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Hannover So viele Straftaten werden in Hannovers Stadtteilen verübt
Nachrichten Hannover So viele Straftaten werden in Hannovers Stadtteilen verübt
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00:15 10.11.2018
Zum ersten Mal hat die Polizeidirektion Hannover gemeinsam mit der Stadt eine Kriminalstatistik für die einzelnen Stadtteile veröffentlicht. Quelle: Archiv
Hannover

Die Polizeidirektion Hannover hat am Mittwoch erstmals in ihrer Geschichte eine Kriminalstatistik für alle 51 Stadtteile veröffentlicht. Gemeinsam mit der Stadtverwaltung stellte Polizeipräsident Volker Kluwe den Sicherheitsbericht im Neuen Rathaus vor. Durch die Veröffentlichung soll eine „größtmögliche Transparenz der polizeilichen Arbeit bei gleichzeitiger Verhinderung von Stigmatisierung einzelner Stadtteile“ geschaffen werden, heißt es in einer Mitteilung. „Wir wollen auf der Basis dieser Daten in eine Diskussion mit der Kommunalpolitik und den Bürgern einsteigen“, sagte Kluwe.

Neue Kriminalstatistik: Das steht drin

Raubüberfälle: In diesen Stadtteilen gab es besonders viele Fälle

Einbrüche: In diesen Stadtteilen gab es besonders viele Fälle

Drogendelikte: In diesen Stadtteilen gab es besonders viele Fälle

Sachbeschädigungen: In diesen Stadtteilen gab es besonders viele Fälle

Autodiebstähle: In diesen Stadtteilen gab es besonders viele Fälle

Körperverletzungen: In diesen Stadtteilen gab es besonders viele Fälle

Grafik: Kriminalität in den Stadtteilen 2017

Hinweis zur Karte: Je dunkler der Farbton, desto mehr Straftaten pro Einwohner.

"Man muss sich jeden Stadtteil individuell ansehen"

Das kleine Wülferode rangiert mit 230 Delikten im Verhältnis zu seinen Einwohnern (0,35 Taten pro Einwohner) auf den vordersten Rängen bei den Stadtteilen mit den meisten Straftaten. Eine Verbrechenshochburg? Nur auf den ersten Blick. Beim Zweiten offenbart sich der Grund dafür: Die Raststätte Wülferode West an der Autobahn 7 gehört aus polizeilicher Sicht zum Stadtteil und dort kommt es immer wieder zu Tankbetrügereien. 2017 registrierten die Ermittler 144 Tankbetrügereien. Zieht man diese ab, geschahen im vergangenen Jahr im restlichen Wülferode lediglich 86 Delikte – ein deutlich überschaubarerer Wert, der mit Waldheim (78) vergleichbar ist. Im Schnitt lag die Zahl der Tankbetrügereien an der Raststätte Wülferode bei rund 100 Taten pro Jahr seit 2013. „Dieses Beispiel zeigt eindrucksvoll, dass man sich jeden Stadtteil individuell anschauen muss“, sagt Polizeipräsident Volker Kluwe.

Ein weiteres Beispiel für die zentrale Bedeutung, über die Betrachtung der reinen Zahlen hinaus genauer hinzusehen, ist der Stadtteil Anderten. Dort stiegen die Diebstähle 2016 und 2017 sprunghaft an. Lag der Wert 2015 noch bei 223 Taten, waren es im vergangenen Jahr mit 440 fast doppelt so viel. „Der Anstieg 2016 und 2017 resultiert zu einem großen Teil aus Taten, bei denen Gegenstände aus einem Anderter Postdepot entwendet wurde“, sagt Polizeipräsident Volker Kluwe. „Das hat an der generellen Sicherheitslage im Stadtteil nichts geändert.“ Dieser Punkt sei ein Beleg dafür, die Daten stets zu hinterfragen und nicht einfach vorschnelle Rückschlüsse zu ziehen.

Seit Jahren arbeitete die Behörde an der Erfassung der der Auswertung der Stadtteildaten. Kluwes Vorgänger Uwe Binias hatte bereits im Jahr 2011 die Veröffentlichung der Kriminalstatistik für die einzelne Stadtteile angekündigt. Seit 2012 werden die Daten systematisch auf allen Dienststellen erfasst. Nach Beratungen mit Experten unter anderem vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen traf die Polizeidirektion gemeinsam mit der Stadt die Entscheidung, die Zahlen erst nach einem Zeitraum von fünf Jahren zu veröffentlichen. „Nur dann sind Entwicklungen in den einzelnen Stadtteilen auch sinnvoll ablesbar“, sagte Kluwe.

