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Hannover „Schulen mit besonderen Herausforderungen brauchen besondere Hilfe“
Nachrichten Hannover „Schulen mit besonderen Herausforderungen brauchen besondere Hilfe“
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00:44 20.05.2018
Viele Zuwanderer, viele Probleme in der Klasse? Brennpunktschulen können oft nicht mehr normalen Unterricht nach Lehrplan machen.  Quelle: dpa
Hannover

Es brennt in der niedersächsischen Schullandschaft, ein weiterer Windstoß – und daraus kann ein Flächenbrand werden.“ Für den schulpolitischen Sprecher der AfD im Landtag, Harm Rykena, sind Brennpunktschulen wie die Peter-Ustinov-Schule, die jüngst von Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) längst kein Großstadtprobem mehr, sondern ein landesweites. Deshalb hat seine Fraktion daraus auch ein Landtagsthema gemacht, das am Donnerstag in der Aktuellen Stunde im Parlament diskutiert wird.

Prämie für Lehrer an Brennpunktschulen?

Die Debatte um Brennpunktschulen wird mittlerweile bundesweit geführt. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, beispielsweise beklagt, dass sich Probleme mit Gewalt gegen Lehrer insbesondere in Schulen in sozialen Brennpunkten häufen. Vor allem Lehrerinnen hätte einen schweren Stand: Ihre Anweisungen würden nicht befolgt, sie würden teilweise als Huren und Schlampen beschimpft. Das sei umso problematischer, weil der Anteil an Frauen an Schulen mit 70 Prozent, an Grundschulen sogar 90 Prozent, besonders hoch liege. „Durch die Verrohung und steigende Gewalt resignieren immer mehr dieser Lehrkräfte. Sie haben oft Angst, überhaupt noch klar Flagge zu zeigen und gehen in die innere Emigration“, sagt Meidinger. Der Chef des Lehrerverbandes fordert unter anderem eine deutlich bessere soziale Durchmischung der Schülerschaft, um Brennpunktschulen zu helfen. 

In Berlin und Hamburg gibt es darüber hinaus schon ganz konkrete Ansätze, um Brennpunktschulen zu helfen: In Hamburg errechnet die Stadt mit Hilfe eines Sozialindex alle fünf Jahre den spezischen Förderbedarf jeder einzelnen Schule und stattet die Schulen entsprechend unterschiedlich mit Lehrern, Sozialarbeitern und Fördergeldern aus. In Berlin will die Große Koalition – das ist bundesweit einmalig  – Lehrer an Brennpunktschulen künftig besserstellen. Dafür sind vom rot-rot-grünen Senat in einem Zusatzpaket für den Doppelhaushalt 2018/19 zusätzlich 8,6 Millionen Euro in den Haushaltsplan 2018/2019 eingestellt worde. jr

Weil rund 90 Prozent der Schüler an der Ricklinger Oberschule Förderbedarf haben, viele aus zerrütteten Familien stammen und keine Deutschkenntnisse haben ist normaler Unterricht nach Ausage von Schulleiterin Karin Haller kaum noch möglich. Sie fordert seit Langem, dass Pädagogen vom Lehrplan abweichen und „Schüler-angepassten Unterricht“ machen dürfen. Mehr als 16 Schüler sollten nicht in einer Klasse sitzen. Zuwanderer sollten nach zwei Jahren noch nicht beurteilt werden müssen. Minister Tonne hat angekündigt zu prüfen, inwieweit der Schule mehr Freiraum bekommen könnte.

„Zu viele Migranten verschärfen das Problem“

Das sei keine Lösung, findet AfD-Politiker Rykena. Schulabschlüsse könnten dann nicht mehr erreicht werden könnten. Ein hoher Migrantenanteil in den Klassen habe gravierende Folgen: Die Schüler bekämen zuhause zu wenig Unterstützung, Bildung zähle in den Familien ohnehin als wenig wert, durch den Familiennachzug verschärfe sich das Problem noch.

Stimmungsmache wirft dagegen Julia Willie Hamburg (Grüne) der AfD vor: „Da ist sie wieder, die Panikpolitik der AfD.“ Angst sei ein schlecher Berater, und es sei Aufgabe der Politiker, nicht nur Probleme zu benennen, sondern auch Lösungen aufzuzeigen. Nicht allein Migranten seien für die Probleme verantwortlich. Lehrer an Brennpunktschulen bräuchten mehr Anrechnungsstunden und sollten bei der Lehrerzuweisung bevorzugt werden. Da Schulen mit heterogen zusammengesetzten Schülerschaften weniger Problem hätten, könnten auch feste Schuleinzugsgebiete helfen.

Nur Lehrerinnen über 50 an Brennpunktschulen?

Auch Björn Försterling (FDP) wirbt dafür, Lehrer, die bislang für die Schulinspektion zuständig sind, als Berater für Brennpunktschulen einzusetzen. Das Land müsse wegkommen von einer starren Lehrerstundenzuweisung nach Anzahl der Klassen, es könne Schulen geben, die in allen Jahrgangsstufen zwei Lehrer pro Klasse bräuchten. Auch auf die Zusammensetzug der einzelnen Kollegien sollte geachtet werden, „nur Lehrerinnen über 50“ seien schlecht, da die männlichen Vorbilder fehlten für Jugendliche. 

Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) findet, dass Brennpunktschulen veränderte Rahmenbedingungen brauchen. Es komme aber immer auf individuelle Lösungen an, sagt er: „Wir werden uns um die Schulen mit besonderen Herausforderungen besonders kümmern müssen.“

Im vergangenen Jahr hatte Eltern mit Brandbriefen in mehreren Stadtteilen auf die dramatische Lage an ihren Schulen hingewiesen. Ausschlaggebend für die öffentliche Debatte war der Hilfeschrei der Grundschule Mühlenberg gewesen, aber auch Eltern an der Grundschule Hägewiesen am Sahlkamp hatten um Hilfe gebeten. Ebenso der Schulleiter der Johannes-Kepler-Realschule. Ob im Schulausschuss der Stadt oder im Kultusausschuss des Landes Brennpunktschulen sind seitdem immer wieder Thema politischer Debatten gewesen. Viele Eltern und Lehrer beklagen aber, dass sie immer noch auf Hilfe warten.

Von Saskia Döhner

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