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Hannover Lore Oppenheimer in New York gestorben
Nachrichten Hannover Lore Oppenheimer in New York gestorben
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00:22 12.08.2018
Lore Oppenheimer Quelle: HAZ-Archiv
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Hannover

Die Anzeige erschien immer wieder. Über Jahre hinweg grüßte Lore Oppenheimer regelmäßig in der Weihnachtszeit ihre alten Freunde in Hannover mit einer Annonce in der HAZ. Die Grüße aus der Bronx waren das rührende Zeugnis einer Verbundenheit mit ihrem Heimatort, von der sie selbst nicht geglaubt hatte, dass sie sich noch einmal einstellen würde. Nicht nach all dem, was man ihr angetan hatte. Lore Oppenheimer war eine der letzten Überlebenden des Holocaust. Jetzt ist sie im Alter von 91 Jahren in New York gestorben.

Lore Oppenheimer und ihr Bruder Erwin als Kinder am Goetheplatz. Quelle: Repro Städtische Erinnerungskultur

Es gibt ein altes Foto, das die junge Lore vorm Haus ihrer Familie am Goetheplatz zeigt, an der Seite ihres Bruders Erwin. Unter einer Hakenkreuzfahne. „Was mit ihm geschah, habe ich nie erfahren“, schrieb sie 2007 an Leibniz-Schüler, die damals die Verlegung der allerersten Stolpersteine in Hannover überhaupt für ihre Angehörigen am Goetheplatz unterstützten. Sicher ist nur, dass ihr Bruder 1945, mit gerade 17 Jahren, im KZ Dachau-Kaufering ermordet wurde. Ihr Vater, Josef Pels, starb schon im Februar 1941.

Mit 15 wurde sie deportiert

Gemeinsam mit ihrer Mutter wurde Lore Oppenheimer als 15-Jährige am 15. Dezember 1941 ins Getto Riga deportiert. Von den 1001 hannoverschen Juden dieses Transports überlebten nur 69 den Holocaust – sie war eine der letzten von ihnen. Die SS trieb sie von Riga aus in verschiedene Arbeitslager. Im Winter 1945 musste sie einen dreiwöchigen Hungermarsch über 350 Kilometer nach Lauenburg überstehen. Typhuskrank und halb erfroren wurde sie von sowjetischen Truppen befreit und zog zwei Jahre danach zu einem Onkel, der 1938 in die USA emigriert war. „Wir wollten nicht mehr in Deutschland leben“, sagte sie.

In Amerika engagierte sie sich als Präsidentin der „Gesellschaft der Überlebenden des Rigaer Gettos“. Sie heirate Leo Oppenheimer aus Kassel – auch er war ein Riga-Überlebender – und bekam zwei Töchter. Erst 1963 kam sie wieder nach Hannover, zur Einweihung der Synagoge in der Haeckelstraße. Bei späteren Besuchen sprach sie mit Schülern über ihre Erlebnisse. Und über die Jahre schloss sie neue Freundschaften hier. „Heute würde ich gerne wieder in Hannover leben“, sagte sie bei ihrem letzten Besuch im Sommer 2014, als sie zur Eröffnung der Gedenkstätte Ahlem gekommen war.

„Eine aufgeschlossene Frau“

„Wir haben eine beeindruckende Persönlichkeit verloren“, sagt Regionspräsident Hauke Jagau. „Lore Oppenheimer war eine sehr aufgeschlossene Frau, die die Erinnerung an das NS-Unrecht wach hielt und zugleich die Hand zur Versöhnung ausstreckte.“

Sie selbst hatte einen Wunsch. Nach ihrem Tod sollte auch für sie selbst ein Stolperstein am Goetheplatz verlegt werden, neben denen für ihren Vater und ihren Bruder. „Wir wollen ihrer Bitte möglichst schon im kommenden Jahr nachkommen“, sagt Karljosef Kreter vom städtischen Team Erinnerungskultur. Auf gewisse Weise hätte Lore Oppenheimer dann wieder einen festen Platz in ihrer Heimatstadt gefunden.

Von Simon Benne

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