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Hannover Katakombe integriert Bürger in Wettbergen
Nachrichten Hannover Katakombe integriert Bürger in Wettbergen
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00:15 28.09.2018
Gute Laune: Der Vorstand der Katakombe mit Geschäftsführerin Elena Jäck (rechts). Quelle: Katrin Kutter
Hannover

An den unverputzten Backsteinwänden des Flurs hängen Erinnerungen. Bilder und Plakate. Clowns und Helden.Diseuse Alix Dudel thront lässig auf einem Klavier, Bengt Kliene und Herzen in Terzen waren auch da. Kultur in Wettbergen spielt sich in der Katakombe ab, direkt neben der Kirche. Auf zwei Ebenen. Aber eigentlich auf ganz vielen.

Ein „sehr aktiver Pastor“, so formuliert es Geschäftsführerin Elena Jäck, hatte Ende der Achtziger den Anstoß gegeben. Bert Schwarz hatte mit monatlichen Jazzabenden angefangen, und die Idee, überhaupt Kultur institutionell zu verankern, stieß auf großes Interesse in einem schnell und stetig wachsenden Stadtteil. Die Kirche stellte die Räumlichkeiten, eine Begegnungsstätte direkt neben dem kleinen Gotteshaus. Aus monatlich wurde wöchentlich, und aus „wir machen mal“ wurde ein Verein.

Mit 20 Mitgliedern und jeweils zwölf Mark Mitgliedsbeitrag ging es los. Zunächst als Wettberger Kulturgemeinschaft Kleinkunst, später dann als Wettberger Kulturgemeinschaft Katakombe. Katakombe, weil man vom Haupteingang in ein vermeintliches Tiefgeschoss geht – das allerdings ein tageslichtheller Raum ist, denn das Haus liegt an einem kleinen Hang. „Es sollte ein Angebot für alle Schichten sein, und das hier im Stadtteil, damit man abends nicht in die Innenstadt fahren muss“, sagt Jäck. Bis heute versucht der Verein, nicht nur die Bewohner des alten Dorfkerns in der Nähe anzusprechen, sondern über Flyer und die kirchliche Zeitung auch die Hinzugezogenen in den Neubaugebieten. Heute sind es 150 Mitglieder, der Altersdurchschnitt liegt jenseits der 50. „Jüngere anzusprechen, ist schwierig“, sagt Erika Venske, Beisitzerin im Vorstand, der von Rita Achtelik geleitet wird.

Der Verein ist selbstständig, nutzt aber nach wie vor die Räume der Kirche und arbeitet eng mit ihr zusammen. „Hier gehen bis zu 500 Leute in der Woche durch, bei unseren und bei kirchlichen Veranstaltungen“, sagt Jäck, die vor knapp 20 Jahren zum Verein stieß und seit 2004 die Geschicke der Katakombe als hauptamtliche Geschäftsführerin lenkt. Die im russischen Sotschi geborene Jäck ist Dreh- und Angelpunkt der Vereinsarbeit, Organisatorin, Improvisationstalent, gute Seele – und quasi von Haus aus um die gesicherte kulinarische Betreuung der Besucher bemüht. „Wenn wir bei uns Gäste hatten, kam alles auf den Tisch. So ist es hier auch: Die Gäste sollen sich wohlfühlen.“

Die Küche, die bald ausgebaut werden soll, ist selbst eine Begegnungsstätte. Hier treffen sich bei Veranstaltungen die Ehrenamtlichen und bereiten kleine oder auch größere, aber immer frische Snacks für die Gäste vor. Bei den Fotoshows, die aus einem Workshop entstanden sind, und als regelmäßige Veranstaltung einer der großer Renner im Programm sind, wird das Gericht sogar auf das Thema abgestimmt. Dabei kommt das Vergnügen nicht nach der Arbeit, sondern währenddessen: „Wir freuen uns immer, wenn wir uns sehen“, sagt Erika Venske, die Beisitzerin im Vorstand ist. Nach Kabarett- oder Vortragsabenden bleiben die Ehrenamtlichen gern noch an der selbstgebauten Bar sitzen und plaudern.

Jeweils mittwochs ist „multikulturelle Küche“, ein kirchliches Angebot, entstanden vor vielen Jahren, um Asylbewerber in Wettbergen aktiv zu integrieren. Die Aktion gibt es immer noch, „mittlerweile kochen fast immer die Vereinsmitglieder“, sagt Jäck, „wir freuen uns über neue Ausländer, die Spaß am Kochen haben.“

Wer Spaß am Malen oder anderen Kreativtechniken hat, findet im „Sternenzelt“ Kurse, einer Werkstatt, die die Katakombe mit Kirche und Stadt im Alten Wettberger Rathaus eingerichtet hat. Einen wichtigen Part im Angebot nehmen die Kultourreisen ein. Spaß und Bildung sollen sich die Waage halten. Ob in der Normandie, wo eine Reisegruppe aus Wettbergen sich rund um den Jahrestag des „D-Day“ unter anderem über die Geschehnisse im Juni 1944 informierte, oder in Ostfriesland, wo man Anfang des Monats das Land der Plattschnacker an der südlichen Nordsee inspiziert hat. Das Motto: „Heel wat Besünners“. Etwas ganz Besonderes. Das kann man, nach 29 Jahren Vereinsarbeit, auch über die Katakombe sagen.

Wettberger Kulturgemeinschaft Katakombe, An der Kirche 25, 30457 Hannover, Telefon (05 11) 43 44 60, E-Mail:kulturkatakombe@web.de.

Was, wann, wo?

Am 28. September um 20 Uhr spielt die Band Get Set Rock- und Soulklassiker.

Am 26. Oktober um 20 Uhr spielt die ukrainische Pianistin Regina Chernychko Werke von Rachmaninoff und Mendelssohn.

Am 16. November um 20 Uhr berichtet der Geobotaniker Richard Pott von der Leibniz-Uni über „Evolution in Raum und Zeit“.

Von Uwe Janssen

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