Mitleid gilt ihm.

Vera Seegers, Hannover

Konsequenz ist notwendig

Die Inspektorin des Tierschutzvereins schätzte die Situation nicht als gefährlich ein. Die Verhältnisse waren geordnet. Die Nachbarn rufen den Tierschutz, weil da augenscheinlich eine Familie mit ihrem Hund überfordert ist. Die Mutter sitzt im Rollstuhl, der Sohn ist krank. Der Hund geht auf den Balkon anstatt nach draußen, um sein Geschäft zu verrichten. Er bellt oft. Er muss weggesperrt werden, wenn Besuch kommt, weil er aggressiv reagiert, und sitzt ansonsten in einem Käfig in der Wohnung. Das ist geordnet? Ich bin erschüttert. 

Ich frage mich oft, warum manche Leute auf die Idee verfallen, sich einen Hund anschaffen zu wollen. Seit vielen Jahren bin ich selber Hundebesitzerin. Ich weiß, wie aufwendig und herausfordernd es ist, einem Hund gerecht zu werden. Dazu gehört nicht nur der tägliche Gassigang, sondern sehr viel mehr. Das verkennen anscheinend viele Leute. Egal ob groß oder klein, ein Hund braucht nicht nur dann und wann unsere Liebe in Form von Streicheleinheiten und Leckerlis, er braucht eine konsequente Anleitung, damit er weiß, wie er sich richtig zu verhalten hat. Und wir brauchen ebenfalls eine fundierte Ausbildung, damit auch wir uns richtig verhalten unserem Hund gegenüber. 

Ich wohne in nächster Nähe der Eilenriede und sehe jeden Tag Menschen, die gar nicht wissen, was sie ihren Hunden antun, weil sie so wenig Ahnung von ihren sogenannten „besten Freunden“ am anderen Ende der Leine haben. Lächeln kann ich noch über den älteren Herrn, der seinem Jack Russell Terrier stets einen längeren Vortrag darüber hält, dass es gar keine feine Art ist, andere Hunde anzubellen, und er Herrchen sehr unglücklich macht deshalb. Gar nicht witzig finde ich es aber, wenn ein Hund an seinem Halsband hochgerissen und weggezerrt wird, nur weil er es wagte, meinen Hund zu beschnüffeln. 

Nicht immer sind die Missstände so schlimm wie bei Chico und seiner Familie. Natürlich war dieser furchtbare Unglücksfall nicht ohne Weiteres absehbar. Doch es hätte nicht dazu kommen müssen, wenn rechtzeitig eingegriffen worden wäre. Mein Appell geht daher an alle Hundebesitzer und die, die es vielleicht einmal werden wollen: Denken Sie nach und fragen Sie sich, ob Sie wirklich in der Lage sind, einem solchen Tier gerecht zu werden. 

Kerstin Neumann, Hannover

Auch der Mensch muss sich eignen

Mit großer Bestürzung habe ich Ihre – übrigens teilweise sehr reißerischen – Artikel über diesen unglückseligen Vorfall im Roderbruch verfolgt. Nun hat die Obduktion ergeben, dass die Mutmaßungen den traurigen Tatsachen entsprechen. Und was passiert? Der Hund wird getötet! Zeitnah, ein Glück. Wirklich? Derjenige, der als Einziger nichts, aber auch wirklich gar nichts dafür kann, muss nun mit seinem Leben bezahlen. Leben? War es denn ein Leben, das er bis hierhin hatte? In den Händen eines Menschen, der offenbar nicht in der Lage gewesen war, ihn zu erziehen? 

Eines liest man immer wieder: kein Tier, auch kein Stafford-
shire, wird aggressiv geboren. Er wird dazu gemacht. Und zwar von seinem Herrchen. Und wie durfte er leben, der Chico? In einer Etagenwohnung. Ohne Sozialkontakte, denn raus ging es nur nachts. Und wenn es klingelte, musste Chico in einen Käfig. Jetzt möchte ich gern wissen, welches Tier von einer derartigen Behandlung nicht noch aggressiver würde, als es ohnehin per Erziehung schon wäre. 

Natürlich ist entsetzlich, was passiert ist. Es sollte darüber nachgedacht werden, Menschen, die einen sogenannten Kampfhund besitzen, dafür eine besondere Eignungsprüfung ablegen zu lassen. Denn nicht nur das Tier muss sich eignen, vielmehr muss sich der Mensch eignen, ein solches Tier zu halten. 

Kathrin Reuther, Hannover

Wenn Chico erzählen könnte

Schade, dass Chico nicht erzählen kann, was er in den acht Jahren von seinen Besitzern erdulden musste, das ihn so ausrasten ließ. Das wirft kein gutes Licht auf das Verhältnis der Menschen zu ihrem von ihnen abhängigen Hund.

