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Hannover Vier Monate: Wohnungssuche in Hannover dauert immer länger
Nachrichten Hannover Vier Monate: Wohnungssuche in Hannover dauert immer länger
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00:31 19.05.2018
Zugepackt (v. li.): Sven Bodenstedt, Fabio Lima und Milan Basta managen einen Umzug in der Ellernstraße. Für Wohnungssuchende allerdings wird es immer schwerer, das passende Dach überm Kopf zu finden. Quelle: Clemens Heidrich
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Hannover

Hannover wird immobiler: Weil das Angebot auf dem Wohnungsmarkt zusehends knapper wird, können immer weniger Haushalte umziehen – und die Wohnungssuche dauert immer länger. 2004 haben rund 51 500 Hannoveraner innerhalb der Stadt die Wohnung gewechselt, zuletzt waren es nur noch knapp 40 000 – trotz deutlich steigender Bevölkerungszahl. Die Suche nach einer neuen Wohnung dauert dabei immer länger: Fast jeder Zweite (48 Prozent) brauchte vier oder mehr Monate, um eine neue Behausung zu finden, davon fast jeder Zweite (insgesamt 27 Prozent) sogar sieben Monate oder länger. Zum Vergleich: 2005 brauchte knapp die Hälfte der Wohnungssuchenden maximal vier Wochen, um eine neue Wohnung zu finden – diese Zahl ist auf knapp ein Viertel (23 Prozent) zurückgegangen. 

Die Daten stammen aus einer Studie, für die die Stadt 4835 Hannoveraner befragt und deren Angaben hochgerechnet hat. „Wanderungsmotivbefragung“ lautet der Titel, und das 109-seitige Werk liefert vor allem deshalb gute Informationen, weil es die Fortschreibung einer ähnlichen Erhebung aus dem Jahr 2005 ist: Damals hat das neue Wachstum der Stadt begonnen. 

Familien haben es am schwersten in Hannover

Am schlimmsten trifft es Familien mit Kindern: Fast die Hälfte von ihnen (43 Prozent) suchten länger als sechs Monate nach einer Wohnung oder einem Haus, ein Viertel sogar länger als ein Jahr. Die gefühlte Lage allerdings ist für alle schlimm: 84 Prozent aller, die umgezogen sind, bezeichneten die Situation als „angespannt“, mehr als ein Drittel sogar als „sehr angespannt“. Kein Wunder, dass vor allem Familien mit Kindern auch einen Umzug ins Umland in Betracht gezogen haben: Für 21 Prozent kommt das grundsätzlich in Frage, nur zwei Prozent aber gaben das als ernsthaften Suchradius an. Der Grund für die mögliche Stadtflucht: Außer dem Mangelangebot in der Stadt Hannover (47 Prozent) erhofften sich die Suchenden eine günstigere Miete (34 Prozent) und ein insgesamt niedrigeres Preisniveau (30 Prozent) als in der Landeshauptstadt. Außerdem spielen Umweltgründe inzwischen eine große Rolle für den Gedanken, ins Umland zu ziehen: 40 Prozent derer, die sich das vorstellen können, erhofften sich mehr Naturnähe, 37 Prozent weniger Verkehrslärm und bessere Luft. 

Mehr Platz, mehr Zimmer

Nur sechs Prozent wurden beim Umzug vom Mieter zum Eigentümer der neuen Wohnung (4 Prozent) oder des neuen Eigenheims (2 Prozent). Stark verändert hat sich aber die Zimmerzahl: Mehr als die Hälfte aller Umziehenden hat seit dem Wohnungswechsel mehr Wohnfläche (57 Prozent der Umziehenden) und fast die Hälfte (46 Prozent) mehr Räume zur Verfügung. Das hat auch mit den Gründen für den Umzug zu tun: Vielfach sind Paare zusammengezogen oder Familien wollten sich wegen steigender Kinderzahl vergrößern.

Bei Umzug in Hannover mehr Komfort 

Auch der Komfort nimmt zu: Nach dem Umzug haben 74 Prozent einen Balkon (vorher: 65 Prozent), 41 Prozent einen (Mieter-)Garten (vorher: 33 Prozent), 15 Prozent einen Aufzug (vorher: 10 Prozent) und 13 Prozent einen barrierefreien Zugang zur Wohnung (dieser wert hat sich fast verdoppelt). 

Angesichts der zunehmenden Neubautätigkeit in Hannover gibt die Studie auch interessante Antworten darauf, in was für Immobilien die Bewohner eigentlich leben wollen. Denn ganz oben in der Wunschliste sind Gebäude aus der Gründerzeit (47 Prozent), danach kommt zeitgenössische Architektur (33 Prozent), die eher schlicht gehaltene und energetisch oft fragwürdige Nachkriegsarchitektur ist mit zwölf Prozent abgeschlagen. Wer allerdings Eigentum bildet, hat einen etwas anderen Geschmack: Bei Einfamilienhäusern liegt die Präferenz auf zeitgenössischer Architektur, nur bei Eigentumswohnungen ist der Gründerzeitstil die Wunscharchitektur. 

Am liebsten in der Nähe bleiben

Wie schon 2005 wollen fast drei Viertel der Suchenden am liebsten im bisherigen Stadtteil (39 Prozent) oder in einem angrenzenden Stadtteil (weitere 32 Prozent) bleiben – das spricht für gute Nachbarschaften und hohe Wohnzufriedenheit in den Stadtteilen. Als besonders attraktiv gelten zudem alle Stadtteile, die in der Nähe zur Stadtmitte liegen (32 Prozent). 

Spannend: Die Befragten durften auch persönliche Kommentare abgeben. Da finden sich dann Beschwerden über mangelnde Autostellplätze und teure Knöllchen in der List neben der Forderung, Gehwege im gleichen Stadtteil besser mit Pollern gegen Wildparker zu schützen. Es gibt Hommages an einzelne Stadtteile („Besonders attraktiv an Linden-Süd sind der Fluss (Ihme) und die Ihmeauen“, „Die Nordstadt ist zwar weniger sauber, aber dafür sehr herzlich.“ wie auch Hinweise auf Verbesserungsbedarf. Etwa: „Aus dem Platz am Davenstedter Markt könnte man mehr machen“ oder „Apotheke erwünscht in Schwarze Heide.“ Immer wieder spielen auch die Kosten des Wohnens eine Rolle: „Die Neubauprojekte in Hannover haben unverschämte Preisdimensionen“ oder „Familien finden zu wenige passende Familienwohnungen.“

Von Conrad von Meding

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