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Hannover Braucht Hannover öffentliche Taubenschläge?
Nachrichten Hannover Braucht Hannover öffentliche Taubenschläge?
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19:00 25.09.2018
Tauben finden in der City genügend Futter, vor allem in der Umgebung von Imbissen. Quelle: Michael Wallmueller
Hannover

Hannover soll sauberer werden, und dazu gehört nach Ansicht der Ratsmehrheit, die Zahl der Tauben in der City zu verringern. Zur Diskussion steht, einen öffentlichen Taubenschlag einzurichten, um die Tiere anzulocken, zum Nestbau zu ermuntern und die Eier zu entfernen. Ob das funktioniert, darüber gehen die Meinungen auseinander. Der Tierschutzverein, der bereits einen Taubenschlag in der Kochstraße betreibt, hält den gezielten Eierklau für den richtigen Weg, die Stadt bleibt skeptisch. „Der Effekt von Taubenhäusern ist recht umstritten, da Tauben als eigentliche Felsenbrüter Neststandorte in mehr als 10 Meter Höhe bevorzugen“, sagt Stadtsprecher Udo Möller.

Tauben sind noch immer ein Problem für Hannovers Innenstadt. Ihr Kot beschmutzt sowohl Gebäudefassaden als auch Bodenplatten – überall dort, wo die Tiere Nistplätze finden. Erheblichen Aufwand müssen Gebäudeeigentümer betreiben, um Tauben zu verjagen. Zudem finden die Tiere genügend Futter auf der Straße, insbesondere in der Umgebung von Imbissen. „Wo Lebensmittelabfälle zugänglich sind, steigt die Zahl der Tiere“, sagt Martin Prenzler, Geschäftsführer der City-Gemeinschaft.

In den vergangenen Jahren hält sich die Zahl der Tauben nach Angaben der Stadt stabil, die Population liegt bei etwa 60 Tieren in der Innenstadt. Das war zu Beginn des Jahrtausends anders. Im Jahr 2001 zählte die Stadt bei ihren Stichproben noch 250 Tiere. Im Oktober will die Verwaltung neue Zahlen veröffentlichen.

„Wir brauchen mehr Taubenschläge“, sagt Christine Hofmann, die für den Tierschutzverein einen Taubenschlag in der Kochstraße betreibt. Jede Woche entferne sie kiloweise Taubenkot aus dem Schlag. „Der liegt dann nicht mehr auf der Straße“, sagt Hofmann.

Zahl der Krähen leicht angestiegen

In der Stadt gelten neben Tauben auch Krähen als Problemvögel. Sie picken Speisereste aus Mülleimern und verteilen die Abfälle in der Umgebung. Da helfen speziell konstruierte Abfallbehälter mit kleinen Öffnungen nur bedingt. „Krähen sind intelligent und können auch mit solchen Modellen ,umgehen’“, sagt Stadtsprecher Udo Möller. Bekämpft werden dürfen die Vögel aber nicht, sie stehen unter Naturschutz. „Nur mit Genehmigung der Naturschutzbehörde könnten Maßnahmen wie das Entfernen von Nestern durchgeführt werden“, sagt Möller. Das geschehe aber nur in Extremfälle, etwa wenn die Tiere aggressiv auf Menschen reagieren. Grundsätzlich bittet die Stadt darum, die Reste von Picknicks wieder mitzunehmen und nicht als Vogelfutter zurückzulassen.

Im Stadtgebiet kommen sowohl Rabenkrähen als auch vereinzelt Saatkrähen vor. Nach Beobachtung der Verwaltung sind die Populationen in den vergangenen Jahren leicht angestiegen. Im Herbst und Winter sieht man die schwarzen Vögel häufiger in der Stadt. „Rabenkrähen und wohl auch einige Saatkrähen ziehen im Herbst und Winter in zentralere Teile der Stadt , da es hier um einige Grad wärmer und das Nahrungsangebot optimaler als im Umland ist“, sagt Möller. Im Frühjahr verlassen die Tiere wieder ihr Winterquartier.asl

 

Für etwa 200 Tauben ist der Verschlag in der Kochstraße ein Zuhause. Das bedeutet, dass die Tiere dort Futter bekommen und sich aufhalten. „Wenn Tauben satt sind, fliegen sie nicht viel herum, sondern verbringen fast den gesamten Tag im Schlag“, sagt Hofmann. Rund 40 Nistplätze befinden sich im Taubenhäuschen. Sobald die Tiere anfangen zu brüten, werden die Eier durch Imitate aus Plastik ersetzt. „Inzwischen tauschen wir fast alle Eier aus, nur wenige lassen wir ausbrüten“, sagt Hofmann. Ein paar Vogelbabys seien nötig, damit die Tiere den Taubenschlag nicht verlassen. Rund 500 Eier pro Jahr werden auf diese Weise entfernt.

Hofmann ist der Ansicht, dass Taubenschläge dort geschaffen werden sollten, wo sich die Tiere ohnehin vermehrt aufhalten. „Im Ihmezentrum und am Hauptbahnhof wären Schläge sinnvoll“, sagt Hofmann. Die City-Kaufleute empfehlen, zur Probe auf einem städtischen Gebäude in der Innenstadt einen Taubenschlag zu bauen. „Eine kontrollierte Eierentnahme ist grundsätzlich positiv“, sagt Prenzler.

Nach Angaben der Stadt kostet die Einrichtung eines Taubenhauses etwa 5000 Euro. Das Füttern der Tiere und Reinigen des Taubenschlags beziffert die Stadt auf 200 Euro pro Monat. Taubenschläge seien nur dort sinnvoll, meint Stadtsprecher Möller, wo im Umkreis alle anderen Nistmöglichkeiten verbaut werden, etwa auf Dachböden und in Gebäudenischen.

Von Andreas Schinkel

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