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Hannover Diese Hannoveraner haben zusammen 200 000 Fans
Nachrichten Hannover Diese Hannoveraner haben zusammen 200 000 Fans
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00:17 31.01.2018
Diese Instagramer aus Hannover nutzen die Plattform beruflich –sie sind Influencer. Quelle: Kutter/Schaarschmidt/Instagram/Screenshot
Hannover

Fotos machen, sie auf der Internetplattform Instagramm veröffentlichen und mit Texten versehen – für Millionen Menschen ist das nur ein Zeitvertreib zwischendurch. Doch einige wenige sind dabei so erfolgreich, dass sie damit sogar Geld verdienen. Influencer (Beeinflusser) heißen diese Menschen, weil ihre Tipps für tausende Menschen wichtige Ratgeber sind. Die Hannoveraner Evelina Mamajeva, Miriam Mache und Daniel Hoppmann haben das geschafft. Zusammen haben sie mehr als 200 000 Fans auf der Fotoplattform Instagram. Was als Hobby begann, haben sie zu nun zum Geschäft gemacht: Sie veröffentlichen ihren Alltag im Netz und verdienen damit Geld. 

„Ich fand eine Plattform für Fotos ganz interessant und habe 2013 angefangen die privat zu nutzen“, sagt Evelina Mamajeva. Die Studentin teilte, anfangs mit nur wenigen Fans, ihre Leidenschaft für Sport und gesunde Ernährung. Heute hat sie 145000 Follower, also Menschen, die die Fotos und Nachrichten aus ihrem Kanal abonniert haben. „Es hat sich rasant entwickelt. Viele Leute haben angefangen zu kommentieren, wollten wissen, wie ich trainiere oder was ich esse.“ Von den Kooperationen mit Sportnahrungsherstellern oder Modemarken kann die 23-Jährige nun ihr Leben finanzieren. „Das ist das, was ich immer gemacht habe, nur jetzt verdiene ich Geld damit und habe sogar mehr Zeit für mein Studium“, sagt sie.

„Die ersten Outfits habe ich im Forum der Zeitschrift Jolie gepostet. Ich hatte so viel positives Feedback, dass ich dann ein Mode-Blog gegründet habe, so wie es 2014 üblich war“, sagt die 26-jährige Miriam Mache. Heute könne sie gut von den Einnahmen aus ihren Instagram- und Blogbeiträgen leben. „Ich entscheide, was ich mit meinen Followern teile und stehe, wenn ich eine Kooperation eingehe, immer hinter dem Produkt“, sagt sie. Die Kennzeichnung #Werbung ist für sie selbstverständlich. Transparenz sei das A und O im Umgang mit Followern. 

Influencer, das ist heutzutage kein Begriff mehr, der nur Fußballspieler oder TV-Stars bezeichnet. Für Unternehmen sind gerade junge Menschen mit großer Präsenz in den sozialen Netzwerken wie Twitter, Facebook oder eben Instagramm interessanter. „Die Stärke liegt in der hohen Glaubwürdigkeit, denn in der Regel sind Influencer monothematisch unterwegs, das heißt, sie spezialisieren sich auf Beauty, Mode, Sport oder Reisen. Dadurch erarbeiten sie sich unter ihren Followern ein gutes Image“, erklärt Anke Herbener vom Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW). Einer Studie der Hochschule Macromedia und der Agentur Webguerrillas zufolge bewerten rund 30 Prozent der Online-Nutzer in Deutschland (16 Millionen) regelmäßig Produkte im Social Web. Ein Drittel davon, etwa 4,6 Millionen, gelten als Influencer, deren Beiträge die Meinungsbildung prägen.

