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Hannover Steckte Einbrecher Stadtpark-Sauna nur aus Versehen an?
Nachrichten Hannover Steckte Einbrecher Stadtpark-Sauna nur aus Versehen an?
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00:41 01.06.2018
Anwältin Tanja Brettschneider verteidigt den angeklagten Jan B. Quelle: Michael Zgoll
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Hannover

Seit Dienstag muss sich der 33-jährige Jan B. vor einem Schöffengericht am Amtsgericht wegen Einbruchsdiebstahl und Brandstiftung verantworten. Offenkundig ist er schuld, dass die Stadtpark-Sauna im Dezember 2017 Feuer fing und so stark beschädigt wurde, dass die Räume an der Kleefelder Straße seither geschlossen sind. Vieles spricht dafür, dass der selbstmordgefährdete, langjährig drogenabhängige Mann die Taten unter dem Einfluss von mehreren Litern Glühwein und Marihuana beging. Doch eine für das Strafmaß wesentliche Frage wird erst bei der für Freitag erwarteten Urteilsverkündung beantwortet: Hat B. im Massageraum mit Teelichtern Laken und Decken angezündet, um Spuren seines Einbruchs zu verwischen? Oder verursachte der angetrunkene Mann das Feuer eher aus Versehen, also nur fahrlässig?

In polizeilichen Vernehmungen hatte der Realschüler ohne Ausbildung angegeben, er habe die Spuren seines Einbruchs beseitigen wollen. Gestohlen hatte er acht Flaschen Massageöl im Wert von 150 Euro; weil einige dieser Behältnisse zerbrachen und sich das nach Kiefernnadeln duftende Öl in B.s Rucksack und Kleidung verteilten, sprachen Polizeibeamte vor Gericht vom „wohlriechendsten Tatverdächtigen“, den sie je festgenommen hätten.

Der Brand war am Nikolausmorgen gegen sechs Uhr ausgebrochen. Wenige Stunden später entdeckten Mitarbeiter des Grünflächenamts B. hinter einem Gebüsch im Stadtpark; Security-Mitarbeiter der Bahn setzten ihn kurz darauf in der Kleefelder Straße fest. Vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Alena Fischer erklärten der Angeklagte und seine Verteidigerin Tanja Brettschneider, das Feuer sei ein Unglücksfall gewesen. Er habe einige Teelichter entzündet und sei eingeschlafen, führte B. aus. Als er von starkem Rauch aufgewacht sei, habe er vielleicht „versehentlich“ Laken über die Teelichter geworfen oder versucht, den Brand mit Massageöl zu löschen. Dann sei er geflohen.

Henkersknoten im Gepäck

Das Feuer ruinierte den Massageraum komplett, die angrenzende Gaststube und die Saunaräume wurden durch Rußablagerungen unbenutzbar. Die Höhe des Schadens liegt bei 200.000 Euro. Im Rucksack des Brandstifters fand die Polizei zwei Seile mit Henkersknoten, mit denen man sich erhängen kann. Laut einem medizinischen Sachverständigen war B. schon mehrfach in psychiatrischer Behandlung, leidet gelegentlich unter Wahnvorstellungen. Eine verminderte Steuerungsfähigkeit in der Brandnacht basiere allerdings eher auf dem Konsum von Alkohol und Drogen. B. ist seit dem Jahr 2000 schon vielfach straffällig geworden, war wegen zahlreicher Diebstähle, Sachbeschädigungen oder Verstöße gegen das Waffengesetz schon gut zwei Jahre in einer Jugendanstalt eingesperrt.

Als Zeuge hatte das Gericht auch David Mastbaum geladen, den ehrenamtlichen Geschäftsführer der Stadtpark Sauna GmbH. Wie dieser sagte, habe die Stadtverwaltung versprochen, sich bis Ende Mai zur Zukunft der ältesten hannoverschen Sauna zu äußern. Erst wenige Tage vor dem Feuer hatten sich Stadt, Betreiber und Förderverein darauf geeinigt, das aus dem Jahr 1933 stammende Ensemble umzubauen und zu erweitern. Im Fachwerkbau sollten nur noch Gaststube, Küche und Büros Platz finden, in benachbarten Neubauten mehrere Saunen, Massage-, Yoga- und Kosmetikräume sowie ein Veranstaltungsbereich.

Ob diese Pläne nun hinfällig sind, ist offen. Eine Betriebsunterbrechungsversicherung zahlt die laufenden Kosten, doch Einnahmen kann der Betreiber – dessen Mietvertrag noch bis 2023 läuft – aktuell natürlich nicht erzielen. Der städtische Pressesprecher Dennis Dix teilte auf Anfrage mit, verschiedene Fachbereiche würden sich derzeit über das weitere Vorgehen abstimmen. „Schnellstmöglich“ wolle man Ausschüssen und Rat dann einen Verwaltungsvorschlag unterbreiten.

Von Michael Zgoll

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