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Hannover Pächter in Friedenau wollen Gärten behalten
Nachrichten Hannover Pächter in Friedenau wollen Gärten behalten
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15:02 03.12.2018
Ihren Protest tragen die Kleingärtner auch auf ihren T-Shirts in den Bezirksrat Nord. Quelle: Hilbig
Hannover

Eine Gruppe von Pächtern im Kleingartenverein Friedenau wehren sich weiter gegen die drohende Kündigung ihrer Parzellen. Der Rat der Stadt hatte bereits vor rund zwei Jahren im städtischen Kleingartenkonzept verankert, die 18 Gärten aufzuheben. Nun steht die Kündigung tatsächlich bevor: Der Bezirksrat Nord hat eine Entscheidung darüber jedoch in seiner Novembersitzung vertagt, weil die SPD-Fraktion noch Beratungsbedarf sieht. Nahezu alle Fraktionen äußerten Vorbehalte gegen das geplante Vorgehen der Stadt.

Der Bebauungsplan sieht auf dem nördlichen Teil des Areals eine öffentliche Straße vor, die sogenannte Kabelkamptrasse, im Süden ist Gewerbefläche ausgewiesen. „Diese Straße wird nie mehr gebaut werden. Solch einen Bebauungsplan nennen wir funktionslos“, kritisiert ein Betroffener. Dem widerspricht Claudia Wollkopf vom Fachbereich Umwelt und Stadtgrün. Der alte Bebauungsplan sei weiter gültig. Pächterin Kirsa Morwinski erinnert daran, dass die Kleingärten in dem Areal seit den Siebzigerjahren bestehen. „Die Vermarktungsinteressen der Stadt sind nicht konkretisiert.“

Die Stadt sucht Gewerbeflächen

Wollkopfs Kollegin Sabine Schröder erläutert, dass die infrage stehenden 18 Gärten zwischen Schulenburger Landstraße, Schachtebeckweg und Erlenweg nicht als Dauerkleingartenfläche definiert sind. Der Fachbereich Wirtschaft arbeite an der Vermarktung des Areals, berichtet Schröder. „Es werden dringend Gewerbeflächen benötigt“, betont Claudia Wollkopf. Deshalb habe der Fachbereich Wirtschaft die städtischen Fachleute für Grünflächen gebeten, eine Umnutzung einzuleiten. Das zuständige Fachamt müsse die Kündigungen vorbereiten. Der nördliche Teil des langgestreckten Areals soll als zweispuriger Fuß- und Radweg ausgebaut werden und vom Mittellandkanal Richtung Stöcken führen.

Der südlichen Abschnitt geht in den Besitz des Fachbereichs Wirtschaft über, der ihn auf Kampfmittel und andere Altlasten untersuchen wird. Erst danach startet die eigentliche Vermarktung. Die betroffenen Hobbygärtner verweisen darauf, dass es rund 940 Hektar Brachflächen für Gewerbe in Hannover gibt. Dies geht aus einer Untersuchung der Stadt hervor. Es stelle sich deshalb die Frage, warum nun die Gärten weichen sollen. „Wenn Eigentümer ungenutzte Gewerbeflächen nicht verkaufen, sind uns die Hände gebunden“, entgegnet Wollkopf.

Bald Brachland statt gepflegte Gärten?

Thomas Klapproth (CDU) nimmt die Argumente der Kleingärtner auf. „Es erschließt sich nicht, warum es unbedingt dieses Stück Land sein muss, zumal es südlich und östlich noch städteplanerische Defizite gibt.“ Robert Nicholls (SPD) bezweifelt, dass es für das Gebiet konkrete Interessenten gibt. Auch CDU-Fraktionschefin Angelika Jagemann stellt den Zeitpunkt der geplanten Kündigung infrage. „Jetzt sind die Gärten gepflegt. Danach liegt das Gelände womöglich jahrelang brach.“ Bei der geplanten Kündigung zum Februar müssen die Pächter die Gärten bis November 2019 räumen.

Auf dem Aurelis-Gelände am ehemaligen Hauptgüterbahnhof stehen einige Flächen für Kleingewerbetreibende bereit, berichtet Grünen-Fraktionschef Stefan Winter. „Wir brauchen an der Schulenburger Landstraße nicht den zehnten Autoschrauber“, mahnt er. Ein wichtiges Argument für das Kleingartenkonzept, das die Aufgabe von Kleingärten vorsieht, sei der Bedarf an Wohnungen gewesen, erinnert Oliver Förste (Die Partei). „Das sehe ich hier nicht.“

Dezernentin will neuen Rad- und Fußweg

16 der Gärten sind verpachtet, zwei weitere haben die Stadt und der Bezirksverband der Kleingärtner dem Verein Transition Town kostenlos zur Verfügung gestellt. Dem Verein sowie den Pächtern sollen Ersatzflächen angeboten werden. „Wir helfen bei der Suche und richten Gärten im Umfeld her“, kündigt Claudia Wollkopf an. Im Verein Friedenau gebe es einzelne Leerstände. „Wahrscheinlich ist es aber nicht möglich, alle betroffenen Pächter direkt nebeneinander unterzubringen.“

Auch im städtischen Umweltausschuss kritisierten die Kleingärtner das Vorhaben der Stadt. „Es sollen funktionsfähige Grünflächen ohne konkrete Planungsabsicht aufgegeben werden, obwohl es in der Nähe ungenutzte Gewerbeflächen gibt“, bringt ein Pächter vor. Umwelt- und Wirtschaftsdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette widerspricht: „Wir haben durchaus konkrete Absichten, denn wir wollen die Hälfte des Grundstücks für die Erweiterung der bestehenden grünen Wegeverbindung nutzen.“ Der Umweltausschuss hat seine Entscheidung vertagt, weil der Bezirksrat Nord sich zuvor noch einmal in seiner Dezember-Sitzung mit dem Thema auseinandersetzt.

Von Bärbel Hilbig

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