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Hannover Limmerstraße: Gewalt im Verkehr ist an der Tagesordnung
Nachrichten Hannover Limmerstraße: Gewalt im Verkehr ist an der Tagesordnung
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00:20 12.10.2018
Schlägerei Limmerstraße. Quelle: privat
Hannover

Der Fall des brutalen Angriffs eines Fahrradfahrers auf einen Fußgänger in der Limmerstraße hat eine erneute Diskussion über Gewalt im Straßenverkehr hervorgerufen. Immer wieder machen heftige Beschimpfungen und auch körperliche Attacken Schlagzeilen und beschäftigen die Gerichte – nicht nur von Radfahrern, sondern von allen Verkehrsteilnehmern. Der Bundesverband der niedergelassenen Verkehrspsychologen nimmt aber insbesondere die Radfahrer in die Pflicht. „Sie fühlen sich oft als privilegierte Verkehrsteilnehmer, weil sie umweltfreundlich unterwegs sind und von ihnen ein passives Gefährdungspotential ausgeht“, sagt Karl-Friedrich Voss, der Vorsitzende des Verbandes.

Am Montagnachmittag hatte ein 28-jähriger Radfahrer einen 40 Jahre alten Fußgänger in der Limmerstraße angegriffen, nachdem der Fußgänger den Weg des Radlers gekreuzt hatte. Nach einem Wortgefecht und einer Rangelei schlug der 28-Jährige schließlich so heftig auf den Fußgänger ein, dass dieser das Bewusstsein verlor und mit lebensgefährlichen Verletzungen in eine Klinik gebracht werden musste. Sein Zustand ist weiterhin kritisch.

Nimmt Gewalt im Straßenverkehr zu?

Der Vorfall zeige, welche Spannungen aus Sicht der Radfahrer auf den Straßen herrschen, sagt Verkehrspsychologe Voss: „Oft sind die verbalen Reaktionen bereits sehr heftig.“ Die Frage, ob die Gewalt im Straßenverkehr zunehme, könne er nicht beantworten. „Beim statistischen Bundesamt findet man alle möglichen Daten, aber keine einzige Statistik über die Gewalt im Straßenverkehr“, kritisiert Voss. Das sei eine Lücke, die dringend gefüllt werden müsse.

Tatsächlich werden auch für die Landeshauptstadt Hannover diese Vergehen nicht gesondert erfasst. Bei der Polizeidirektion laufen diese Straftaten in der Regel als gefährliche Körperverletzungen – ungeachtet der Tatsache, was zu der Gewalttat geführt hat. Die Behörde will sich deswegen auch nicht zu dem Thema Gewalt im Straßenverkehr äußern. Auch bei der Staatsanwaltschaft Hannover und beim Amtsgericht werden keine Daten zu solchen Verfahren erhoben.

Immer wieder Fälle von Aggression im Straßenverkehr

Geht man den Polizeibericht durch, findet man aber zahlreiche Fälle von aggressiven Autofahrern, Radfahrern und auch Fußgängern. Im Juli war in Döhren ein Streit zwischen einem Radfahrer und den Insassen eines Audi eskaliert. Der Radfahrer soll in der Wiehbergstraße, einer Strecke, die zum Teil als Fahrradstraße ausgewiesen ist, unvermittelt vor dem Audi aufgetaucht sein. Die Insassen des Autos stiegen aus, um den Radfahrer zur Rede zu stellen. Der Radler trat gegen die Front des Wagens und flüchtete. Als die Autofahrer die Verfolgung aufnehmen wollten, setzte sich der Audi plötzlich in Bewegung und überrollte den Fuß des Beifahrers. Der junge Mann zog sich dabei schwere Verletzungen zu.

Anfang September hatte ein 42-jähriger Fahrer eines VW Touran in der Innenstadt zwei Radfahrer und drei Zeugen verprügelt. Der Autofahrer hatte zuvor am Georgsplatz die Vorfahrt der Radler missachtet. Einer der Radfahrer stützte sich auf dem Touran ab. Der 42-jähriger verfolgte anschließend die Radfahrer mit seinem Wagen, holte sie ein und ging auf sie los. Der Vorfall machte auch deswegen Schlagzeilen, weil ein Richter den anschließend festgenommenen Schläger wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft schickte.

Limmerstraße: Polizei befragt Zeugen

Im Fall des lebensgefährlich verletzten Fußgängers von der Limmerstraße ist die Polizei derzeit mit der Befragung der Zeugen befasst. „Es haben sich zum Glück sehr viele gemeldet, so dass wir uns hoffentlich schnell ein Bild machen können“, sagt ein Behördensprecher. Der mutmaßliche Schläger ist weiter auf freiem Fuß. Gegen den Mann aus Hannover wird wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Einschlägig vorbestraft ist er bislang nicht.

Von Tobias Morchner

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