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Hannover Zeitzeugen besuchen Gedenkstätte Ahlem
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00:21 08.05.2018
Überlebende des Konzentrationslagers Ahlem besuchen die Gedenkstätte und sprechen mit dem Regionspräsidenten: Chaim Liss (v.li.), Regionspräsident Hauke Jagau, Nachum Rotenberg, Ivan Moscovich. Quelle: Michael Wallmüller
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Hannover

 Chaim Liss ist mit 13 Jahren ins KZ Ahlem gekommen, er hat die unmenschlichen Bedingungen des Lagers erlebt, den Tod des Vaters an seinem Geburtstag – jetzt kehrt er zurück. „Ich habe die Pflicht zu sprechen“, sagt der 87-Jährige, der zusammen mit anderen Zeitzeugen am Sonnabend die Gedenkstätte Ahlem besucht. Liss ist nicht zum ersten Mal in Hannover. Regelmäßig besucht er rund um den Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers am 10. April die Stätte des Leids. „Die Geschichten, die die Überlebenden erzählen, machen immer wieder fassungslos“, sagt Regionspräsident Hauke Jagau beim Empfang der Gäste. Umso beeindruckender sei es, wie vorwurfsfrei die Zeitzeugen allen Menschen begegneten.

Im KZ Ahlem mussten Hunderte Häftlinge in ehemaligen Asphaltstollen schuften. Die Luftfeuchtigkeit war extrem hoch, die Temperatur lag bei 10 Grad. Das Gestein wurde mit Spitzhacken herausgebrochen, Loren mit der bloßen Hand aus den Stollen geschoben. Gearbeitet wurde in 12-Stunden-Schichten, die Ernährung war schlecht. 22 Menschen pro Woche starben. Als die Alliierten näherrückten, trieben die Nationalsozialisten Hunderte Häftlinge nach Bergen-Belsen, viele starben auf dem Todesmarsch. Wenige blieben in Ahlem, unter ihnen der junge Chaim Liss.

„Ich war ganz schwach“, sagt er. Als die alliierten Soldaten kamen, sei er in die Klinik Heidehaus gebracht worden. „Dort wunderten sich die Schwestern, dass ich noch lebe“, sagt Liss. Er sank ins Bett und verlor das Bewusstsein. Doch der Jugendliche erholte sich und ging später nach Bergen-Belsen, um herauszufinden, wer von seinen Angehörigen die Gräuel überstanden hatte. Dort habe man Listen ausgelegt, wurde ihm mitgeteilt. Am Ende musste er feststellen, dass er als einziger seiner Familie überlebt hat. Liss kehrte Deutschland den Rücken, ging zunächst nach England, später nach Israel, wo er bis heute lebt.

Regelmäßig spricht Liss mit Grundschülern über seine Erlebnisse. Auch die anderen Zeitzeugen, die sich am Sonnabend in Ahlem treffen, Nachum Rotenberg und Ivan Moscovich, geben ihre Erinnerungen weiter. Doch die Generation der Überlebenden wird immer älter und immer weniger. „Im vergangenen Jahr ist einer unserer Zeitzeugen, Joseph Rosenberg, gestorben“, sagt Stefanie Burmeister, Leiterin der Gedenkstätte Ahlem. Ein anderer habe die Reise in diesem Jahr aus gesundheitlichen Gründen abgesagt.

Von Andreas Schinkel

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