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Hannover Wie geht es weiter im Ihme-Zentrum?
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06:00 29.11.2018
Ein Gerüst steht schon seit Juli – seitdem ist von außen sichtbar nichts Weiteres passiert an der Fassade des Ihme-Zentrums Quelle: Irving Villegas
Hannover

Für das Ihme-Zentrum werden in den kommenden Monaten die entscheidenden Weichen gestellt – in eine hoffnungsvolle Zukunft oder in ein abermaliges Scheitern. Es wird sich zeigen, ob der Haupteigentümer, die Intown-Gruppe aus Berlin, seinen Worten Taten folgen lässt und die millionenschweren Sanierung des Gebäudes in Angriff nimmt. Bewohner des Komplexes haben noch immer Zweifel, sie befürchten, dass der Investor am Ende nicht seinen Verpflichtungen nachkommt. Auch aus der Ratspolitik heißt es hinter vorgehaltener Hand: „Wir glauben erst an eine Erneuerung, wenn die Bagger anrücken.“

Im Januar soll es losgehen

Streng genommen bietet Intown noch keinen Anlass, am Sanierungswillen zu zweifeln. Im Sommer hat das Unternehmen Gerüste vor den Fassaden entlang der Blumenauer Straße aufgebaut, um den Beton zu untersuchen. „Im Januar geht es mit den Sanierungsarbeiten an der Fassade los, alle Zeichen sind auf grün gestellt“, versichert Intown-Sprecher Robert Döring. Ein genaues Datum könne noch nicht genannt werden. Dem Vernehmen nach soll in der ersten Januarhälfte mit den Arbeiten begonnen werden. Bauanträge hat die Stadt bereits genehmigt.

Damit würde Intown den mit der Stadtverwaltung geschlossenen Vertrag einhalten. Die Stadt hatte dem Investor eine Reihe von Bedingungen diktiert, ansonsten hätte sie den Mietvertrag nicht um weitere 20 Jahre verlängert. Knapp 350 Stadtbeschäftigte arbeiten in Räumen am Ihmeplatz 5. Der Mietvertrag sieht unter anderem vor, dass am 2. Januar die Fassadensanierung starten soll. Bis zum 30. Juni 2021 soll sie abgeschlossen sein. Zudem zahlt Intown auf zwei Konten 2,4 Millionen Euro und weitere 750 000 Euro für Schadensersatzansprüche der Stadt ein. Die werden fällig, wenn Fassadenerneuerung und Sanierung der Mietflächen nicht fristgerecht fertig werden – für die Fertigstellung der Büroareale am Ihmeplatz 5 ist der Stichtag der 30. September 2022.

Zweifel bei den Bewohnern

Dennoch verbreitet sich Unruhe in der Bewohnerschaft des Ihme-Zentrums. In den sozialen Netzen verbreiten Aktivisten die Botschaft, dass wieder einmal nichts passiert in der Bauruine. Peter Haverkamp, einer der 550 Wohnungseigentümer, wünscht sich vor allem mehr Informationen seitens des Investors. „Intown hält es offenbar nicht für nötig, mit uns zu kommunizieren, und auch eine Eigentümerversammlung ist längst überfällig“, kritisiert er. Sein Nachbar und Wohnungsbesitzer Axel Brunngraber ist noch skeptischer. „Intown muss jetzt endlich liefern und den Worten Taten folgen lassen“, sagt er. Die Chancen, dass die Pläne wahr werden, liegen seiner Meinung nach „bei 50 Prozent“. Detlef Reuleke von der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum ist ebenfalls verunsichert „Es kann sein, dass alles so kommt wie angekündigt – es kann aber auch sein, dass nichts passiert“, sagt der Vorsitzende des Vereins, der sich für mehr Soziokultur im Ihme-Zentrum einsetzt.

Anlass für die Sorgen dürften unter anderem Verzögerungen beim Neubau eines Fuß- und Radwegs sein, der mitten durchs Ihme-Zentrum führen soll. Im Mai wurden die Pläne öffentlichkeitswirksam vorgestellt. „Wir wollen den Stillstand im Ihme-Zentrum überwinden“, sagte Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) damals und stellte viele bunte Bilder von einem grün schimmernden Durchgang vor.

Für den geplanten Durchgang durch das Ihme-Zentrum gibt es bisher nur ein großes Banner mit einer Visualisierung. Quelle: Irving Villegas

Zwar liegen bereits Architektenpläne, eine Kostenkalkulation und ein Rechtsgutachten für die Tunnelstrecke vor, doch passiert ist bisher wenig. Die Stadt hat jetzt ein Moderationsverfahren in Gang gesetzt, um alle Beteiligten an einen Tisch zu holen. „Hier erfolgt aktuell die Terminfindung mit den Akteuren“, teilt eine Sprecherin mit. Auch Intown zeigt sich schmallippig. „Es gibt fortwährende Gespräche mit der Stadt zu dem Durchweg“, sagt Intown-Sprecher Döring. Doch die Zeit läuft davon, spätestens im November 2021 muss der Durchgang fertig sein, ansonsten verfallen 2 Millionen Euro Fördergeld aus der Bundeskasse.

Fördergelder drohen zu verfallen

Schon jetzt gibt es einen Durchgang zwischen Blumenauer Straße und Calenberger Neustadt auf Höhe der Ida-Arenhold-Brücke. Der Weg ist düster und verwinkelt, das soll sich ändern. Tageslicht soll in den Tunnel fallen, die Strecke wird begradigt, an den Seiten der Passage können sich Läden ansiedeln. Technisch sei das alles machbar, sagte das Planerbüro Schulze Partner Architekten bereits im Frühjahr. Die Kosten liegen bei rund 2,7 Millionen Euro. 2 Millionen Euro schießt der Bund aus Fördertöpfen hinzu, den Rest steuert die Stadt bei.

Wie so oft im Ihme-Zentrum sind die Eigentumsverhältnisse nicht einfach. Rund 80 Prozent der Tunnelstrecke gehören dem Haupteigentümer der Immobilie, der Intown-Gruppe. Wem die restlichen Teile der Fläche gehören, sollte ein Rechtsgutachten klären. Dieses Gutachten ist bereits der Stadt ausgehändigt worden. Ergebnis: Auch von juristischer Seite gibt es grünes Licht für den Durchweg, aber alle Eigentümer müssen an einem Strang ziehen. An den Wohnungseigentümern im Ihme-Zentrum scheint es nicht zu liegen. „Wir finden das Projekt super, wundern uns aber, dass bisher nichts passiert ist“, sagt Jürgen Oppermann vom Verwaltungsbeirat für das Ihme-Zentrum.

Die Kommunalpolitik sieht die Verzögerungen mit Sorge. „Wir befürchten, dass es irgendwo hakt“, sagt Daniel Gardemin, Fraktionschef der Grünen im Bezirksrat Linden-Limmer. Keinesfalls dürfe sich das Verfahren derart verzögern, dass die Bundesmittel nicht mehr abgerufen werden können.

Von Andreas Schinkel und Juliane Kaune

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