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Hannover Viel zu tun für die Stauhelfer der Johanniter
Nachrichten Hannover Viel zu tun für die Stauhelfer der Johanniter
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18:53 05.08.2018
Michael Scholz (l.) und Wolfhard Ehrlich sind als Stauhelfer für die Johanniter auf den Autobahnen unterwegs. Gerade jetzt am letzten Ferienwochenende hatten die beiden jede Menge zu tun. Quelle: Christian Elsner
Hannover

Michael Scholz fasst seine Aufgabe in nur vier Worten perfekt zusammen: „Einfach nur da sein“, sagt der 54-Jährige. Er ist Stauhelfer bei den Johannitern und hat deshalb am letzten Ferienwochenende auf den Autobahnen rund um Hannover richtig viel zu tun. Durch den Rückreiseverkehr quält sich die Blechlawine auf der A 7 Richtung Süden – und auf der A 2 sowieso. Der ADAC prognostizierte jetzt „das heißeste Stauwochenende des Jahres“, in vier Bundesländern – darunter Niedersachsen – und Teilen Skandinaviens geht in den nächsten Tagen die Schule wieder los.

Drei Tage hat Scholz nun auf seinem Motorrad durchgearbeitet, rund 480 Kilometer pro Schicht zurückgelegt. Zu zweit versorgen sie Staugeplagte mit Wasser, schenken Kindern ein Lächeln und leisten Erste Hilfe bei Pannen auf dem Seitenstreifen. „Gerade die thermische Belastung in diesem Sommer zerrt an den Nerven der Autofahrer“, sagt Scholz. Zwar haben viele an die obligatorischen Getränke an Bord gedacht, doch selbst die gehen im Stau irgendwann zur Neige. Deshalb hat jedes Motorrad zwölf Halbliterflaschen Wasser und Apfelschorle an Bord. „Bei den Temperaturen mussten wir täglich mittendrin zurück zur Basis und nachfüllen“, sagt der 54-Jährige.

Abends noch kilometerlange Staus

Scholz und sein Kollege Wolfhard Ehrlich sind auf der A 2 zwischen Lehrte-Ost und Bad Eilsen aktiv, außerdem kümmern sie sich um die an Hannover grenzenden Teile der A 7. Allein bei Berkhof gab es wieder jeweils mehr als zehn Kilometer Stau pro Tag. Auch bei Lehrte kommen 20 Kilometer zusammen, ähnlich ist es bei Bad Eilsen. „Auch abends waren es zusammengerechnet immer noch 40 Kilometer Stau überall“, sagt Scholz. „Der einzige Vorteil: Dadurch, dass alles steht, sind schwere Unfälle weitestgehend ausgeblieben.“

Die Stauhelfer konnten sich daher den Alltagssorgen der Autofahrer widmen. „Das fängt dem Lächeln eines kleinen Kind an, wenn wir ihm einen Teddybär schenken“, sagt Scholz. Sie kümmerten sich um Liegenbleiber und eskortierten ein Wohnmobil nach einem Unfall sicher von der Autobahn. „An Bord waren die ganze Familie und der Hund“, sagt der 54-Jährige. Eine ältere Dame umarmte die beiden Motorradfahrer, nachdem sie ihr geholfen hatten. „Wir sind einfach da, wenn die Autofahrer Stress haben oder in einer Notfallsituation sind“, so Scholz. Und was noch zum Stauhelfer-Job gehört: An den Raststätten stoppten die beiden Johanniter regelmäßig und gaben Tipps, dem nächsten Stau zu entgehen.

Zickzack durch die Rettungsgasse

Rund 110.000 Fahrzeuge sind allein auf der A 2 täglich unterwegs, durch die vielen Baustellen kommt der Verkehr oft zum Erliegen – beim Ferienende noch mehr. „Die Autofahrer haben schließlich immer die gleiche Idee“, sagt Scholz. „Sie fahren alle gleichzeitig nach dem Frühstück los und landen deshalb im Stau.“ Und keiner halte sich an die Rettungsgasse – sogar die schlanken Motorräder seien teilweise „nur im Zickzackkurs durchgekommen“, sagt der Stauhelfer. „Keiner macht irgendwelche Anstalten, aus dem Weg zu gehen.“

Und sogar an einer Familienzusammenführung waren die beiden Johanniter an diesem Wochenende beteiligt. Die Großeltern brachten aus Richtung Berlin das Enkelkind zur Raststätte Lehrte-Ost, die Eltern kamen aus Dortmund und wollten es dort einsammeln. Scholz: „Da sie aber spätestens ab Bad Eilsen dauernd im Stau standen, hatten sie keine Getränke mehr.“ Das Paar sei völlig erschöpft gewesen, die Johanniter spendierten daher eine Runde Wasserflaschen. „Sie waren mehr als dankbar.“

Gegen 18 Uhr hat das lange Einsatzwochenende für die Stauhelfer schließlich ein Ende. Bis auf kleine Zwischenfälle blieb es ruhig. „Wir sind schon zufrieden, wenn wir nichts Großes zu tun hatten“, zieht Scholz Bilanz. Was folgt, ist der beste Moment des Schichtendes: raus aus der dicken Bikerkluft. „Wir schwitzen tierisch“, sagt er. Jetzt dürfen sich auch die Stauhelfer ein wenig abkühlen.

Von Peer Hellerling

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