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Hannover Staffordshire beißt Mutter und Sohn tot
Nachrichten Hannover Staffordshire beißt Mutter und Sohn tot
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17:10 04.04.2018
Der Staffordshire-Terrier wird von der Feuerwehr eingefangen und in ein Tierheim gebracht. Quelle: Aktuell24
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Hannover

  In einer Wohnung in Groß-Buchholz hat ein Staffordshire-Terrier offenbar zwei Menschen getötet. Bei den Opfern handelt sich um eine 52-jährige Frau und ihren 27 Jahre alten Sohn. Die 25 Jahre alte Tochter der Frau rief die Polizei am Dienstagabend zu der Wohnung, nachdem sie die beiden Bewohner nicht hatte erreichen können. Sie warnte auch vor dem Hund in der Wohnung.

Die um 22.45 Uhr ebenfalls alarmierte Feuerwehr fing den Hund mit einer Schlinge ein und brachte ihn in ein Tierheim bei Langenhagen. „Als wir die Tür zur Wohnung öffneten, bellte der Hund, fletschte die Zähne und zeigte typisches Revierverhalten“, sagt Feuerwehrsprecher Rainer Kunze. Im weiteren Verlauf ging ein speziell ausgebildeter Mitarbeiter der Feuerwehr mit einem sogenannten Beißanzug in die Wohnung um den Hund einzufangen. „Der Hund wurde mit Kommandos eingedeckt und konnte schließlich in eine Ecke gedrängt und dort gefangen werden“, sagt Kunze. Anschließend wurde der Hund in einen Transportkäfig geführt und zum Tierheim gebracht.

Ein Polizeisprecher bestätigte der HAZ, dass das Tier die 52-Jährige und ihren Sohn wahrscheinlich tödlich verletzt hat. In der Wohnung seien große Blutspuren zu sehen. Wie es zu dem Unglück kommen konnte, ist noch unklar. Laut Polizei weisen die Opfer jedoch Bissspuren auf. Die Todesursache soll nach der Obduktion abschließend geklärt werden. Zurzeit sieht es so aus, als sei diese Tragödie durch Hundebisse zustande gekommen“, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Klinge. Details wollte die Polizei zunächst nicht nennen.

In der Wohnung gab es einen Zwinger aus Stahl

Der braun-gefleckte Staffordshire-Terrier war in der Nachbarschaft als besonders aggressiv bekannt. In der Wohnung gab es im Zimmer des Sohnes einen Zwinger aus Stahl für den Hund. Immer wenn Besuch kam oder die Pflegerin der behinderten Mutter, sei der Terrier in den Zwinger gesperrt worden. Trotzdem soll die 52-Jährige auch Angst vor dem Tier gehabt haben. Galina Petzer von der Diakonie war regelmäßig in der Wohnung der Opfer, um dort die gehbehinderter Mutter zu waschen: „Wenn der Sohn nicht in der Wohnung war, wurde das Tier eingesperrt“, erzählt sie. „Ich habe den Hund nie gesehen. Wenn ich in der Wohnung war, wurde der Hund eingesperrt und bellte im Zimmer.“

Einen ähnlichen Eindruck hat auch Thomas Döpke, der im Mehrfamilienhaus erst als Klempner und inzwischen als Reinigungskraft tätig ist: „Ich habe die Wohnung erst betreten, wenn der Hund im Zimmer des Sohnes war.“ Der Staffordshire-Terrier soll seit gut fünf Jahren im Besitz der Bewohner gewesen sein. Im Haus habe es auch Beschwerden über den Hund gegeben, weil dieser viel gebellt habe. Einige Anwohner berichteten, dass es einige gebe, die Angst vor dem Tier gehabt hätten.

Auch auf der Straße waren der 27-Jährige und sein Tier bekannt: „Der Besitzer hatte den Hund immer eng an der Leine und trotzdem seine Mühe, ihn unter Kontrolle zu halten“, sagt ein Anwohner, der seinen Namen nicht verraten möchte. Draußen soll der Terrier so gut wie jeden Passanten angebellt und angefletscht haben, weswegen der Halter stets einen großen Bogen um andere Menschen gemacht haben soll. Dabei soll das Tier immer mit einem Maulkorb unterwegs gewesen sein.

Im Tierheim bei Langenhagen wird der Staffordshire-Terrier nun beobachtet. „Als er zu uns kam, hat er sich unauffällig verhalten“, sagt Ute Possekel, stellvertretende Leiterin des Tierheims. Während die Obduktion der Opfer läuft, hat das Veterinäramt ein Verfahren zur Feststellung der Gefährlichkeit des Hundes eingeleitet. Sollte sich der Verdacht bestätigen, dass das Tier die beiden Menschen tödlich verletzt hat, wird der Hund wohl eingeschläfert.

Staffordshire Terrier

Ein Staffordshire Terrier ist eine Hunderasse, die ursprünglich aus England stammt. Sie wurde gezüchtet, um Ratten zu vernichten. Die Tiere wurden auch als Kampfhunde eingesetzt. Sie werden einen halben Meter groß. 

Der Staffordshire Terrier zählt, mit Ausnahme von Niedersachsen, Thüringen und Schleswig-Holstein, in denen es keine Rasseliste gibt, in allen Ländern Deutschlands zu den Listenhunden, die umgangssprachlich als „Kampfhunde“ bezeichnet werden.

In Niedersachsen müssen alle Hundehalter seit einigen Jahren einen Hundeführerschein machen, wenn sie sich ein Tier neu anschaffen. Der sogenannte Sachkunde-Nachweis besteht aus einer theoretischen Prüfung vor Beginn der Hundehaltung und einem Praxistest im ersten Haltungsjahr. Nach einer Vielzahl von teils tödlichen Zwischenfällen mit Kampfhunden war es das Ziel des Testes, die Zahl der Attacken von Hunden zu reduzieren. 

Außerdem müssen in Niedersachsen alle Hunde seit 2013 an ein zentrales Register gemeldet werden. Zudem müssen alle Tiere mit einem Transponder, auch Chip genannt, versehen sein. 

Da es in Niedersachsen keine Rasseliste gibt, gibt es aber einen Wesenstest, wenn der Hund als besonders aggressiv gilt.  Auch die Haltung eines sogenannten Kampfhundes in Hannover ist teurer als die eines normalen Hundes: Statt etwas mehr als 130 Euro Hundesteuer können bis zu 600 Euro im Jahr fällig werden.

In Niedersachsen sind im zentralen Hunderegister derzeit 348.504 Tiere gemeldet, 460 davon sind als gefährlich gekennzeichnet. 

In der überwiegenden Zahl der Fälle wurde die Gefährlichkeit bei Mischlingen festgestellt (130 Hunde). In 52 Fällen wurde die Gefährlichkeit bei Deutschen Schäferhunden, in 30 Fällen beim American Staffordshire Terrier und in zwei Fällen beim Staffordshire Bullterrier gemeldet.

ewo/sbü 

(mit sbü)

Von Manuel Behrens

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