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Hannover Frau bringt Auto in Werkstatt – am Tag danach wird es in Polen geblitzt
Nachrichten Hannover Frau bringt Auto in Werkstatt – am Tag danach wird es in Polen geblitzt
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00:16 25.01.2018
Werkstattbesitzer Urfan V. beharrte vor Gericht darauf, alles richtig gemacht zu haben. Quelle: Clemens Heidrich
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Hannover

 “So einen Blödsinn habe ich selten gehört“, entfuhr es Amtsrichter Jörn Thyen am Montag im Prozess gegen einen Werkstattbesitzer. Der 50-Jährige hatte am 14. Juli 2017 einen Reparaturauftrag für einen VW Touran angenommen. Am 15. Juli dann wurde Urfan V. mit Tempo 119 – erlaubt waren 60 Stundenkilometer – geblitzt: auf einer Autobahn nahe Warschau. Seine Begründung: Er habe eine ausgiebige Testfahrt unternehmen müssen, um die Ursache für gelegentliche Motorausfälle finden zu können. Insgesamt 3000 Kilometer wurde der VW in den zwei Wochen, in der er in der Obhut der Vahrenheider Werkstatt war, bewegt. Richter Thyen schenkte der abenteuerlichen Begründung um die ausgiebige Probefahrt nicht einen Moment lang Glauben und verurteilte V. wegen unbefugten Gebrauchs eines Fahrzeugs zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen à 20 Euro.

Kabel waren beschädigt

Der graue Touran, der einer Lehrerin gehörte, hatte im Juli schon eine stolze Zahl auf dem Tacho stehen, als der Motor zu mucken begann: 243.000 Kilometer. Das Auto blieb auf der Autobahn 2 liegen und musste abgeschleppt werden. Die Frau brachte ihren Wagen zunächst zu einer VW-Werkstatt nach Langenhagen, dort diagnostizierte man verschmorte Isolierungen an einem Kabelbaum und erstellte für die Reparatur einen Kostenvoranschlag in Höhe von 1300 Euro. „Doch das war mir zu teuer, deshalb sind mein Mann und mein Vater zu der freien Werkstatt in Vahrenheide gefahren“, erklärte die 40-Jährige vor Gericht. Knapp zwei Wochen später bekam die Halterin ihren VW zurück. „Repariert“, sagte Urfan V.  aus.  „Unrepariert“, widersprach die Lehrerin. Offenbar trat der Fehler nur unregelmäßig und bei feuchter Witterung auf, so dürfte der fortlaufende Mangel nicht gleich aufgefallen sein. Zuguterletzt reparierte eine dritte Werkstatt den Wagen für gut 300 Euro, inzwischen hat er den Besitzer gewechselt.

Aus allen Wolken fiel die Touran-Besitzerin im Herbst, als sie den Anhörungsbogen wegen zu schnellen Fahrens bekam. „Ich war noch nie in Polen“, beteuerte sie. Urfan V. behauptete, die Testfahrt Richtung Osten angetreten zu haben, um den Fehler in der Motorsteuerung des Autos zu finden: „Dazu muss man lange Strecken fahren, das habe ich dem Vater auch gesagt.“ Richter Thyen blieb fassungslos: „So etwas ist völlig abwegig, Sie haben sich einfach dreist den Wagen geliehen.“  Wo V. nun weiterhin mit dem VW der Lehrerin herumgekurvt ist, mochte er nicht verraten; eine Strecke Hannover-Warschau ist schließlich nur 820 Kilometer lang.

19 Einträge in Vorstrafenregister

Und der Werkstattbesitzer legte sogar nach. Eine Woche habe er nach dem Trip gen  Osten an dem Wagen gewerkelt, aber schlussendlich keine Rechnung gestellt. Im Erzählen abstruser Geschichten besitzt der 50-Jährige schon Erfahrung, hat immerhin schon 19 Einträge im Vorstrafenregister – unter anderem wegen Betrugs und Urkundenfälschung – gesammelt. Zu den 1000 Euro Geldstrafe wegen der ausgiebigen Fahrten mit dem Kundenauto kommt das saftige Bußgeld aus Polen hinzu, das V. zahlen muss. Das Urteil ist bereits rechtskräftig, und der Richter gab dem Kfz-Mechaniker noch einen guten Rat mit auf den Weg: „Machen Sie so etwas nie wieder, denn wenn die Leute mitkriegen, dass Sie mit ihren Autos Schindluder treiben, können Sie den Laden dichtmachen.“

Von Michael Zgoll

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