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Hannover Hier soll Schostoks Konzerthaus entstehen
Nachrichten Hannover Hier soll Schostoks Konzerthaus entstehen
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00:17 14.02.2018
Hier will Oberbürgermeister Stefan Schostok das neue Konzert- und Kreativhaus entstehen lassen: Am Leineufer gegenüber der Brücke Schlossstraße auf dem Flohmarktparkplatz. Architektonisch allerdings wird das Gebäude anders aussehen. Quelle: KSW
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Hannover

Mit einem neuen Konzerthaus will Oberbürgermeister Stefan Schostok bei Hannovers Bewerbung für die Kulturhauptstadt 2025 punkten. Ein Vorschlag, der in der Stadt für viel Erstaunen sorgte und dem Verwaltungschef den Vorwurf einbrachte, er habe die zuständigen Gremien und die Kulturszene nicht eingebunden. Seither geben Schostoks Pläne einiges Rätselraten auf, da er bislang nur einzelne Hinweise darauf gegeben hat, wie er sich das neue Konzertgebäude vorstellt: Zentral soll es liegen und Urbanität ausstrahlen, mit Sitzen für 400 bis 800 Zuhörer. Und auch ein mögliches Grundstück hat der Verwaltungschef für seine Pläne ins Auge gefasst: Der Flohmarktparkplatz gegenüber dem vom Landtag, direkt zwischen Leine und Duve-Brunnen, soll Standort werden.

Für dieses Grundstück gab es bereits einmal einen Planerwettbewerb, aus dem das Architekturbüro Kellner Schleich Wunderling (KSW) als Sieger hervorging. Deren Pläne von 2009 geben heute eine Idee, wie sich ein neues Gebäude in die Umgebung einfügen könnte.

Als „Haus des Wissens“ hatten Karin Kellner und Lutz Schleich ihr Gebäude damals ursprünglich konzipiert. „Der Stadtraum am Hohen Ufer ist ideal geeignet für ein Kreativgebäude“, sagt Karin Kellner jetzt. Beim Bau des Schauspielhauses in der Prinzenstraße etwa sei die Chance vertan worden, auf einen prominenten Stadtraum zu setzen, es steht heute eingepfercht zwischen Häuserzeilen. Für das nun geplante Konzerthaus aber sei der Ufersaum der Altstadt-Leine optimal. „Solche Kulturhäuser müssen an einem besonderen Standort stehen, um Wirkung für die Stadt zu entfalten“, sagt die Architektin. In einem Interview hat Schostok das Grundstück zwischen Duve-Brunnen und Schlossbrücke kürzlich bezeichnet als „Raum, der eine große Aufmerksamkeit und viel Visionspotenzial hat“.

Erstmals war über die Bebauung der Parkplatzfläche beim Innenstadtdialog City 2020 diskutiert worden. Damals wurde in intensiven öffentlichen Diskussionen festgestellt, dass Hannovers Nachkriegsgrundriss zu viel leere Flächen hat. Beschlossen wurde anschließend vom Rat, den Klagesmarkt, den Marstall und Teile des Köbelinger Markts mit Wohnungsbau zu versehen. In einem zweiten Schritt, so hieß es damals, könne durch eine Bebauung am Hohen Ufer die Trennung der Stadtteile Altstadt und Calenberger Neustadt aufgehoben werden.

Historisch waren alle diese Plätze bebaut. Am Standort des jetzt geplanten Konzerthauses befand sich ursprünglich die Leineinsel mit engen Fachwerkgassen. Sie wurde nach dem Krieg abgerissen, der zweite Leinearm zugunsten der breiten Straße Leibnizufer zugeschüttet. Eine Planung, die heute vielfach kritisiert wird. Mit dem vorgesehenen Konzerthaus könnte nun ein Standort wieder bebaut werden, der einst zu den Gründungsorten Hannovers gehörte und erst in der Nachkriegsepoche zum Freiraum wurde – und heute kaum genutzt wird.

Die Planung ist allerdings erst ganz am Anfang. Stadtsprecherin Michaela Steigerwald betont, dass der Entwurf des Büros KSW, der im City-2020-Planungswettbewerb mit dem ersten Preis ausgezeichnet wurde, kein Architekturentwurf für das jetzt diskutierte Konzerthaus ist. Die planerische Bandbreite, die an dem Standort denkbar sei, habe sich etwa in einem Wettbewerb von Architekturstudenten 2013 gezeigt. Unter Anleitung von Prof. Hilde Léon haben die Studenten Entwürfe für ein Kulturzentrun an dem Standort gefertigt – herausgekommen sind unter anderem kubische und fraktale Gebäudestrukturen, wie sie für moderne Konzerthäuser heute typisch sind. „Auf dem Grundstück ist sehr vielfältige Architektur denkbar“, sagt Architektin Kellner: „Wenn dort tatsächlich ein Konzertsaal entstehen soll, dann wird es mit Sicherheit einen hochkarätigen Architektenwettbewerb geben, der die Potenziale auslotet.“

Ein grundlegendes Problem ist damit aber noch ungeklärt. Die Kulturszene in Hannover sieht die Pläne für einen Neubau, der 400 bis 800 Zuhörer fassen würde, skeptisch. Wenn überhaupt, dann würden Veranstalter für große Konzerte mit internationalen Stars eher einen Saal mit bis zu 2000 Sitzen vermissen. Wenn Hannover überhaupt einen neuen Konzertsaal braucht. Kunstfestspiel-Intendant Ingo Metzmacher plädierte unlängst dafür, ganz andere Wege zu gehen. „Viele Städte haben neue Konzertsäle“, sagte Metzmacher der HAZ. Wenn man auf der Suche nach einem weit ausstrahlenden Projekt für die Kulturhauptstadtbewerbung sei, solle man lieber ein Haus schaffen, das allen Kunstformen offenstünde.

Vielleicht würde diese Idee sogar besser zu den bisherigen Architektenplänen für das Leineufer passen als die Idee eines simplen Konzertsaals.

Von Conrad von Meding

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