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Hannover Karstadt und Kaufhof: Wie viele Kaufhäuser verträgt Hannover?
Nachrichten Hannover Karstadt und Kaufhof: Wie viele Kaufhäuser verträgt Hannover?
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00:17 14.09.2018
Flaggschiff von Karstadt am Schillerdenkmal: Dieses Haus gilt als wenig gefährdet. Quelle: Nancy Heusel
Hannover

Das Geschäft läuft weiter, als wäre nichts geschehen. Doch nachdem am Dienstag die geplante Fusion von Karstadt und Kaufhof bestätigt wurde, ist die Sorge wieder aufgeflammt: Wie viele Kaufhäuser verträgt Hannover? Drei Karstadt-Häuser sind während der vergangenen zwölf Jahre in der Innenstadt schon geschlossen worden, das Unternehmen hat sich brachial gesundgeschrumpft und schluckt jetzt faktisch die Schwester Kaufhof. Insgesamt vier Häuser betreiben beide zusammen in Hannovers Innenstadt – und Insider rechnen damit, dass mindestens eines davon wird schließen müssen.

Offizielle Stellungnahmen gibt es am Dienstag nicht zur Zukunft des Doppelkonzerns Karstadt-Kaufhof. Doch man kann gewissermaßen nach dem Ausschlussprinzip vorgehen:

Karstadt Georgstraße: Das gläserne Haus mit der runden Spitze zum Schillerdenkmal hat nicht nur äußerlich ein Facelifting durchgemacht. Auch innen ist vieles modern – und die Mitarbeiterzahlen sind in den vergangenen Jahren stark reduziert worden. Nur noch etwas mehr als 100 Angestellte soll es dort nach Gewerkschaftsangaben geben – etwa ein Viertel so viel wie bei Kaufhof am Hauptbahnhof. Vor gut vier Jahren hatte der Shoppingmall-Entwickler MBI intensiv geplant, den Standort zu übernehmen und dort ein Einkaufszentrum nach Vorbild der Ernst-August-Galerie einzurichten. Daraus wurde nichts, stattdessen hat 2013 der Braunschweiger Unternehmer Friedrich Georg Knapp („New Yorker“) die Immobilie gekauft. Dass Karstadt aus dem modernen Bau auszieht, gilt als unwahrscheinlich.

Kaufhof am Ernst-August-Platz: Im internen Ranking der deutschen Kaufhof-Standorte soll das Flaggschiff in Hannover den Platz fünf belegen. Der Standort am Eingang zur Fußgängerzone gilt als optimal. Auch dort ist massiv Personal abgebaut worden, vor knapp einem Jahrzehnt sollen noch etwa 800 Angestellte in dem Gebäude zwischen Bahnhof- und Schillerstraße gearbeitet haben, heute sind es nach unbestätigten Angaben noch etwa 400. Wegen der außerordentlichen Lagegunst aber gilt es als sehr unwahrscheinlich, dass der neue Konzern sich nach der Fusion von dem Haus trennt.

Karstadt Sports: Das Haus mit den Sportartikeln und der Spielwarenabteilung ist das einzige spezialisierte, das nach der Schließung der drei anderen Spartenhäuser von Karstadt in Hannover übrig geblieben ist. Geschlossen sind das Technikhaus in der Bahnhofstraße (2006), das Bettenhaus in der Schillerstraße (2009) und das Heim- und Technikhaus an der Ecke von Großer Packhof- und Osterstraße (2010). Karstadt Sports soll profitabel arbeiten, deshalb gilt eine Schließung als wenig wahrscheinlich – aber niemand weiß, wie stark der Druck in dem neuen Kaufhaus-Konstrukt nach der Hochzeit wird.

