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Hannover Chico wird vorerst nicht eingeschläfert
Nachrichten Hannover Chico wird vorerst nicht eingeschläfert
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09:36 09.04.2018
Quelle: Rainer Dröse
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Hannover

 Eigentlich sollte Staffordshire-Terrier Chico am Montag eingeschläfert werden – nach der tödlichen Attacke des Hundes vom Dienstag war das der Plan der Stadt Hannover. Ein Alternativvorschlag des Tierschutzvereins und massiver Protest von Tierfreunden haben jetzt aber noch einmal einen Aufschub ermöglicht.  

Der Tierschutzverein Hannover hatte am Sonntag vorgeschlagen, den Hund auf einen Gnadenhof zu bringen. Geschäftsführer Heiko Schwarzfeld bestätigte gegenüber der HAZ, dass es bereits Gespräche mit der Einrichtung außerhalb Niedersachsens gebe. Die Unterbringung, die nach Erfahrungswerten etwa 300 bis 400 Euro im Monat koste, soll ohne Steuergeld finanziert werden. Der Tierschutzverein wolle zu Spenden aufrufen.

Von Seiten der Stadt wird dieser Vorschlag nun überprüft. „Die Sicherheit der Bevölkerung steht an erster Stelle. Im Normalfall würde der Hund eingeschläfert werden“, sagte Stadtsprecher Udo Möller. Das Tierheim aber habe „einen seriösen Vorschlag unterbreitet, und dem gehen wir jetzt nach“. 

Massive Proteste

So bleibt der Hund vorerst im Tierheim Langenhagen. Dort freut man sich über die „die sensible Reaktion der Stadt“, wie Schwarzfeld sagt. Die Ankündigung von Chicos geplanter Einschläferung hatte über das Wochenende für massiven Protest gesorgt. Rund 250 000 Tierfreunde haben eine Online-Petition für den Hund unterzeichnet. Bei einer kurzfristig für Sonntag anberaumten Demo vor dem städtischen Veterinäramt protestierten etwa 80 Teilnehmer, die teils mit Hunden gekommen waren, gegen das Einschläfern des Hundes. „Wir hoffen, dass die Entscheidung der Stadt noch umkehrbar ist“, sagte  Guillermo Schwiete, der die Demo angemeldet hatte. Er hoffe weiter auf „Gerechtigkeit für Chico.“ Die Meinung der Demonstranten und Petitenten: Das Tier könne für den Tod seiner beiden Halter nicht verantwortlich gemacht werden, weil erst die Haltungsbedingungen ihn aggressiv gemacht hätten.

Abgesehen von dem friedlichen Protest gab es möglicherweise noch eine anderen Versuch, das Tier zu retten: Zwischen Freitag und Sonnabend haben Unbekannte versucht, in das Tierheim Krähenwinkel einzubrechen. „Vermutlich wollten die Täter versuchen, Chico zu befreien“, sagt Schwarzfeld. Es blieb aber beim Versuch.

Unterdessen werden die Mitarbeiter des Tierheims offenbar seit Tagen beschimpft. Im Büro stehe das Telefon seit Chicos Einlieferung in der Nacht zum Mittwoch kaum noch still, sagt Schwarzfeld. Die Mitarbeiter seien massiv beleidigt worden: „Wir wurden als Mörder beschimpft.“ Eine Anruferin soll gesagt haben: „Da sitzt der fette Vorsitzende mit seiner Krawatte im Bürostuhl und entscheidet über Leben und Tod.“ Auch bei der Stadt Hannover soll es heftige Beschwerden gegeben haben. 

Ist der Hund krank?

Völlig unklar ist, wie es zur tödlichen Attacke des Hundes auf seinen Halter (27) und dessen Mutter (52) kommen konnte. Eine Theorie: Eine Krankheit hat den Hund aggressiv gemacht. Eine  baldige Untersuchung soll darüber Klarheit bringen. „Es könnte eine Zahninfektion sein – Hunde leiden darunter sehr“, sagt Schwarzfeld. Im schlimmsten Fall könnten sich in Chico mehrere Tumore gebildet haben. Dann würde die Frage nach seiner Zukunft auf natürliche Art und Weise beantwortet werden. 

Die andere Theorie: Das Tier wurde zu früh von seiner Mutter getrennt, schlecht erzogen und deshalb aggressiv und verhaltensauffällig. Sollte Chico auf dem Gnadenhof weiterleben dürfen, bleibt fraglich, ob er sich dort überhaupt unter anderen Artgenossen integrieren kann. Denn auch das hat er nie gelernt. „Es ist den Versuch wert“, sagt Schwarzfeld.

Von Manuel Behrens

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