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12:55 16.04.2018
An der Grundschule Hägewiesen können viele der Zweitklässler nicht gut Deutsch sprechen. Quelle: Heidrich
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Hannover

 Für viele Kinder ist dieser Test kein Problem. Die Mehrzahl von Apfel? Äpfel. Von Stift? Stifte. Doch für fast ein Drittel der angehenden Erstklässler in der Region Hannover war in den Jahren 2015 bis 2018 diese kleine Hürde nicht zu überwinden – sie konnten nicht für sechs oder sieben Begriffe die Mehrzahl bilden. Ein deutliches Zeichen auf Defizite im Spracherwerb – und damit auch ein deutliches Warnzeichen, dass in der Schule massive Probleme drohen könnten. 

Ähnlich sieht es bei den Rechenkünsten der Fünf- und Sechsjährigen aus. Die meisten Kinder schnitten bei einfachen Aufgaben, wie dem Zählen oder einer Mengenerfassung, gut ab. Doch ein Viertel hat Schwierigkeiten und kann etwa nicht fehlerfrei bis 20 zählen. Manchmal bedingen allerdings auch fehlende Sprachkenntnisse, dass ein Kind die betreffende Zahl nicht nennen kann. 

Massive Kritik an Verlagerung der Sprachförderung

Es sind beunruhigende Zahlen, auch weil es zuletzt massive Kritik an der Verlagerung der Sprachförderung gegeben hat. Bis zu diesem Jahr waren Grundschullehrer dafür zuständig, die bei Kindergartenkindern festgestellten Defizite aufzufangen. Dafür wurden sie in die Kitas abgeordnet. Doch weil die Unterrichtsversorgung in den Grundschulen schlecht ist, werden die rund 500 Pädagogenstellen wieder abgezogen – und die Sprachförderung den Kitas überlassen.

Die sehen sich aber gar nicht gerüstet für diese Aufgabe. Die Gewerkschaft Verdi kritisierte, dass die Erzieher in den Kitas nicht die nötige Qualifikation hätten. Zwar helfe ein Kita-Besuch beim Spracherwerb, aber bloß weil Erzieher mit den Kindern sprächen, seien sie nicht Experten für die Sprachförderung, kritisierte Verdi-Gewerkschaftssekretärin Katja Wingelewski. 

Auch Berthold Ernst vom Städte- und Gemeindebund hält die Verlagerung für falsch. „In dem Umfang wie die Schulen können wir die Sprachförderung in den Kitas nicht ad hoc sicherstellen“, warnte er bereits im Februar im Landtag. Doch durchsetzen konnten sich die Kritiker nicht, und nun müssen Kitas und Schulen sich auf die neue Lage einstellen.

Vorschulpflicht in Frankreich

Tatsächlich würde es in vielen Fällen schon helfen, wenn die Kinder mit den größten Sprachdefiziten überhaupt eine Kita besuchen würden. „Ein frühzeitiger Kindergartenbesuch kann sich vor allem für sozial benachteiligte kinder vorteilhaft auf den Entwicklungsstand auswirken und somit für diese Kinder zu einer Verbesserung der Chancengleichheit beitragen“, heißt es im Bericht der Region Hannover. Dieser positive Einfluss erstrecke sich nicht nur auf geistige und kognitive, sondern auch auf körperliche wie soziale Fähigkeiten. 

Die französische Regierung hat aus dieser Erkenntnis nun den Schluss gezogen, die Schulpflicht bereits ab dem dritten Lebensjahr einzuführen und damit den Besuch einer Vorschule verpflichtend zu machen. 24 Stunden pro Woche sollen die Kinder auf den Besuch der Grundschule vorbereitet und Sprachschwierigkeiten gemindert werden. Kritiker nennen die Ankündigung, die ab Sommer 2019 umgesetzt werden soll, Symbolpolitik – schließlich besucht bereits jetzt eine große Mehrheit der Kinder ab drei Jahre die Vorschule.

Von Saskia Döhner, Jutta Rinas und Heiko Randermann

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