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Hannover Klosterkammer einigt sich mit Erben des Künstlers
Nachrichten Hannover Klosterkammer einigt sich mit Erben des Künstlers
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00:16 05.02.2018
Umstrittener Künstler: Erich Klahn. Quelle: Archiv
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Hannover

 In dem dramatischen Zwist ging es um NS-Verstrickungen, um die Freiheit der Kunst – und um den guten Ruf ehrwürdiger Institutionen. Nach jahrelangem Rechtsstreit haben sich die Klosterkammer und die Erben des umstrittenen Künstlers Erich Klahn jetzt auf einen Vergleich geeinigt. Dieser sieht vor, dass die Bilder des Künstlers, die lange im Kloster Mariensee bei Neustadt präsentiert wurden, dort künftig nicht mehr öffentlich ausgestellt werden. Die Klosterkammer wird die rund 1000 Werke dort jedoch bis zum Sommer 2019 verwahren – und sie zahlt den Erben des 1978 verstorbenen Erich Klahn nach Informationen der HAZ 300 000 Euro, damit diese die Bilder anderswo unterbringen können.

Damit geht ein mit harten Bandagen ausgetragener Streit zu Ende. Die Klosterkammer hatte im Mai 2014 die Erben Klahns aufgefordert, dessen Werke aus dem Kloster Mariensee zu entfernen. „Wir sind der Auffassung, dass Klahn dem Nationalsozialismus nahe stand“, sagt Klosterkammerdirektor Andreas Hesse.

„Kontakte zu völkischen Kreisen“

Im Jahr 1998 hatte der scheidende Klosterkammerpräsident  Axel Freiherr von Campenhausen mit seiner letzten Amtshandlung verfügt, die Klahn-Werke im Kloster Mariensee unterzubringen – und sich verpflichtet, diese dort auch zu zeigen. Klahns Witwe Barbara Bosse-Klahn war in dem Kloster Äbtissin. Die Tochter des Malers, Liese Klahn, war mit dem damaligen Generalmusikdirektor der hannoverschen Staatsoper, George Alexander Albrecht verheiratet, dem Bruder von Ministerpräsident Ernst Albrecht. In der Klosterkammer sieht man Campenhausens Entscheidung heute, gelinge gesagt, kritisch: „Die Präsentation eines Künstlernachlasses ist nicht Aufgabe unserer Einrichtung“, sagt Kammerdirektor Hesse.

Nachdem Klahns Erben die Kündigung des Stiftungsvertrags 2014 nicht akzeptiert hatten, entspann sich ein Rechtsstreit durch mehrere Instanzen, bei dem die Klosterkammer regelmäßig den Kürzeren zog. Darüber hinaus zog der Fall in der Kunstwelt weite Kreise: Landesbischof Ralf Meister zeigte sich schockiert, als er erfuhr, dass Erich Klahn bei seinen Thomas-Altar im Kloster Amelungsborn bei Holzminden Christus mit den Gesichtszügen des NS-Helden Albert Leo Schlageter dargestellt hatte. Ein Gutachten attestierte dem Künstler „enge Kontakte zu völkisch-nationalistischen Kreisen“. Klahns Familie wies die Vorwürfe zurück.

In einer gemeinsamen Erklärung begrüßen Klosterkammer und Klahn-Erben nun das Ende des Streits. „Wir werden nun versuchen, einen neuen Ort für die Ausstellung zu finden“, sagt Klahns Stiefsohn Johann Christian Bosse. Konkrete Pläne gebe es jedoch noch nicht. Die Klosterkammer hat sich mit der Einigung aus einer für sie peinlichen Verpflichtung freigekauft. Allerdings hätte auch die weitere Präsentation der Bilder im Kloster Mariensee sie Geld gekostet: „Der Vergleich“, sagt Kammerdirektor Hesse, „ist auch in wirtschaftlicher Hinsicht sinnvoll.“

Von Simon Benne

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