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Hannover Dramatische Mängel im Bauamt: Klare Regeln für alle!
Nachrichten Hannover Dramatische Mängel im Bauamt: Klare Regeln für alle!
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00:15 30.10.2018
Conrad von Meding (Haz Redakteur) Quelle: Samantha Franson
Hannover

Organisationsmängel im Bauamt? Manch einer nahm die Nachricht mit Humor. „Das Gutachten wäre nicht nötig gewesen“, schrieb am Donnerstag ein stadtbekannter Architekt ironisch an die HAZ: „Den Inhalt hätten kostenfrei auch diverse Kollegen erstellen können.“

Dabei ist der Vorgang gar nicht lustig. Er bestätigt, was in den vergangenen Jahren Inhalt vieler Klagen von Bauherren oder Architekten war. Vorgetragen wurden sie meist nur vertraulich, denn mit Kritik an solch einer Genehmigungsbehörde wagt sich kaum ein Betroffener an die Öffentlichkeit. Zu groß ist die Gefahr, danach erst recht Probleme mit Bauanträgen zu bekommen.

Umso schonungsloser haben jetzt aber die Gutachter notiert, was sie bei der Überprüfung der Prozesse im Bauamt festgestellt haben. Abläufe sind chaotisch, es fehlt an eindeutigen Vorgaben, Vertretungsregeln funktionieren nicht, Vorgesetzte mischen sich willkürlich in Genehmigungsvorgänge ein. Am Ende sind die Mitarbeiter verunsichert. Sie wissen nicht mehr, was erlaubt ist und was nicht – und sind völlig überfordert.

Immerhin hat das Gutachten dazu geführt, dass die Rathausspitze acht neue Personalstellen für die betroffenen Abteilungen bewilligt hat. Allerdings bekommt die Bauaufsicht auch neue Aufgaben hinzu: Künftig ist sie auch für die Prüfung von Sonderbauten des Landes zuständig, etwa für alle Universitätsprojekte in Hannover. Die Arbeit wird also eher mehr als weniger. Und ein ganz praktisches Problem wird sich in den nächsten Wochen stellen: Niemand weiß, ob die neu geschaffenen Jobs überhaupt besetzt werden können, denn qualifizierte Architekten und Ingenieure sind derzeit gesuchte Mangelware.

Mehr Personal aber ist ohnehin nur eine notwendige Folgerung aus dem Gutachten. Mindestens ebenso wichtig ist, die Organisation zu verbessern. Die Bauordnung braucht klare Regeln, die für alle verbindlich sind – und die damit auch Bauherren Rechtssicherheit geben. Willkürliche Eingriffe von Vorgesetzten, die handstreichartig das eine Projekt befördern und das andere in immer neue Warteschleifen schicken, verbieten sich. Es gehört zu einer guten Führungskultur, solche Eingriffe zu unterbinden – und nicht, sie selbst zu verursachen.

Baudezernent Uwe Bodemann kümmert sich mit Hingabe um die Architektur der Stadt. Bei jedem größeren Projekt veranstaltet er Wettbewerbe, was dazu führt, dass vielfach auch überregional bekannte Planungsbüros in Hannover bauen. Das ist gut – aber es ist die Kür. Davor steht jedoch die Pflicht, gewissermaßen die Basis der Bauamtsarbeit: Die Abläufe in der hoheitlich tätigen Verwaltung müssen klar sein, sie müssen transparent organisiert und stringent abgewickelt werden. Dass es daran mangelt, ist jetzt amtlich. Es wird Zeit, dass der Dezernent hier die gleichen Qualitätsmaßstäbe anlegt wie an Architektenwettbewerbe.

Von Conrad von Meding

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