Hannovers Polizeipräsident Volker Kluwe (links) und Oberbürgermeister Stefan Schostok bei der Vorstellung des ersten gemeinsamen Sicherheitsberichtes für die Landeshauptstadt. Quelle: Tim Schaarschmidt

Daten nur für Straftaten im öffentlichen Raum

Bei der Veröffentlichung der Daten beschränkt sich die Behörde auf die Delikte, die im öffentlichen Raum geschehen, die also Einfluss auf das Sicherheitsempfinden der Bürger vor Ort haben. In den Stadtteilstatistiken sind aufgeführt: Raubdelikte, Körperverletzungen, Diebstahlsdelikte, Sachbeschädigungen und Rauschgiftdelikte. „Wenn in der öffentlichen Diskussion gefordert wird, wir sollen noch weitere Delikte veröffentlichen, dann können wir das jederzeit“, sagte Polizeipräsident Kluwe.

Um die Besonderheiten der 13 Stadtbezirke herausheben zu können, nutzt die Polizeidirektion die sogenannten Strukturdaten, die jährlich von der Stadtverwaltung veröffentlicht werden. „Polizei und Stadt arbeiten schon immer eng zusammen. Sowohl in Sachen Prävention als auch der Kriminalitätsbekämpfung sind wir noch deutlich enger zusammengerückt“, sagte Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD).

Die jetzt veröffentlichten 68.048 Fallzahlen liegen im Durchschnitt zehn Prozent unter denen, die in der Polizeilichen Kriminalstatistik (77.886) stehen. Der Grund: Andere Behörden wie der Zoll oder die Bundespolizei haben Ermittlungen an die Polizei Hannover übergeben, in den Systemen werden aber keine detaillierten Orte festgehalten. In anderen Bereichen sei wiederum die eindeutige Zuordnung schwierig: „Beispielsweise bei Internetkriminalität oder dem Schwarzfahren lässt sich nicht eindeutig sagen, wo der ,Tatort’ liegt“, so Kluwe. Der Sicherheitsbericht soll jährlich im Herbst aktualisiert werden.

Mehr Präventionsräte gefordert

Der Polizeipräsident warnte aber davor, aus den jetzt veröffentlichten Daten einfache Rückschlüsse zu ziehen. „Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, Ängste abzubauen“, sagte er. Darüber hinaus sei das Sicherheitsgefühl der Bürger nicht alleinige Aufgabe der Polizei. Die neuen Statistiken sollen jetzt im Kommunalen Präventionsrat und in den Bezirksräten diskutiert werden. Stigmatisierungen einzelner Stadtteile sollen vermieden werden, so Kluwe. Er wünschte sich zudem weitere Präventionsräte auch auf Bezirks- und Stadtteilebene. „Niemand kann die Probleme alleine lösen.“ Auch Schostok hofft auf weitere Mitstreiter für ein besseres Sicherheitsgefühl: „Akteure können nicht nur die Stadt und Polizei sein.“

Hannovers Ordnungsdezernent Axel von der Ohe (SPD) nannte die neue Statistik einen „wichtigen Beitrag für die Transparenz“. Auf lange Sicht könnte sogar ein gemeinsamer Ordnungs- und Sicherheitsbericht von Verwaltung und Polizei denkbar sein. Die Stadt war diesen Sommer mit ihrem neuen Ordnungsdienst gestartet, der nicht nur in der Innenstadt, sondern auch in den Bezirken. Derzeit informiert sich von der Ohe erneut in allen Bezirken, welche Handlungsschwerpunkte es gibt. „Wir arbeiten als Stadt intensiv daran, unser Wissen zu erweitern“, sagte von der Ohe.

Angsträume reduzieren

Durch die neue Statistik seien Stadt und Polizei nun in der Lage, „Konzepte zu erarbeiten, um si gezielt und individuell umzusetzen“, so Kluwe. Eine erste Lehre aus vorangegangenen Gesprächen und Erkenntnissen sei laut Schostok die Ausweitung der gemeinsamen Streifen von Ordnungsdienst und Polizei in der Innenstadt bis Mitternacht. Dezernent von der Ohe rechnet damit, dass bis Jahresende alle geplanten 50 städtischen Ordnungshüter ihren Dienst verrichten, zurzeit sind etwa 40 im Einsatz. Eine erste Auswertung zum Erfolg der neuen Truppe soll es in einem Jahr geben.

Vor allem sogenannte Angsträume gelte es zu reduzieren. Häufig hänge das subjektive Sicherheitsgefühl nur bedingt mit der tatsächlichen Kriminalität im Stadtteil zusammen. Auch der unbeleuchtete Park spiele eine Rolle, ebenso eine verdächtig wirkende Jugendclique an immer der selben Straßenecke. „Auch wenn die wahrscheinlich gar nichts macht“, so Polizeichef Kluwe. „Aber diese Sorgen nehmen wir sehr ernst.“

Von Peer Hellerling und Tobias Morchner

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