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Hannover Nach tödlichem Fahrradunfall: Kreuzung wird nicht umgestaltet
Nachrichten Hannover Nach tödlichem Fahrradunfall: Kreuzung wird nicht umgestaltet
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00:15 05.12.2018
Seit dem tödlichen Unfall erinnert an der Kreuzung von Vahrenwalder Straße und Industrieweg ein weißes Fahrrad an den Elfjährigen, der von einem abbiegenden Lkw überrollt wurde. Quelle: Clemens Heidrich
Hannover

Die Unfallkreuzung Vahrenwalder Straße/Industrieweg, an der im April ein elfjähriger Junge von einem Lkw überrollt wurde, wird nicht weiter entschärft. Die Unfallkommission hatte unter anderem empfohlen, unter anderem eine eigene Grünphase für Fußgänger und Radler einzurichten. Wie die Stadt jetzt auf HAZ-Anfrage mitteilt, konnten aber die nach dem tödlichen Unfall beauftragten Gutachter keine Mängel an dem Verkehrsknotenpunkt feststellen. „Die Kreuzung entspricht sowohl in baulicher als auch in betrieblicher Hinsicht den geltenden Richtlinien“, sagt Sprecherin Michaela Steigerwald.

Nach Auffassung des Ingenieurbüros weise die Kreuzung „keine Sicherheitsdefizite“ auf, so Steigerwald. „Eine Veränderung der Ampelschaltung wird nicht empfohlen.“ Gründe, die gegen eine Trennung der Grünphasen sprechen, nennt die Stadt allerdings nicht. Weitere Ergänzungen, die die Unfallkommission nach dem Tod des Elfjährigen empfohlen hatte, seien dagegen zeitnah umgesetzt worden. So richtete die Stadt nahezu an allen Kreuzungen der Vahrenwalder Straße rote Fahrradfurten ein. Die Verwaltung betont dabei erneut, die Umgestaltung sei „unabhängig vom Unfall“ erfolgt.

„Sicherheit oberste Priorität“

Unter anderem der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) hatte gefordert, die Grünphasen für abbiegende Fahrzeugen sowie die für Fußgänger und Radler strikt zu trennen. Das jetzige Ergebnis stößt daher auf Unverständnis. „Wir werden uns damit nicht zufrieden geben, sondern uns mit dem Gutachten auseinandersetzen“, sagt Hannovers ADFC-Sprecher Eberhard Röhrig-van der Meer. „Die Sicherheit hat oberste Priorität.“ Auch der Gesamtverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen (GVN) ist überrascht: „Separate Ampelschaltungen wären die sicherste Variante gewesen“, sagt Christian Richter, Geschäftsführer des GVN-Bereichs Güterkraftverkehr.

Unmittelbar nach dem tödlichen Unfall hatte der Verband die Politik aufgefordert, Abbiege- und Bremsassistenten in Lkw endlich zur Pflicht zu erklären. Entsprechende Systeme gibt es bereits. Der elfjährige Manuel wollte am 18. April bei Grün über die Kreuzung radeln, als er von einem zeitgleich nach rechts in den Industrieweg abbiegenden 40-Tonner erfasst wurde. Der Junge war sofort tot, seine hinter ihm fahrende Mutter musste alles miterleben. Der Lkw-Fahrer wurde im August wegen fahrlässiger Tötung zu einer einjährigen Bewährungsstrafe und 1500 Euro Bußgeld verurteilt.

Transparenz gefordert

Möglicherweise ergab das Gutachten, separate Ampelschaltungen könnten zu langen Staus führen. „Vielleicht wäre dann der Durchsatz pro Grünphase nicht mehr gegeben gewesen“, mutmaßt GVN-Geschäftsführer Richter. Zudem wäre der Umbau vermutlich „sehr kostenintensiv“ gewesen. ADFC-Sprecher Röhrig-van der Meer fordert von der Verwaltung mehr Transparenz, „damit wir die Schlussfolgerungen nachvollziehen können“. Sicherheit müsse stets vor Schnelligkeit stehen.

Auf Anraten der Unfallkommission will die Stadt aber die sogenannten Sichtbeziehungen der Verkehrsteilnehmer untereinander optimieren. „Dahinter verbergen sich beispielsweise Leitsysteme für blinde und sehbehinderte Menschen“, sagt Steigerwald. Außerdem sei geplant, die Fußgängerüberwege an der Kreuzung barrierefrei zu machen. Die Umgestaltung soll „mittelfristig“ geschehen. Die Nachfrage, ob eine Bike-Flash-Anlage wie in Garbsen ebenfalls eine Option wäre, beantwortete die Stadt nicht. Das Warnlicht alarmiert abbiegende Lkw-Fahrer, wenn sich Radler im Toten Winkel befinden.

Brems- und Abbiegeassistenten

Sogenannte Brems- und Abbiegeassistenten sollen Fernfahrern helfen, sicherer im Verkehr zu agieren. „Gerade in der Stadt müssen sie auf so viele Dinge achten“, sagt Christian Richter vom Gesamtverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen (GVN). Problematisch sei allerdings, dass es bislang nur Mercedes gebe, dessen System „halbwegs zuverlässig arbeitet“, sagt Richter. Aber auch der Assistent gebe momentan bloß Warnsignale von sich und greife nicht ein. Richter: „Ich würde mir wünschen, dass die Fahrer komplett unterstützt werden.“

Niedersachsen und andere Bundesländer fordern inzwischen, die Assistenten EU-weit zwingend vorzuschreiben. Laut der EU-Kommission sollen das Europäische Parlament und die Mitgliedsstaaten bis Mai 2019 darüber entscheiden, welche Sicherheitssysteme künftig verpflichtend werden. Seit Ende 2013 müssen Lkw mit mehr als acht Tonnen Gesamtgewicht zwar Notbremsassistenten haben, diese sollen das Tempo jedoch bloß reduzieren. Außerdem ist es nicht untersagt, die Systeme zu deaktivieren.

Von Peer Hellerling

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