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Hannover Tibeter formen in Hannover ein einzigartiges Mandala aus Sand
Nachrichten Hannover Tibeter formen in Hannover ein einzigartiges Mandala aus Sand
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00:18 09.09.2018
Ein spiritueller Akt: Im Tibet-Zentrum in der Odeonstraße formen Mönche ein Mandala aus Sand. Quelle: Moritz Frankenberg
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Hannover

Erhaben blickt der goldglänzende Buddha aus der Altarwand heraus, flankiert von prächtigen Statuen tibetischer Meister. Und zu seinen Füßen arbeitet im Tempel ein halbes Dutzend Mönche mit höchster Konzentration an einem filigranen Kunstwerk. „Wir formen aus Sand ein Mandala der Weißen Tara, einer Gottheit des langen Lebens“, sagt Geshe Thupten Sonam.

Seine Mitbrüder träufeln die farbigen Körner aus gemahlenem Marmor fast einzeln aus einer Art Stahlpipette auf eine Unterlage. Seit Tagen arbeiten die buddhistischen Mönche schon an ihrem Werk. Millionen winziger Sandkörner zu einem Gemälde zu ordnen, erfordert schon ein gewisses Maß an Geduld und Präzision.

Die sechs Tibeter von der südindischen Klosteruniversität Sera Jey – alle sind mit hohen akademischen Graden dekoriert – haben ihre Kunstfertigkeit in jahrelangen Ausbildungen erworben. „Es gilt als segensreich, sich so ein Mandala anzuschauen, denn es symbolisiert den Aufenthaltsort eines Buddhas“, sagt Myriam Abdel-Rahman Sherif, die Vorsitzende des Tibet-Zentrums in der Odeonstraße.

Insel tibetischer Kultur

Es ist eine fremde, faszinierende Welt, die sich Besuchern im ersten Stock ihres unscheinbaren Hauses auftut, das zwischen einer Spielothek und Bürogebäuden liegt. Die Etage ist eine Insel tibetischer Kultur, voll glänzender Figuren, bunter Fahnen und prachtvoller Bilder, in der sich die buddhistische Formensprache in ihrer ganzen Farbenpracht entfaltet. Derzeit gehen hier zum siebenten Mal die Tibetischen Kulturtage über die Bühne.

„Wir möchten dabei die Schönheit tibetischer Traditionen zeigen“, sagt Myriam Abdel-Rahman Sherif, „und wir bitten um Spenden für die Klosteruniversität Sera Jey.“ Rund 4000 Mönche aus dem von China besetzten Tibet leben dort im indischen Exil. Der Unterhalt der Einrichtung, die ein wichtiger Identitätsanker der bedrohten tibetischen Kultur ist, muss ständig neu gesichert werden. Auch deshalb stehen im Tibet-Zentrum noch bis zum Sonntag Vorträge und Meditationen, Musik und Zeremonien auf dem Programm.

Der Verein Samten Dargye Ling (etwa „Ort der Ruhe“), der das Tibet-Zentrum trägt, hat rund 150 Mitglieder. Neben dem prächtigen Tempel gehören zu den Räumen auch eine Werkstatt, eine Bibliothek, ein Yoga-Raum und die Lotus-Kinderkrippe. „Dort werden Kinder nach dem buddhistischen Prinzip der Achtsamkeit betreut“, sagt Myriam Abdel-Rahman Sherif. Rund 400 Veranstaltungen organisiert das Tibet-Zentrum im Jahr – und bei den aktuellen Kulturtagen ist die Arbeit der Mönche am Sandmandala eines der Highlights.

Symbol der Vergänglichkeit

Das Sandstreuen ist auch ein spiritueller Akt, den die Mönche mit Gebeten begleiten. „Lassen Sie all alles Alltägliche los, das Sie beschäftigt“, sagt der lächelnde Geshe Thupten Sonam den Besuchern. Dann stimmen die sitzenden Mönche in ihren bunten Gewändern kehlige Gesänge an. In diesem Medizin-Buddha-Ritual geht es um Gesundheit und innere Reinigung; lange rezitieren die Mönche Mantren und rufen einen Segen auf Arzneimittel herab – eine klanggewaltige Zeremonie, bei der Glöckchen und Blasinstrumente erklingen.

Dann geht die Arbeit am Mandala mit unendlicher Sorgfalt weiter. Die Mönche gestalten es im Bewusstsein, dass nichts davon bleiben wird. Am Sonntag werden sie das Werk wieder zerstören. Es ist ein Akt gegen die Logik der Effizienz: Die Sandkörner, die sich für kurze Zeit zu einem Bild formiert hatten, werden dann wieder chaotisch zerstreut.

 „Alles ist vergänglich“, sagt Geshe Thupten Sonam achselzuckend, „auch der Mensch, und sei er noch so reich und schön.“ Das Leid des Wandels akzeptieren zu können, gilt im Buddhismus als edel und gut. Ein Teil der Sandkörner wird dann in die Leine wehen. Als Gabe für die spirituellen Wesen im Wasser.

Tibet-Fest am Sonntag

Noch bis zum Sonntag bieten die siebenten Tibetischen Kulturtage im Tibet-Zentrum, Odeonstraße 2, zahlreiche Veranstaltungen. Unter anderem beginnt am Freitag um 19 Uhr ein Konzert mit dem mongolisch-orientalischen Trio Sedaa.

Am Sonntag gibt es um 11, 12 und 13 Uhr Tempelführungen. Danach beginnt ein buntes Tempelfest, bei dem um 14.30 Uhr der Kinderliedermacher Unmada auftritt. Es gibt auch eine Fotoausstellung und einen Dokumentarfilm zum Buddhismus zu sehen. Außerdem stehen zahlreiche Aktionen für Kinder auf dem Programm. Um 16.30 Uhr wird das Sandmandala der Mönche in einer feierlichen Zeremonie aufgelöst. be

Von Simon Benne

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