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Hannover So sehen die Wohnungsbesitzer die Perspektiven
Nachrichten Hannover So sehen die Wohnungsbesitzer die Perspektiven
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00:55 08.04.2018
Sie wohnen gern im Ihme-Zentrum und hoffen auf einen schnellstmöglichen Umbau: Peter Haverkamp, Margitta Abels und Axel Brunngraber (von links). Quelle: Schaarschmidt
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Hannover

 Fast genau zwei Jahre lebt Peter Haverkamp im Ihme-Zentrum. Eine vergleichsweise kure Zeit. Aber eine Zeit der Extreme. Kurz nach seinem Einzug in die frisch renovierte Eigentumswohnung im 17. Stock hatte die Stadtspitze überraschend angekündigt, dass sie einen Auszug aus ihren Büros erwägt – und zugleich ein Abriss-Szenario durchgespielt. Und nun lässt der Oberbürgermeister wiederum überraschend verlauten, dass die Mietverträge für den größten Teil der von der Stadt angemieteten Flächen um 20 Jahre verlängert werden.  „Das ist“, sagt Haverkamp, „wirklich mal eine gute Nachricht.“

Für 23 700 Quadratmeter Büro-, Archiv- und Lagerflächen im Gebäude am Ihmeplatz 5 schließt die Stadt mit dem Großeigentümer Intown den zwei Jahrzehnte währenden Kontrakt. Auf diesen Schritt warten die rund 550 Wohnungseigentümer im Ihme-Zentrum seit Langem. Denn damit dokumentiert die Verwaltung, dass sie an dem Behördenstandort in dem Betonkomplex festhält. Mit ihrer jährlichen Miete von gut 2,7 Millionen Euro sichert die Stadt Intown nicht nur eine Einnahmequelle, sondern erhebt auch Forderungen: So verpflichtet sich der Investor in dem Vertrag, die Büroräume zu sanieren, die Fassade zu erneuern und die brachliegenden Einzelhandelsflächen zu beleben. Passiert das alles nicht binnen bestimmter Fristen, drohen eine außerordentliche Kündigung und Strafzahlungen.

Intown will Ihme-Zentrum bis 2022 komplett sanieren

Investor Intown hat seine Absicht bekräftigt, die Revitalisierung des Ihme-Zentrums bis 2022 abzuschließen. Nach den Worten von Geschäftsführer Sascha Hettrich sollen im Herbst dieses Jahres vorbereitende Arbeiten für die Sanierung der Fassade beginnen. Den Bauantrag für dieses 10 Millionen Euro teure Projekt hat die Stadt genehmigt; Ende April oder Anfang Mai werden die Wohnungsbesitzer über die Pläne abstimmen. „Wir wollen auch bald Bauanträge für die Einzelhandelsflächen stellen“, kündigt Hettrich an. Es gebe eine Vielzahl von Interessenten, erste Namen seien nach der diesjährigen Sommerpause spruchreif. Parallel zur Fassade würden die Gewerbeflächen in Angriff genommen. Hettrich rechnet hier spätestens Mitte 2019 mit einem Baustart. Ziel sei es, bis zu 24 000 Quadratmeter an den Handel zu vermieten – die Stadt macht zur Bedingung, dass bis Ende 2021 Verträge für 9000 Quadratmeter Gewerbenutzung unterschrieben sind. Zum Konzept von Intown gehören auch neue Wohnungen und neu genutzte Büroflächen. Zur Höhe der Gesamtinvestition äußert der Investor sich nicht.

