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Hannover Messerstecher bittet Opfer um Verzeihung
Nachrichten Hannover Messerstecher bittet Opfer um Verzeihung
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00:18 22.04.2018
Der Angeklagte Ibrahim M. mit seinen Anwälten Timo Rahn und Christoph Rautenstengel. Quelle: Johanna Kruse
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Hannover

 Es war die Nacht vom 11. auf den 12. November, als Ibrahim M. in einem Café in der Schwarzwaldstraße ein Messer zückte und völlig unvermittelt auf zwei junge Männer einstach. Beide erlitten Schnittwunden, einer an einer empfindlichen Stelle am Hals. Nun hat das Landgericht Hannover den Prozess gegen den 27-Jährigen eröffnet. In der Anklage hieß es, M. habe den möglichen Tod der Opfer billigend in Kauf genommen. 

Hintergrund der Tat sei ein Streitgespräch zwischen einem der Opfer und einem Freund des Angeklagten gewesen. Dabei sei es um die Beziehung beider zu einer jungen Frau gegangen. „Meine damalige Freundin hatte noch Kontakt zu ihrem Ex-Freund und ich wollte einfach mit ihm sprechen, damit nichts im Raum steht“, sagte Granit D., den das Messer am Hals traf. Nach einem längeren Chat-Gespräch fuhr er gemeinsam mit einem Freund in den Sahlkamp und sprach mit dem Ex-Freund seiner Freundin. „Es kann sein, dass es etwas lauter wurde und einige Beleidigungen fielen, aber der Streit war schnell beigelegt“, sagte D. vor Gericht. Im nahe gelegenen Café wollten die jungen Männer um kurz nach drei Uhr auf den gerade geschlossenen Frieden anstoßen. 

Video zeigt Messerangriff

Auf einem Video der Überwachungskamera des Cafés ist zu sehen, wie die beiden Freunde mit ihrem Gesprächspartner und dessen Freunden das Lokal betreten und am Tresen stehen. Im Hintergrund geht der Angeklagte scheinbar ruhig durch den Raum. Plötzlich wendet er sich zu den Opfern und sticht wild und unkontrolliert auf die beiden ein. 

Warum M. zustach, obwohl längst keine Streitsituation mehr vorlag, bleibt unklar. Der Angeklagte gestand die Tat zugleich und ließ vor Gericht durch seinen Anwalt mitteilen, ein Suchtproblem in Bezug auf Betäubungsmittel und Alkohol zu haben und in der Tatnacht nicht nur vom Alkohol, sondern auch von viel Kokain und Schlafmangel benebelt gewesen zu sein. Er erinnere sich nicht mehr genau an den Tatabend und wolle eine Drogentherapie machen. 

„Ich war voll auf Koks und habe die Situation wohl vollkommen falsch eingeschätzt. Es tut mir schrecklich Leid. Das lässt sich nicht entschuldigen“, sagte M. im Gerichtssaal zu den beiden Opfern und bot ihnen ein Schmerzensgeld in Höhe von 2500 und 1000 Euro an. 

D. wollte die Entschuldigung nicht annehmen. „Die Tat kann ich ihm persönlich niemals verzeihen“, sagte der 21-Jährige, der inzwischen wegen eines anderen Delikts, genau wie der Angeklagte, in der JVA Hameln inhaftiert ist. Nach der Tat musste er drei Tage auf der Intensivstation des Nordstadtkrankenhauses behandelt werden. „Sowas vergisst man einfach nie“, sagte er.Das Urteil wird in der kommenden Woche erwartet. 

 

Von Johanna Kruse

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