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Hannover Ärger um geplante Öko-Landwirtschaft
Nachrichten Hannover Ärger um geplante Öko-Landwirtschaft
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00:39 31.05.2018
In Hannover betreibt der Kronsberghof ökologische Landwirtschaft. Quelle: All Rights Reserved.
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Hannover

 Hannovers Ackerflächen sollen vorrangig Ökolandwirten zur Pacht angeboten werden, so hat es der Rat vor einem Jahr beschlossen. Doch die Umsetzung der politischen Forderung gestaltet sich schwieriger als gedacht.  Dem Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) geht alles zu langsam. Der Verband kritisiert, dass die meisten Flächen noch immer konventionell bewirtschaftet werden. Die FDP, Mitglied im Mehrheitsbündnis, drückt dagegen auf die Bremse. Die Liberalen befürchten, dass langjährige Pächter vor den Kopf gestoßen werden, wenn die Stadt jetzt bestehende Verträge kündigt.

Knapp 1000 Hektar und damit etwa ein Drittel der landwirtschaftlichen Flächen in Hannover gehören der Stadt. 210 Hektar davon sind Grünland, der Rest Äcker. Ökologischer Landbau wird nur auf dem Kronsberghof betrieben. „Auf den übrigen Flächen lässt die Stadt durch die Pachtverträge in der Regel nur den Einsatz gentechnisch veränderter Organismen verbieten“, erklärt Georg Wilhelm, BUND-Vorstandsmitglied. Mittel wie Glyphosat und die Neonikotinoide, die für das Verschwinden der Insekten verantwortlich gemacht werden, seien dagegen erlaubt.„Das ist angesichts des katastrophalen Insektensterbens kein verantwortungsvoller Umgang mit öffentlichem Eigentum“, sagt Vorstandsmitglied Georg Wilhelm. Es entstehe der Eindruck, dass der Ratsbeschluss ausgesessen werde.

Die Pachtverträge für die Ackerflächen haben sehr kurze Laufzeiten, meist ein Jahr. Nach Ablauf der Frist werden die Verträge automatisch verlängert. Daher ist die Stadtverwaltung gezwungen, die Pachtverträge zu kündigen, um Neueinsteigern eine Chance zu geben. „Damit könnte ein konventioneller Landwirt aus der Wedemark zu Gunsten eines Ökobauern aus der Lüneburger Heide verdrängt werden“, sagt FDP-Ratsherr Patrick Döring. Das sei mit einem liberalem Verständnis nicht vereinbar. Dass sich die Pachtverträge automatisch verlängern, hätte dem Rat vor dem damaligen Beschluss mitgeteilt werden müssen, kritisiert Döring. 

Die Stadt bestätigt die Probleme. Eine Umstellung auf ökologische Bewirtschaftung sei nicht von heute auf morgen zu erzwingen, sondern sei von rechtlichen Rahmenbedingungen abhängig, heißt es auf Anfrage. Zudem dürfe die Existenz von bestehenden Höfen nicht gefährdet werden. „Vorrangiges Ziel ist es, derzeit wirtschaftende Betriebe zu motivieren“, teilt die Verwaltung mit. Soll heißen:  Pächter sollen nicht verdrängt, sondern zum Öko-Umdenken ermuntert werden. Angeboten werde entsprechende Beratung durch die Landwirtschaftskammer etwa zu Fördermöglichkeiten. Außerdem existiere ein Stufenkonzept zum Umstieg, das der Rat noch in diesem Jahr beschließen soll.

Von Bernd Hasse und Andreas Schinkel

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