Daniel Hoppmann steht noch am Anfang. Zwar hat der 19-Jährige nach einem Jahr auf Instagram fast 32 000 Follower, Kooperationen mit Unternehmen sind aber noch selten. „Alle zwei Monate kommt ein Unternehmen oder die PR-Agentur und bucht mich. Das reicht noch nicht um die Rechnungen zu bezahlen. Zum Glück macht mir mein Job Spaß“, sagt der Feinwerkmechaniker. Die Idee dazu hatte er nach einem TV-Beitrag. „Ich dachte mir: Das kann ich auch.“ Dieses neue Berufsfeld war den Mitarbeitern des Gewerbeamts in Hannover offenbar genauso unbekannt. „Die Berufsbezeichnung auf mein Gewerbeschein lautet: Bereitstellung von Werbeflächen im Internet. Dass das Influencer heißt, wussten die beim Gewerbeamt auch nach drei Anrufen nicht.“

Um mit Evelina und Miriam mithalten zu können, muss er viel Zeit investieren. „Ich war am Anfang jeden Tag nach der Arbeit fünf Stunden mit Instagram beschäftigt“, sagt Daniel. Heute seien es nur noch zwei. Sich, wie in der Branche oft üblich, Follower zu kaufen, kam nicht infrage. „Wenn die Follower alle aus Asien oder Brasilien kommen, dann bringt es den Unternehmen, die hier was verkaufen wollen nichts“, erzählt Daniel. 

„Das macht die Branche kaputt“, sagt Miriam. „Viele Unternehmen haben wenig Erfahrung mit Influencer-Marketing, verifizieren oft nicht mit wem sie zusammenarbeiten und werden enttäuscht.“ Die 26-Jährige hat aus ihrer Erfahrung als Influencerin sich ein zweites Standbein aufgebaut. Sie arbeitet als Social Media-Beraterin und schreibt für das Influencer-Fachmagazin Le Buzz. Das ist auch wichtig, denn die junge Branche verändert sich. „Ich wäre vorsichtig nur auf Instagram zu setzen. Früher waren alle auf Facebook aktiv, heute spielt es keine Rolle mehr“, sagt sie. 

„Viele haben mit dem neuen Instagram-Algorithmus Follower verloren. Irgendwie sehen sie gar nicht mehr alles was wir posten und schauen nicht mehr rein“, sagt Daniel. „Manchmal frage ich mich, warum mein Bild bei über 100 000 Abonnenten weniger als 10 000 Likes hat. Das ist weil Facebook und Instagram mit Werbung und Anzeigen Geld verdienen wollen“, sagt Evelina. 

Noch verdienen Miriam und Evelina genug, um Miete und andere Kosten zu decken. Wie viel das ist, das wird allerdings nicht verraten. „Mal verdient man einen Monat nichts und im nächsten viel. Ich habe langfristige Kooperationen und kann da besser rechnen“, sagt Evelina. Wenn man das richtig mache, könne man auf mehr als ein Durchschnittsgehalt kommen, so die 23-Jährige. „Die Gagen hängen von der Reichweite und der Beliebtheit des Influencers ab. Mit wenigen Hundert Euro können Unternehmen bereits willige Influencer finden, die Stars der Branche verlangen aber schon mehrere Tausend Euro pro Post. Die Spannbreite ist sehr groß“, sagt Herbener vom BVDW .

Die Geheimniskrämerei ums Geld kommt nicht von ungefähr. Influencer zu sein, wird oft negativ gesehen. „Ich finde es schade, dass die Leute nicht so offen sind gegenüber neuen Sachen. Vor allem bei den älteren Generationen heißt es: Mach lieber was ordentliches. Aber es ist ein One-Woman-Business, das viel Arbeit mit sich bringt“, sagt Evelina. 

„Ich mache es ja nicht, um Leuten einfach nur mein Leben zu zeigen. Ich möchte die Menschen daran teilhaben lassen, Tipps geben, Ideen teilen und sie inspirieren“, sagt Miriam. „Es macht Spaß mit den Followern zu interagieren. Ich möchte sie motivieren zum Sport zu gehen und gesund zu essen. Es ist schön, dass das auch bei vielen ankommt“, so Evelina.

Mehr zum Thema Instagram in Hannover: So entdeckt ein Zugezogener die Stadt

Von Andrea Brack Peña

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