Kaufhof an der Marktkirche: Die Immobilie gilt als veraltet, der Standort am Rand der Altstadt nach heutigen Kriterien als suboptimal für ein Kaufhof. Die neue Geschäftsführerin Susanne Hollenbach hatte noch vor wenigen Monaten von der hohen Motivation der Mitarbeiter geschwärmt, und tatsächlich ist die Qualität des Services und die Freundlichkeit des Personals überraschend angesichts der seit Jahren andauernden Schließungsgerüchte. Zynischerweise ist es ausgerechnet die Lage, die gegen einen Weiterbetrieb spricht, wenn das neue Unternehmen Karstadt-Kaufhof sich von einem Standort in Hannover trennen will. Schon seit langem spekulieren Immobilienentwickler darauf, auf dem Areal zwischen Seilwinder- und Schmiedestraße eine Mischung von Handel, Gastronomie, Büros, Wohnen oder vielleicht einem Hotel zu entwickeln. Hauschefin Hollenbach wollte sich am Dienstag wie alle anderen Hausleitungen von Karstadt und Kaufhof in Hannover nicht äußern. Dem Vernehmen nach gibt es derzeit aber auch keine konkreten Entwicklungsprojekte – für die etwa 200 Mitarbeiter dort nur ein schwacher Trost.

Immerhin erfahren sie Solidarität aus der Belegschaft des künftig führenden Partnerunternehmens. Die drei Forderungen, die die Karstadt-Mitarbeitervertretung für die geplante Fusion postuliert hat, gälten „ausdrücklich auch für die Kollegen von Kaufhof“, sagt Betriebsrat Ralf Samtleben. Tariftreue, Verzicht auf Personalabbau und Standortschließungen sollen verhindert werden. „Wir haben genug Erfahrungen mit Personalabbau, der die Kollegen bis an die Grenzen belastet“, sagt Samtleben. Zwar ist bei Karstadt in der Zeit der Krise niemand betriebsbedingt entlassen worden, weil der Personalabbau über Ruhestandsregelungen und den Verzicht auf Stellenneubesetzungen lief. Die Belegschaft aber musste während der Karstadt-Insolvenz auf Lohn verzichten. Etwa elf Prozent Rückstand zum Einzelhandelstarif seien es jetzt schon, sagt Samtleben, bis zum Auslaufen des „Zukunftsvertrags“ im Jahr 2021 könnte die Differenz 15 Prozent betragen. „Jetzt muss es irgendwann auch mal wieder aufwärts gehen.“

Es ist fast eine Ironie, dass das vor wenigen Jahren noch insolvente Unternehmen Karstadt jetzt die Führungsrolle bei der geplanten Fusion übernehmen soll. Aber vielleicht ist er auch ein Zeichen dafür, wie schnell der Wandel im handel geht – und wie notwendig er ist.

Manufactum, Hema: Neue Geschäfte kommen

Bei Karstadt und Kaufhof beginnt für die Belegschaft das große Zittern um die Zukunft ihrer Geschäfte – an anderer Stelle in Hannovers Innenstadt aber geht es voran. Das Einrichtungs- und Designhaus Manufactum plant kurzfristig den Einzug in die ehemalige Donna-Immobilie neben dem Kröpcke-Center, dort will das Unternehmen eine mehrgeschossige Filiale mit seinem neuen Backstuben-Gastrokonzept anbieten. Donna selbst, das Geschäft der hannoverschen Modemacherin Mirela Staniou, ist wenige Meter weiter in ein neues Geschäft gezogen. Auf der anderen Seite des Kröpcke bahnt sich ein weiteres Highlight für Freunde ungewöhnlicher Einrichtungskultur an: Das niederländische Geschäft Hema will in den Neubau einziehen, der am Standort des alten Reformhaus Bacher am Platz der Weltausstellung errichtet wurde. In der Ständehausstraße will das urhannoversche Pizzahaus Francesca & Franelli sich eine weitere Dependance neben der Holländischen Kakaostube einrichten. Und auch im Kröpcke-Center wird eine der letzten leeren Flächen jetzt wieder bezogen, dort will Tommy Hilfiger einen Monolabelstore eröffnen.

Von Conrad von Meding

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