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Hannover Stadt begrenzt Besucherzahl beim Frauenschwimmen
Nachrichten Hannover Stadt begrenzt Besucherzahl beim Frauenschwimmen
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00:29 12.04.2018
Beim Frauenbadetag im Vahrenwalder Bad soll die Besucherzahl deutlich beschränkt werden. Quelle: Foto: Katrin Kutter
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Hannover

  Mit einem Bündel von Projekten will die Stadtverwaltung die Probleme beim Frauenbadetag im Vahrenwalder Bad in den Griff bekommen. Die Zahl der Badegäste werde begrenzt und das Badpersonal aufgestockt, sagt Sportdezernentin Konstanze Beckedorf am Montag im Sportausschuss. Integrationsexperten sollen bei Konflikten zwischen Besucherinnen und Badpersonal vermitteln, die Baderegeln werden in mehreren Sprachen und in Form von Piktogrammen  ausgehängt. Im Kassenbereich wird ein Sicherheitsdienst postiert. Die Frauenbadezeit endet eine halbe Stunde früher, um das Bad für den nächsten Tag herrichten zu können. Zudem bezeichnet die Stadt das Angebot  jetzt als Frauenschwimmen, um den sportlichen Charakter zu betonen, wie Beckedorf sagt. Das Gros der Maßnahmen greift erst nach den Sommerferien, wenn die Sanierungsarbeiten im Vahrenwalder Bad beendet sind. „Sowohl Besucherinnen als auch Badmitarbeiterinnen sollen sich wohlfühlen“, sagt Beckedorf. 

Ein Recht darauf „nur zu baden“

Im Sportausschuss werden die Maßnahmen mehrheitlich begrüßt. Lediglich die CDU merkt an, dass die Stadt zu viel „Bohei“ mache. Kontrovers wird die Umbenennung in Frauenschwimmen diskutiert. „Wir können den Besucherinnen nicht das Recht nehmen, nur zu baden“, sagt Grünen-Ratsfrau Renee Steinhoff. Dem stimmen auch CDU und Linke zu. Die SPD widerspricht. „Es geht nicht, dass 200 bis 300 Menschen nur im Wasserbecken stehen und sich unterhalten“, sagt SPD-Sportexperte Angelo Alter. Dazu seien die Wasserflächen in Hannover zu kostbar. Sportliche Angebote während der Frauenschwimmzeit wie Schwimmkurse und Aquajogging hat die Stadt jedoch nicht eingeplant. 

Mitarbeiter des Bads hatten im Dezember bei der Bäderverwaltung Alarm geschlagen. Sie berichteten, dass nicht wenige Besucherinnen häufig gegen Bade- und Hygienevorschriften verstießen. Manche stiegen mit Jeans ins Wasser und picknickten am Beckenrand. Viele der überwiegend muslimischen Frauen und Mädchen stünden ohnehin nur im Nichtschwimmerbecken und unterhielten sich. Ermahnungen der Badmitarbeiterinnen wurden ignoriert, einige Besucherinnen drohten, ihre Väter und Brüder zu holen. Die Vorfälle lösten eine politische Debatte aus. 

Mehr Freiraum für Frauen

Grundsätzlich wollen Stadtverwaltung und Ratsmehrheit an einem Angebot für Frauen im Vahrenwalder Bad festhalten. „Wir wollen einen Freiraum schaffen, in dem Frauen nicht bewertenden Blicken ausgesetzt sind“, sagt Sportdezernentin Beckedorf. Sie betont zugleich, dass Baderegeln eingehalten werden müssen. SPD-mann Alter betont, dass das Vahrenwalder Bad jetzt unter verschärfer Beobachtung stehe.

Viel verspricht sich die Stadt davon, den Zustrom der Besucherinnen zu begrenzen. Waren zuvor bis zu 500 Gäste im Bad, sollen es jetzt 280 sein – so viele wie es Garderobenschränke gibt. Ehrenamtliche Helferinnen und professionelle Integrationsmanagerinnen sollen bei Konflikten in der Schwimmhalle vermitteln. Zudem sind „interkulturelle Schulungen“ für die Badmitarbeiter geplant.

Unsere Reportage über den damals noch sogeannten Frauenbadetag im Vahrenwalder Bad finden Sie hier.

Von Andreas Schinkel

Kommentar von Andreas Schinkel

Kein Badesee

Hannover Der Frauenbadetag heißt jetzt Frauenschwimmzeit, aber ob sich damit etwas ändert freitagnachmittags im Vahrenwalder Bad, bleibt zweifelhaft. Der Ansatz der Stadtverwaltung ist ja richtig: Die überwiegend muslimischen Frauen sollen nicht nur dicht gedrängt im Nichtschwimmerbecken herumstehen, sondern sich im Wasser bewegen, möglichst auch im Schwimmerbereich.

Etliche Besucherinnen können aber gar nicht schwimmen, daher ist es nicht mit einer Umbenennung getan. Vielmehr sollte die Stadt den Frauen auch ein sportliches Angebot unterbreiten, etwa Schwimmkurse und Aquafitness. Zugleich muss den Besucherinnen klar sein: Eine Schwimmhalle ist kein Badesee. Picknicken am Beckenrand und mit Straßenkleidung ins Wasser steigen sind aus nachvollziehbaren hygienischen Gründen verboten. Es bleibt zu hoffen, dass es dem Badpersonal gelingt, dies konsequent zu vermitteln. Es reicht jedenfalls nicht, die Baderegeln künftig auch in Form von Piktogrammen in die Schwimmhalle zu hängen.

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