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Hannover Brennpunktschulen: Eine verlorene Generation wächst heran
Nachrichten Hannover Brennpunktschulen: Eine verlorene Generation wächst heran
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00:15 03.10.2017
Von Jutta Rinas
Quelle: Heidrich
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Hannover

In der Theorie sind sich gerade in Wahlkampfzeiten alle Parteien einig. Bildung ist eine tolle Sache. Superwichtig. Was die Versprechen vor der Bundestagswahl betraf, ließ sich keine der Parteien lumpen.

Die Praxis hingegen zeigt überdeutlich: Es gibt Schulen, für die die Realität sehr düster aussieht. In hannoverschen Brennpunktschulen ist nicht nur keine „weltbeste Bildung“ zu haben. Schulen wie die Grundschule Hägewiesen oder die Peter-Ustinov-Oberschule, die exemplarisch für die Brennpunktschulen im Land stehen, müssen derzeit unter Bedingungen lehren, unter denen sinnvolle Wissensvermittlung kaum noch möglich ist.

HAZ-Serie "Brennpunkt Schule"

Zwei Schulen in schwierigen Vierteln gewähren der HAZ Einblicke ins Klassenzimmer.

Teil 1: Grundschule Hägewiesen

Teil 2: Peter-Ustinov-Schule in Ricklingen

Die Gründe sind in zwei Worten zu fassen: Integration und Inklusion. Die im Grundsatz guten Pläne der Landesregierung beim Umsetzen der UN-Behindertenrechtskonvention bringen mitsamt der notwendigen Integration von Flüchtlingskindern und Kindern von Armutszuwanderern schon normale Schulen an ihre Grenzen. In den Brennpunktschulen haben sie das System zum Einsturz gebracht. Da müssen sich Grundschullehrer Tag um Tag allein vor vollen Klassen bewähren, in denen die meisten Kinder eine Einzelbetreuung bräuchten. Da sollen weiterführende Schulen Teenager, die Analphabeten sind, in nur zwei Jahren so weit bringen, dass sie in einer Regelklasse mit Noten bestehen. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass die meisten dieser Kinder scheitern werden. Allein das ist ein Skandal: dass ausgerechnet in Schulen für die Ärmsten derzeit nur leistungsstarke Superkinder überleben.

Wie perfide sich das große Wort von der Inklusion zurzeit ins Gegenteil verkehrt, zeigt auch die Saturnringschule in Garbsen, eine weitere Brennpunktschule, die vor ein paar Tagen öffentlich um Hilfe rief. Weil die Grundschule teilgebundene Ganztagsschule ist, können Eltern sich auch für eine andere Grundschule außerhalb des Schulbezirks entscheiden. Wenn es schlecht läuft, gibt es dort im nächsten Schuljahr nur noch 29 Erstklässler. Selbst die Idealisten unter den Bildungsbürgern fliehen, weil sie ihren Kindern die derzeitigen Zustände an Brennpunktschulen nicht zumuten wollen. Die Konsequenz: Nicht genug damit, dass die Lernbedingungen katastrophal sind. Die, die durch Integration und Inklusion eigentlich in die Mitte der Gesellschaft rücken sollten - Kinder mit Förderbedarf, mit Migrationshintergrund, aus sozial schwachen Familien -, bleiben in gettoähnlichen Einrichtungen unter sich. Sie werden stärker als je zuvor ausgegrenzt.

Statt ganze, halbe oder Viertel-Sozialarbeiterstellen zu verteilen, müssten Stadt und Land deshalb jetzt schnellstmöglich ein Sofortprogramm für Brennpunktschulen starten, und zwar jenseits aller grundsätzlichen Überlegungen zur Inklusion. Zu klären wäre, wer davon profitiert und vor allem mit mehr Lehrpersonal versorgt wird. Ehrlich sagen müsste man auch, welche Schulen die Belastungen weiter alleine schultern müssen, weil Schüler- und Elternschaft dazu in der Lage sind.

Passiert all das nicht, wächst in den Brennpunktschulen im Land eine verlorene Generation heran. Wir werden ihr in Sozialsystemen immer wieder begegnen. Das haben vor allem die Kinder, aber auch wir anderen, nicht verdient.

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