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Hannover Die Idee von der realen Utopie
Nachrichten Hannover Die Idee von der realen Utopie
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17:13 21.04.2018
Der Stadtsoziologe Prof. Volker Kirchberg von der Leuphana Universität Lüneburg bringt den Zuhörern den Begriff der realen Utopie näher. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

 Für so manchen ist das Ihmezentrum eigentlich eine Utopie, die in den siebziger Jahren Wirklichkeit geworden ist. Von der realen Utopie spricht auch der Stadtsoziologe Prof. Volker Kirchberg von der Leuphana Universität Lüneburg. Er verwendet den Begriff aber anders, nämlich nach der Theorie des amerikanischen Sozialwissenschaftlers Erik Olin Wright. Der versteht unter realen Utopien keine Illusionen oder Visionen, sondern wünschenswerte, gangbare und umsetzbare Alternativen für die Realisierung gesellschaftlicher Konzepte. Da bietet sich im Ihmezentrum ein weites Feld.

Acht Beispiele für die „Stadt als Möglichkeitsraum“ hat Kirchberg mit einem Team in den vergangenen drei Jahren in Hannover untersucht, darunter auch den riesigen Komplex am Flussufer. Die Ergebnisse stellte er am Sonnabend bei einem Workshop vor. Sie beruhten nicht zuletzt auf Interviews. „Im Ihmezentrum liegt der Fokus auf Wünschbarkeit“, sagte er und zitierte Ausagen aus den Gesprächen. „Warum wird nicht mehr experimentiert?“, sei eine der aufgeworfenen Fragen gewesen. Die derzeit in Teilen wie eine Ruine wirkende Immobilie werde als Symbol für Staats- und Marktversagen betrachtet. Jetzt habe man es mit einem schwierigen Großinvestor zu tun. Das Gefühl innerhalb der Zivilgesellschaft: „Man kann ja doch nichts machen.“

Der Großinvestor Intown hat gerade die Zeichen Richtung Zukunft gestellt, will bis 2022 die Fassade erneuert und Büros, Geschäftsräume und öffentliche Flächen saniert haben. Geschieht das nicht, muss Intown gemäß eines Vertrages mit der Stadt Millionenstrafen zahlen. Dafür bleibt die Verwaltung als Mieter an der Ihme.

Manche Mieter sehen das als gute Nachricht, andere sind skeptisch. Das gilt auch für einige Mitglieder der Zukunftswerkstatt. Für Costa Alexander beispielsweise wäre die Umgestaltung des Ida-Ahrenhold-Weges von einer düsteren Ecke zu einer öffentlichen, freundlichen Passage ein Knackpunkt. „Wenn das klappt, ist das ein gutes Zeichen“, sagt er.

Generell wünschen sich die Vertreter auf dem Workshop mehr Möglichkeiten für die Bewohner und Interessenten, sich einzubringen. Eine Idee: Das Zentrum könne zentrales Thema für die ja nicht unmögliche europäische Kulturhauptstadt Hannover werden. Das eröffnete den Kreativen vor Ort Perspektiven. „Wenn hier der Fokus nicht so sehr auf den Einzelhandel gelegt wird, sondern eine bunte Mischung entsteht, bleibt das Ihmezentrum spannend“, sagt Bernd Jacobs vom  städtischen Kulturbüro.

Nächste Gelegenheit, darüber zu reden, bietet sich am 5. Mai. Dann lädt die Stadt am Ida-Ahrenhold-Weg zu einem „Forum Revitalisierung“ mit Oberbürgermeister Stefan Schostok.

Von Bernd Haase

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