Die Stadt hat neben den langfristig zur Vermietung vorgesehenen 23 700 Quadratmeter Büroflächen zurzeit weitere knapp 6500 Quadratmeter im Ihme-Zentrum gemietet. In der Ihmepassage 3–5 und 7 sind etwa 230 Mitarbeiter der Fachbereiche Senioren und Jugend untergebracht. Diese Verträge laufen erst 2022 aus, daher werde noch nicht über eine Verlängerung verhandelt, erklärt Stadt. jk 

„Ein solcher Vertrag ist das Mindeste, was die Stadt mal vorlegen musste“, findet Axel Brunngraber. Die Wohnungsbesitzer hätten sich lange im Stich gelassen gefühlt, betont der Internist, der seit 1977 im Ihme-Zentrum zu Hause ist und den stetigen Niedergang des Gewerbe ebenso miterlebt hat wie die wechselnden Investoren. Den größten Fehler hätten Stadt und Stadtwerke vor Jahren gemacht, als sie den Büroturm des Energieversorgers an den damaligen Investor verkauften – „damit haben sie ihre Verantwortung abgegeben“. Inzwischen steht fest, dass Enercity ausziehen wird. „Da bleibt der Stadt nichts anderes übrig, als sich hier stärker zu engagieren – wenn sie nicht unglaubwürdig werden will“, meint der Mediziner.   

Brunngraber gehört zu den Alteingesessenen, die trotz aller Widrigkeiten nicht weg wollen aus dem Ihme-Zentrum. Als junger Arzt ist der heute 67-Jährige in ein Ein-Zimmer-Apartment in der 16. Etage gezogen. Später hat er zwei Wohnungen erworben und zusammenlegen lassen – seitdem genießt er die Aussicht über den Dächern Hannovers. Seine Frau Margitta Abels nutzt einige Räume als Atelier und schwärmt von den lichtdurchfluteten Zimmern: „Das findet man kein zweites Mal.“

Noch hat Intown im Ihme-Zentrum keinen Stein bewegt. Die Bauruinen, die Vorgänger Carlyle hinterlassen hat, prägen das Bild. Vor allem im Bereich rund um den Ihmeplatz 5, wo heute noch knapp 350 Beschäftigte der Jugendverwaltung sowie des Kulturhaupstadtbüros untergebracht ist, herrscht ein Wirrwarr von Wegen, Sperrgittern und zerklüfteten Betonteilen. Intown-Geschäftsführer Sascha Hettrich hatte indes bereits im Juni vergangenen Jahres erklärt, dass bis Ende 2022 ein komplett runderneuertes Ihme-Zentrum eröffnet werden könne. Eine Ankündigung, an der er nach wie vor festhält (siehe Infotext).

Axel Brunngraber bleibt skeptisch: „Bei so einem Konzern braucht man starke Nerven, wir hoffen, dass die hier nicht einfach nur die Miete von der Stadt rausholen wollen. Darum ist es gut, dass der Oberbürgermeister keinen Blanko-Scheck ausgestellt hat.“ Diese Befürchtung hat auch Constantin Alexander von der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum, einem Verein, der unter anderem mehr Soziokultur in den Komplex bringen will: „Es weiß niemand, ob Intown wirklich investiert – im Moment subventioniert die Stadt den jetzigen Zustand.“

Wohnungsbesitzer Peter Haverkamp zeigt sich zuversichtlicher: „Sich immer nur Sorgen zu machen, bringt nichts. Es gibt noch viele Fragezeichen, aber ich denke, dass es weitergeht.“ Mit dieser Einstellung ist der Architekt auch ins Ihme-Zentrum gezogen. „Dafür haben mich viele belächelt – jetzt gibt es sogar Bekannte, die fragen, wie man hier an eine Wohnung kommen kann“, sagt der 62-Jährige.

Torsten Jaskulski, Verwalter im Ihme-Zentrum, sieht die Perspektiven „optimistisch, aber nicht euphorisch“, Jürgen Oppermann spricht sogar von einer „Aufbruchstimmung“. Viele Wohnungsbesitzer hätten ihn angerufen, als die Nachricht von der Vertragsverlängerung der Stadt die Runde machte, berichtet der Vorsitzende der Verwaltungsbeiräte. „Jetzt geht es los“, glaubt Oppermann. Doch Axel Brunngraber bremst: „Bis wirklich die Bagger anrollen, ist es noch lange hin.“

Von Juliane Kaune

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