Birgit Oelze, Garbsen

Züchter müssen mehr Verantwortung zeigen

Es ist schlimm, dass diese tödliche Attacke passiert ist, viele Menschen sollten sich keine Tiere anschaffen. Man weiß nicht, was der arme Hund acht Jahre erlebt hat. Ein Hund ist ein treuer Begleiter des Menschen, und da muss schon so einiges abgelaufen sein, dass so etwas Schlimmes passiert ist. 

Wir hatten immer große Hunde, darunter einen Rottweiler. Er hatte einen tollen Charakter, und auch als ein Baby ins Haus kam, war er vorsichtig und ein toller Familienhund. Nie hatte ich Angst, dass er beißen würde. 

Ich finde, dass die Züchter viel mehr darauf achten sollten, wem sie ein Tier verkaufen, denn für viele sind solche Hunde nur Statussymbole. Für Chico hoffe ich, dass er nicht noch jahrelang im Tierheim leben muss, weil ihn keiner haben will, das wäre auch kein Leben. Ich finde, dann wäre es wirklich besser, dass man ihn nach allem, was der arme Kerl durchmachen musste, erlöst. 

Birgit Innes, Hannover

Die Ämter haben versagt

Diese ganze schlimme Geschichte hätte verhindert werden können, wenn die zuständigen Ämter nicht versagt hätten. Bereits 2011 sollte eine Begutachtung erfolgen. Die Stadt Hannover hat dieses Versäumnis eingeräumt und geäußert, wenn die Begutachtung erfolgt wäre, hätte man dem Besitzer die Haltung des Tieres verboten. Jetzt, wo das Unglück passiert ist, will man die genauen Umstände und mögliche Konsequenzen untersuchen. Durch dieses Versagen sind nun zwei Menschen tot und Hund Chico soll eingeschläfert werden. 

Fakt ist, dass die Ämter und Behörden das hätten verhindern können und müssen. Auch der Tierschutz, der 2014 und 2016 involviert war, ist nicht tätig geworden. Bei dieser Haltung in der Wohnung hätten die Verantwortlichen sofort das Tier aus der Wohnung entnehmen müssen. Die Tierbesitzer waren ja körperlich nicht in der Lage, dieses Tier artgerecht zu halten. Der Ausdruck Tierschutz sagt doch: Tiere sind zu schützen, auch vor den Menschen zu schützen. 

Hätten das die Verantwortlichen getan, würden zwei Menschen noch leben und Chico hätte wohl längst ein normales Leben bei hundeerfahrenen, liebevollen Menschen führen können, wie es sein soll. 

Im Tierheim ist Chico unauffällig. Wahrscheinlich geht es ihm zum ersten Mal in seinem Leben richtig gut. Dieser Hund darf nicht für die von Menschen gemachten Fehler mit seinem Leben bezahlen. 

Doris Baran, Bergen

Dem Hund noch eine Chance geben

Wenn Menschen mit ihren Kraftfahrzeugen illegale Rennen fahren, dadurch verunfallen und Unbeteiligte töten, dann haben sie bei uns nach wie vor eine Chance, mit einer Bewährungsstrafe davonzukommen. Hunde verfügen im Allgemeinen über etwas weniger Verstand als Raser. Hat so ein Tier ausnahmsweise Menschen totgebissen, dann müsste es ebenfalls für eine Bewährung infrage kommen.

Claus-Peter Brasche, Braunschweig

Züchten sollte verboten werden

Ich glaube, jeder – ob Hundebesitzer oder nicht – stimmt zu, dass der Hund nichts dafür kann. Es gibt keine Kampfhunde. Es gibt nur unverantwortliche Hundezüchter. Wer züchtet diese Hunde und warum? Natürlich geht es wie immer nur ums Geld. 

Ich als Hundebesitzer war schon in einigen Tierheimen. Dort sitzen überwiegend die Hunde von den Züchtern. Es scheint diesen völlig egal zu sein, wer diese Hunde bekommt. Wie kann man einem offensichtlich sehr zierlichen, viel zu jungen, leicht behinderten Jungen so einen Hund verkaufen?

Ich bin nur wütend, dass jeder züchten darf, egal welche Rasse! Warum? Sterben die Hunde aus? Wäre mir neu. Das hat nichts mit Tierliebe zu tun. Im Gegenteil, es gibt immer wildere Züchtungen. Die Politik beziehungsweise die zuständigen Minister sollten das Züchten verbieten. In Berlin steht Europas größtes Tierheim. Es gibt zig private Tierschutzvereine, dort bekommt man jeden Hund, ob groß, klein, Rasse oder Mischling. 

Ich hoffe, die Veterinärämter und die Tierschutzheime nehmen in Zukunft solche Anzeigen ernster.

Stefanie Fietkau, Garbsen

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