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Hannover Machen Airbnb und Co. den Wohnungsmarkt in Hannover kaputt?
Nachrichten Hannover Machen Airbnb und Co. den Wohnungsmarkt in Hannover kaputt?
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00:17 03.02.2018
Die Klingelschilder geben einen deutlichen Hinweis: Wenn nicht mehr Namen an der Tür stehen, haben Firmen oft Mietwohnungen in Apartments für Touristen umgebaut.  Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

 Der Lärm schallt durchs ganze Haus, als die jungen Touristen Party machen. Aus den kleinen Apartments schwappen Musik und Feiernde mit Kippen in der Hand in den Hausflur. Seit das Gebäude vergangenes Jahr den Eigentümer gewechselt hat, reißt der Ärger für die langjährigen Mieter nicht ab. Sie haben inzwischen einiges gesehen. Chinesen verzehren ihre Mahlzeiten im Treppenhaus, Spanier schleppen Stühle durchs Haus, um sich in größerer Runde in einer der winzigen Wohnungen zu treffen. Und so manche kommen gern erst in den frühen Morgenstunden polternd in ihre Ferienwohnungen zurück.

Nach dem Verkauf wandelte der neue Besitzer vier freiwerdende Mietwohnungen in Apartments für kurzzeitige Bewohner um: Arbeiter auf Montage, Messegäste oder internationale Touristen, die ein Wochenende in Hannover verbringen. Um Nachfrage muss er sich offenbar nicht sorgen. Das Mietshaus in der Nordstädter Tulpenstraße liegt verkehrsgünstig, nahe an U-Bahn und Innenstadt. Als „Nordstadt Superior“ lässt es sich leicht über Plattformen wie Booking.com finden. 

Immer mehr Haeuser in der Stadt werden zu Apartmenthäusern umgebaut, zum Beispiel in der Tulpenstrasse. Quelle: Philipp Von Ditfurth

Für die zehn verbliebenen normalen Mieter ist mit den Kurzzeitgästen auch die Verunsicherung eingezogen. Das Treppenhaus ließ der neue Besitzer monatelang nicht mehr reinigen. Der Türöffner funktionierte plötzlich nicht mehr, womöglich damit die Kurzzeit-Bewohner leichter ins Haus gelangen. Die Wohnungen in dem Fünfzigerjahre-Haus sind mit ihren 36 bis 50 Quadratmetern klein, die Wände dünn. 

Seit häufig wechselnde Gäste in den vier Apartments ein und aus gehen, quellen Mülltonnen über, Tüten mit Abfall stehen daneben. Flaschen landen in der Papiertonne. „Die Gäste verstehen nicht, wie wir hier in Deutschland leben“, klagt ein junger Mann. Manches, so argwöhnen die Mieter, geschieht vielleicht bewusst, damit auch sie sich zum Auszug entschließen. Eine Putzkolonne rückt vornehmlich sonntags in den Ferien-Apartments an, wenn der Zimmerwechsel ansteht. Der Hausbesitzer will sich nicht öffentlich zu seinem touristischen Vermietungsgeschäft äußern. 

Der Markt erscheint jedoch auch anderen Unternehmern lukrativ: In Hannover wandeln bereits mehrere Gesellschaften Mietwohnungen in größerem Stil in Apartments für Touristen um. Unter Politikern wächst deshalb angesichts des Mangels an preiswerten Mietwohnungen die Sorge. „Die Stadt unternimmt erhebliche Anstrengungen, neue Wohnungen zu schaffen und gleichzeitig geht durch das Apartmentgeschäft Mietraum verloren“, kritisiert Grünen-Politiker Daniel Gardemin. Er hat bereits Ende 2016 – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – rund 30 Häuser aufgelistet, in denen Unternehmen kommerziell Zimmer für Kurzzeitbesucher anbieten. Schwerpunkte liegen nach seiner Beobachtung in Linden, Calenberger Neustadt, Nordstadt und auch Südstadt Richtung Messegelände. 

Immer mehr Haeuser in der Stadt werden zu Apartmenthäusern umgebaut, zum Beispiel in der Limmer Straße.  Quelle: Philipp Von Ditfurth

Seitdem sind weitere Angebote hingekommen, wie ein kurzer Blick auf Portale für Ferienunterkünfte zeigt. An der Hildesheimer Straße können Hannover-Touristen seit Februar 2017 Wohnungen für 95 bis 139 Euro pro Nacht buchen. In der Limmerstraße kosten zwei Übernachtungen für zwei Personen 190 bis 336 Euro. Die Apartments in einem Altbau stehen seit Oktober 2017 bereit. Möblierung und Badausstattung lassen keinen Zweifel: Bei den Anbietern handelt es sich nicht um Privatleute, die ihre Wohnung befristet für ein Wochenende oder einen Monat über Airbnb vermieten. „Das ist ein schleichender Prozess. Diese Aufwertungsgesellschaften kaufen Häuser in zentraler Lage auf und wandeln sie komplett oder einen Teil der Wohnungen in Ferienapartments um“, erklärt Gardemin. 

„Bei einer Zweckentfremdung verschwindet die Wohnung vom Markt“, beschreibt  Randolph Fries vom Mieterbund Hannover das Problem. Es geht dabei nicht um Wohnen, sondern eine gewerbliche Nutzung, einem Hotelbetrieb vergleichbar. Das Phänomen ist aus Hamburg, Berlin und München bekannt. Dass es in Hannover bereits nennenswerte Ausmaße angenommen hat, mag Fries nicht recht glauben. Die frühere Landesregierung hatte allerdings ein Gesetz gegen Zweckentfremdung in Vorbereitung. Die aktuelle Regierung verfolgt das Thema weiter. Damit könnten Kommunen die Möglichkeit erhalten, die Umwandlung von Wohnraum zu untersagen. 

Manchen Politiker vor Ort geht das nicht schnell genug. Die Bezirksräte Linden-Limmer, Mitte sowie Nord haben die Stadtverwaltung auf das Problem gestoßen. „Dabei stellt sich auch die Frage, ob die Anbieter ihre Einkünfte überhaupt versteuern“, sagt Edeltraut Geschke, Bezirksbürgermeisterin Nord. 

Von Bärbel Hilbig

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