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Hannover Jetzt ist es offiziell: Welfen verkaufen Schloss für 1 Euro
Nachrichten Hannover Jetzt ist es offiziell: Welfen verkaufen Schloss für 1 Euro
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00:21 02.12.2018
Zufriedene Gesichter: Ernst August von Hannover und Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler (v.l.) bei der Pressekonferenz auf der Marienburg. Quelle: dpa
Hannover

Es ist sein vielleicht letzter offizieller Auftritt als Hausherr hier, doch Ernst August Erbprinz von Hannover sieht entspannt aus. Fast erleichtert wirkt der 35-Jährige, als er im Rittersaal von Schloss Marienburg vor dem Weihnachtsbaum Platz nimmt. „Der heutige Tag ist für meine Familie von großer Bedeutung“, sagt der 35-Jährige. „Wir haben eine gute Lösung gefunden, um das Schloss und sein Inventar dauerhaft für die Öffentlichkeit zu erhalten – das war mir immer ein Herzensanliegen.“

Die Lösung liegt darin, dass die Welfen die Marienburg nach mehr als 150 Jahren verkaufen – zum symbolischen Preis von einem Euro. Neuer Schlosseigentümer wird die Liemak Immobilien GmbH, eine Tochter der Klosterkammer. Bund und Land geben insgesamt rund 27 Millionen für die überfällige Sanierung des maroden Märchenschlosses. Der Vorgang erinnert an den Verkauf der Herrenhäuser Gärten: Im Jahr 1936 verkauften die Welfen diese für die eher geringe Summe von 750 000 Reichsmark an die Stadt Hannover – die sie im großen Stil instand setzte.

Sanierung zu teuer für Welfen

In der Welfenfamilie ist die Entscheidung offenbar umstritten: „Das Haus Hannover muss Eigentümer der Marienburg bleiben“, fordert Heinrich von Hannover, der Onkel des Erbprinzen, vehement. Doch für Ernst August ist der Verkauf ein finanzieller Befreiungsschlag: „Die Sanierung überfordert meine Möglichkeiten bei weitem“, sagt er, „ich bin bereits an die Grenze des Machbaren gegangen.“ Es sei gelungen, die Besucherzahl von rund 30 000 im Jahr 2005 auf rund 200 000 zu steigern, er habe in den vergangenen Jahren den Turm saniert und zahlreiche Aktivitäten auf die Beine gestellt: „Aber wir haben festgestellt, dass es nicht reicht“, sagt er. „In manchen Jahren schreiben wir eine schwarze Null, in anderen nicht.“

Bei einer umstrittenen Auktion im Jahr 2005 haben die Welfen Kunstschätze für 44 Millionen Euro zu Geld gemacht. „Mit dem überwiegenden Teil haben wir Schulden abbezahlt, einen anderen Teil bereits für Sanierungen aufgebracht“, sagt Ernst August, der nur noch bis zum Jahresende der Hausherr der Marienburg sein wird.

Die Erhaltungskosten des historischen Bauwerks sind immens. Ob das Land bei diesem Winterschlossverkauf ein Schnäppchen gemacht hat, ist zumindest fraglich. „Laut Denkmalschutzgesetz ist der Eigentümer verpflichtet, die Immobilie zu pflegen und instandzuhalten“, moniert der haushaltspolitische Sprecher der Grünen, Stefan Wenzel. „Diese Pflicht in einer Nacht und Nebel Aktion auf das Land zu übertragen, geht gar nicht.“

Prinzipiell sei nichts dagegen einzuwenden, ein Baudenkmal wie die Marienburg mit Zuschüssen zu erhalten, sagt Bernhard Zentgraf vom Bund der Steuerzahler. Er fürchtet jedoch, dass künftig auch Investitionen für die Gastronomie und Veranstaltungen fällig werden könnten: „Für den laufenden Betrieb darf der Steuerzahler nicht herangezogen werden“, mahnt er.

„Unser Ziel ist es, das Gesamtkunstwerk Schloss Marienburg als Kulturdenkmal für die Öffentlichkeit zu erhalten und zugänglich zu machen“, sagt hingegen Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler. Priorität soll bei der Sanierung die Abstützung des Burghanges im Südosten haben. Thümler verwies darauf, dass die Länder Baden-Württemberg mit dem Erwerb von Schloss Salem für 58 Millionen Euro und Hessen mit dem Kauf von Schloss Erbach für 13,3 Millionen weit mehr Geld für vergleichbare Immobilien investiert hätten.

Ernst August leitet Stiftung

Der Deal zwischen den Welfen und dem Land sieht vor, dass das Adelshaus etwa 1700 von rund 1800 Kunstwerken auf dem Schloss im Gesamtwerk von etwa 6 Millionen Euro in eine gemeinnützige Kulturstiftung Schloss Marienburg einbringen soll. Den Vorsitz der Stiftung soll Ernst August von Hannover übernehmen, das Land soll im Stiftungsrat vertreten sein. Die Welfen behalten also auf der Marienburg einen Fuß in der Tür.

Mit der Unterstützung mehrerer Stiftungen erwirbt das Land außerdem für rund 2 Millionen Euro mehr als 100 Kunstschätze für das Landesmuseum Hannover, darunter zahlreiche Gemälde. Diese sollen jedoch auf der Marienburg bleiben und unter anderem in Sonderausstellungen zu sehen sein. Das eingenommene Geld wolle er für die Entschuldung und zum Begleichen von Darlehen aufbringen, sagt Ernst August. Preziosen wie die Krone des hannoverschen Königshauses, die 2014 Prachtstück einer großen Ausstellung auf der Marienburg war, bleiben nach Informationen der HAZ im Privatbesitz der Welfen.

Sonderausstellungen geplant

„Wir planen, in jedem Jahr etwa eine große Sonderausstellung auf der Marienburg zu zeigen“, sagt Katja Lembke, Direktorin des Landesmuseums. Unter den Stücken, die in die Obhut ihres Hauses kämen, seien „herausragende Objekte zur Geschichte der hannoversch-britischen Personalunion“.

Als Pächter von Gastronomie und Veranstaltungsbereich werden Carl Graf von Hardenberg und Nicolaus von Schöning zunächst für zehn Jahre das Programm auf Schloss Marienburg gestalten. „Es gilt, das kulturhistorische Potenzial des Schlosses zu optimieren“, sagt Minister Thümler. Auch künftig solle es dort Führungen und Konzerte geben, sagt Carl Graf von Hardenberg, der neben Hotels in Einbeck, Northeim und Göttingen auch das Burghotel Hardenberg betreibt. „Wir führen bereits intensive Gespräche.“ Die rund 60 Beschäftigen sollen ihre Arbeitsplätze auf dem Schloss behalten. Ein Beirat unter dem Vorsitz von Ernst August soll künftig über die Geschicke des Schlosses wachen.

„Der Schritt ist für meine Familie natürlich eine Zäsur“, sagt Ernst August. Im Januar ist er mit seiner Familie aus London nach Hannover gezogen. „Wir fühlen uns hier sehr wohl“, sagt er. „Und auch der Marienburg werde ich weiterhin verbunden sein – wenn auch in anderer Rolle.“

Von Simon Benne

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