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Hannover Kita baut Hortplätze ab
Nachrichten Hannover Kita baut Hortplätze ab
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00:30 18.05.2018
Kinder der Comeniusschule kommen wegen mangelnder Ganztagsbetreuung an der Grundschule am Welfenplatz sowie an der Rosa-Parks-Schule unter.  Quelle: Franz Fender
List

 Hortplätze in der List sind Mangelware, zum Sommer soll jetzt noch eine Hortgruppe der AWO-Kita Edenstraße zugunsten von Ganztagsplätzen für Kindergartenkinder aufgegeben werden. Die entsprechende Beschlussdrucksache lag in der jüngsten Sitzung des Bezirksrates Vahrenwald-List zur Abstimmung vor. Doch dazu ist es nicht gekommen, eine Entscheidung wurde verschoben. 

IGLOH will Plätze umverteilen

Die Einrichtung folgt mit ihrem Vorhaben der gesunkenen Nachfrage nach Kita-Halbtagsplätzen. Diese werden kaum noch nachgefragt, darum soll eine Gruppe entsprechend aufgestockt werden. Zehn Hortplätze fallen bei diesen Plänen aus Platzgründen weg – die Nachfrage nach entsprechenden Kapazitäten übersteigt im Stadtteil aber nach wie vor das Angebot bei Weitem. Die Interessengemeinschaft Lister und Oststädter Horte (IGLOH) hat sich daher unlängst eine Alternative überlegt. „Wir sind sieben Elterninitiativen und würden diese Plätze gerne in den vorhandenen Einrichtungen unterbringen“, betont IGLOH-Sprecher Volker Gies. Dafür soll die Stadt allerdings zumindest die Personalkosten für die zehn Plätze übernehmen, rund 5000 Euro pro Kind. Derzeit können die Horteinrichtungen der Gemeinschaft nur zwei Plätze anbieten – bei 30 Anmeldungen.

Seitens der Verwaltung haben Gies und seine Mitstreiter allerdings eine Absage bekommen. „Der Rechtsanspruch auf Kita-Plätze geht vor, zudem wird mit dem Aufstocken der Ganztagsbetreuung an Grundschulen argumentiert“, so Gies. Diese stoßen im Stadtbezirk allerdings auch an ihre Grenzen. Sowohl die Grundschule am Welfenplatz sowie die Rosa-Parks-Schule haben zwar zum Sommer schon etliche Kinder etwa aus dem Einzugsgebiet Comeniusschule – die keine Ganztagsbetreuung bietet – aufgenommen. Die Kapazitäten sind allerdings erschöpft, es gibt Wartelisten.

Stadt soll finanziell unterstützen

„Das zeigt doch, wie dringend die Hortplätze benötigt werden“, betont Gies. Seine Initiative würde sieben Plätze im Schülerhort der Comeniusschule unterbringen können, die anderen drei in weiteren Einrichtungen der Gemeinschaft. Allerdings brauche man die finanzielle Unterstützung der Stadt. Im Bezirksrat kommt der Vorstoß theoretisch gut an. „Aber offensichtlich will die Stadt die Plätze nicht an Hortkinder vergeben“, meint Bruno Gill (SPD). Bezirksratsbetreuer Peter Meyer erklärte für die Verwaltung, dass „Kita-Plätze im dreistelligen Bereich fehlen und dafür ein Rechtsanspruch erfüllt werden muss.“ Es sei kompliziert, wenn gleich zehn Hortplätze wegfielen, sagt Lars Pohl (CDU). „An diesem Punkt wollen wir den Abbau nicht unterstützen.“ Auch die Politiker der Grünen haben sich noch Bedenkzeit ausgebeten. Man wolle zu der kommenden Sitzung einen Vertreter der AWO einladen und befragen. Die AWO allerdings kann als freier Träger seine Einrichtungen grundsätzlich selbst konzipieren. 

„Aufgrund eines politischen Grundsatzbeschlusses werden zu Gunsten des Ausbaus von Ganztagsplätzen keine weiteren Hortplätze eingerichtet“, betont Stadtsprecherin Ulrike Serbent. Dennoch prüfe die Verwaltung in Zusammenarbeit mit der Comeniusschule derzeit, inwieweit mit einer sogenannten Feuerwehrmaßnahme die Einrichtung von zehn Betreuungsplätzen an der Comeniusschule unterstützt werden könne. „Diese Lösung wird so lange aufrecht erhalten, bis der Ganztagsschulbetrieb an der Comeniusschule eingeführt wird.“

Kommentar: Initiative ausgebremst

Kaum noch Eltern wollen oder können ihre Kinder schon mittags aus der Kita abholen. Nachvollziehbar also, dass die AWO die Halbtagsplätze zu Ganztagsplätzen ausbauen will. Dafür allerdings fallen aus räumlichen Gründen in der List zehn Hortplätze weg. Für diese besteht kein Rechtsanspruch, Grundschulen mit Ganztagsbetreuung sollen die Lücken schließen. Auch diese Rechnung geht nicht auf. Nicht alle Schulen im Stadtbezirk machen beim Ganztag mit, die anderen sind gewissermaßen ausgebucht. Da kommt der Vorstoß einer Elterninitiative eigentlich gerade recht, die zehn Plätze in bereits bestehenden Horteinrichtungen aufzustocken.

Die finanzielle Unterstützung für das Vorhaben wird allerdings bislang seitens der Stadt nicht gewährt. Es ist politisch gewollt, Hortplätze zugunsten der Ganztagsbetreuung in Schulen abzubauen. Eltern von Kindern, die im Sommer eingeschult werden, hilft das allerdings wenig. In der List sind Hortplätze Mangelware, ein konstruktiver Alternativ-Vorschlag wird ausgebremst. Das ist wenig familienfreundlich, schließlich endet der Bedarf an Betreuung nicht mit der Kindergartenzeit.

Von Susanna Bauch

Von Susanna Bauch

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