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Hannover Tesla-Filialleiter wehrt sich vergeblich gegen Rauswurf
Nachrichten Hannover Tesla-Filialleiter wehrt sich vergeblich gegen Rauswurf
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23:41 21.02.2018
In dieser Tesla-Filiale hinter der Oper durfte der kreative Store-Manager nur zehn Monate arbeiten. Quelle: Michael Zgoll
Hannover

 Jung, dynamisch und auf der automobilen Überholspur: So präsentiert sich der amerikanische Elektrofahrzeug-Hersteller Tesla seiner Kundschaft. Doch offenbar hat ein junger, dynamischer Filialleiter im Vorjahr zu viel Gas gegeben – und wurde nach nur zehnmonatiger Tätigkeit aus dem Ladengeschäft hinter der Oper hinauskatapultiert. Seine Chefs warfen ihm vor, mit Spesengeldern der Firma private Vergnügungen finanziert zu haben, sich etwa eine Jahreskarte im Fitnessstudio Aspria gegönnt zu haben. Der 31-Jährige wehrte sich gegen seinen Rauswurf zum 31. Oktober 2017 und zog vor das Arbeitsgericht. Doch die 4. Kammer unter Vorsitz von Kilian Wucherpfennig bremste den ehemaligen Store Manager jetzt kräftig aus – und wies seine Kündigungsschutzklage ab.

Der geschasste Filialleiter argumentierte, dank des Erwerbs der Aspria-Jahreskarte sei es ihm gelungen, vor dem Edel-Fitnesstempel am Maschsee eine Ausstellungsfläche für Tesla-Fahrzeuge zu akquirieren und neue Kunden zu gewinnen. Damit habe er dort die Anbieter anderer hochpreisiger Marken wie Porsche verdrängen können. Zu dem Deal gehörte offenbar auch, dem Aspria-Geschäftsführer für einige Wochenenden Tesla-Fahrzeuge zur Verfügung zu stellen. Der Verkaufsdruck in Hannover sei sehr hoch gewesen, erzählte der 31-Jährige in einer Verhandlungspause. Man habe ihm als Ziel den Verkauf von sechs Wagen der Modellreihen S und X pro Woche vorgegeben – bei Preisen ab 90.000 Euro aufwärts für eins der luxuriösen Elektroautos eine echte Herausforderung.

Allerdings fand sich der Deal mit dem Aspria in keinem Vertrag wieder, dessen Geschäftsführer soll laut Tesla-Unternehmensführung nichts davon gewusst haben. Zudem waren offenbar nicht alle Ausleih-Aktionen genehmigt, und schließlich reichte der Store-Manager eine Spesenabrechnung über 1280 Euro ein, wo die Jahreskarte doch nur 1188 Euro kosten sollte.

Sehr freizügig ging der 31-Jährige auch mit Verwarnungsgeldern um, die ihm die Stadt Hannover für Parkverstöße vor den Geschäftsräumen an der Ecke Luisen-/Rathenaustraße auferlegt hatte: Er stellte sie seinem Arbeitgeber über die Firmenkreditkarte in Rechnung. Dabei sei es ihm keineswegs darum gegangen, sein Fahrzeug möglichst nah an seinem Arbeitsplatz abzustellen, so der geschasste Mitarbeiter. Vielmehr habe er die teuren Tesla-Modelle zu Werbezwecken vor der Tür geparkt.

In der Verhandlung ging es zudem um großzügige Boni zur Mitarbeitermotivation, die der Filialleiter in Form von Apple-Kopfhörern oder Kinogutscheinen verteilte, und um andere Unstimmigkeiten mit Spesen. Er habe von seinen Vorgesetzten grünes Licht für all diese Praktiken bekommen, behauptete der Kläger, konnte diese „gelebte Praxis“ aber mit nichts belegen. Richter Wucherpfennig bescheinigte dem 31-Jährigen „große Kreativität“ in der Ausgestaltung seiner Spesenabrechnungen – aber offenkundig sei nicht alles rechtens gewesen.

Die Firmenleitung zeigte sich im Prozess knallhart, wollte dem gefeuerten Store Manager noch nicht einmal eine Abfindung von 1000 Euro zugestehen. Schließlich gehe es auch darum, keine falschen Signale an die etlichen hundert Mitarbeiter in Deutschland zu senden, so der Firmenanwalt aus Berlin. Dass der Gefeuerte durchaus ein guter Autoverkäufer gewesen sei, ändere nichts an der Berechtigung der Kündigung. Der 31-Jährige betonte, dass er Tesla-Autos trotz des arbeitsrechtlichen Crashs „immer noch toll“ finde – möchte künftig aber bei einem anderen Hersteller hochpreisiger Karossen als Verkäufer arbeiten.

Von Michael Zgoll

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