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Hannover Achtung Ansteckungsgefahr: Machen Haustiere krank?
Nachrichten Hannover Achtung Ansteckungsgefahr: Machen Haustiere krank?
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06:29 31.01.2018
Auf Kuschelkurs: Viele Tierhalter lieben es, ihre Hausgenossen zu liebkosen. Doch dabei können auch Krankheiten übertragen werden. Wichtig ist daher, auf die ausreichende Hygiene zu achten.  Quelle: Foto: dpa
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Hannover

 Ein Hund hält schon allein wegen des Gassigehens fit, eine Katze streichelt die Seele. Für viele Menschen sind Haustiere sogar vollwertige Familienmitglieder: Manchmal sitzt der Hund auch mit auf dem Sofa, oder die Katze schläft mit im Bett. Jedoch sollten insbesondere kleine Kinder und Menschen mit geschwächtem Immunsystem es beim Kuscheln mit ihren Hausgenossen nicht übertreiben, um kein gesundheitliches Risiko einzugehen.

Am Freitag, 2. Februar, diskutieren Fachleute aus Wissenschaft und Behörden bei der Tagung „Machen uns unsere Haustiere krank?“ an der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) über mögliche Gesundheitsgefahren, die von Haustieren ausgehen können. Das können Gefährdungen durch Tierbisse ebenso sein wie Allergien oder von den Tieren übertragene Infektionen, sogenannte Zoonosen.

Maximilian Reuschel informiert bei der Tagung über von Nagern weitergegebene Zoonosen. Schlimme Krankheitsbilder sind dem TiHo-Wissenschaftler zufolge bei der Haltung von Meerschweinchen und anderen Tieren aber nicht zu erwarten. Allenfalls könne etwa ein Kaninchenschnupfen übertragen werden. Hamster seien häufig von tropischen Rattenmilben befallen. Deren Bisse könnten beim Menschen leichte, rötliche Pusteln hervorrufen. „Bei Wildtieren ist das Risiko einer Zoonose deutlich höher“, betont Reuschel. So könnten Igel beispielsweise Hautpilze übertragen. In den USA seien Waschbärspulwürmer bei Kindern nachgewiesen worden, die im Sandkasten gespielt hatten.  

Zwar gibt es in Deutschland ein Meldesystem für Infektionskrankheiten, jedoch wird nicht in jedem Fall die Quelle entdeckt. Meist bleibe unklar, ob sich ein Patient bei einem anderen Menschen, einem Tier oder durch ein Lebensmittel angesteckt hat, sagt Hendrik Wilking, der am Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin zum Thema Zoonosen forscht und Institutionen berät. In Deutschland sei im Zusammenhang mit Heimtieren der Erreger Toxoplasma gondii wohl am gefährlichsten, sagt Tierarzt Wilking. Bei Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist, könne eine solche Infektion unter Umständen sehr schwere Formen annehmen.

Die Katze ist der Wirt dieses Parasiten. Menschen können sich direkt bei Katzen anstecken oder wenn sie mit dem Erreger kontaminiertes Fleisch essen. Problematisch ist eine Neuerkrankung mit Toxoplasma gondii auch während der Schwangerschaft. Nach einer RKI-Studie machen jährlich etwas mehr als 4000 schwangere Frauen eine Toxoplasmose durch, über 300 Neugeborene kommen mit klinischen Symptomen der Krankheit zur Welt. „Dazu zählen Schäden im neurologischen Bereich“, sagt Wilking. „Schwangere sollten auf einen hygienischen Umgang mit Katzen achten.“ Zudem erhöhten Katzen einer anderen RKI-Studie zufolge mehr noch als Hunde das Risiko für eine Borrelioseinfektion. „Die Katzen nehmen die Zecken draußen auf, sie übertragen sich zum Beispiel beim Schmusen.“

Sollte man nun wegen der Infektionsgefahren Haustiere abschaffen? „Auf gar keinen Fall“, betont der Experte. Untersuchungen hätten den gesundheitlichen Nutzen für die Besitzer belegt. Haustierhalter haben demnach eine höhere Lebenszufriedenheit, sie bewegen sich mehr, und sie haben auch mehr soziale Kontakte. 

Schon Jahrtausende leben Menschen mit Hunden und Katzen zusammen, exotische Reptilien wurden dagegen erst in den vergangenen Jahrzehnten populärer. Im Zuge dessen haben laut RKI auch Salmonelleninfektionen bei Babys und Kleinkindern zugenommen, weil die Mehrheit von Schlangen, Geckos oder Bartagamen den Erreger ausscheidet. Er löst starke Durchfallerkrankungen aus. Der auf Reptilien spezialisierte Berliner Tierarzt Frank Mutschmann sagt dazu: „Reptilien sollten nicht im Kinderzimmer, nicht im Badezimmer und vor allem nicht in der Küche gehalten werden.“ Wichtig sei auch, die Tiere bei seriösen Händlern zu kaufen.      

Von Christina Sticht

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