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Hannover Lüttje Lage: Das stille Leid der Fahrstuhlfahrer
Nachrichten Hannover Lüttje Lage: Das stille Leid der Fahrstuhlfahrer
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10:05 05.11.2018
Michael Zgoll Quelle: HAZ
Hannover

Es ist tragisch. Unter uns leben viele Menschen, die kerngesund wirken – und doch leidend sind. Man trifft sie vorzugsweise in mehrstöckigen Wohn- und Geschäftshäusern mit Aufzug, auch in unserem Verlagshaus in Bemerode begegne ich ihnen häufiger. Den Ein-Etagen-Fahrern. Ihre Beschwerden lassen sie auch kürzeste Höhenunterschiede mit dem Fahrstuhl bewältigen. Ein Stockwerk hoch. Oder ein Stockwerk runter. Und das, obwohl es Treppenhäuser gibt. Mit richtigen Stufen.

Meine vertikalen Reisen im Zeitungshaus führen mich meist vom Erdgeschoss in den 7. Stock. Oder retour. Die gebrechlichen Kollegen, die in allen Abteilungen und Altersgruppen zu finden sind, steigen – beispielsweise – im 4. Stock ein. Und im 3. wieder aus. Natürlich juckt es mich überhaupt nicht, wenn meine Langstreckentouren im Kabinen-Express jäh durch Nahverkehrs-Nutzer unterbrochen werden. Weiß ich doch, welch schwere Päckchen sie zu tragen haben.

Da gibt es den Triple-E, den Ein-Etagen-Einsteiger, der an einer Treppenhaus-Phobie krankt. An tiefsitzenden Ängsten vor dem Abstieg. Der nächste scheut den Treppenwitz, über den er sich womöglich totlachen könnte. Und dann weiß ich natürlich um die vielen Kurzstreckler, die den Lift aus wohlverstandener gesundheitlicher Eigenfürsorge nutzen. Weil sie Abnutzungserscheinungen an Achillessehne, Meniskus und Hüftknochen fürchten, wenn sie sich zu viel bewegen. Und darum, liebe Hop-on-Hop-off-Fahrer, ist es wirklich nicht nötig, dass ihr verschämt lächelt und Entschuldigungen murmelt, wenn ihr uns ungeduldige Fernreisende aufhaltet. Haben wir doch vollstes Verständnis.

Jüngst will ich eine Redakteurin in ihrem Büro aufsuchen, ein Stockwerk tiefer. Ich bin auf dem Weg zum Treppenhaus, als ich an einer sich just öffnenden Fahrstuhltür vorbeikomme. Es ist ein leichtes Ziehen im linken Zeh, das mich bewegt, ausnahmsweise in den Aufzug zu treten. Zwei bereits im Lift befindliche Reisende runzeln die Stirn, als ich nach 15 Sekunden wieder aussteige.

Was ich dazu zu sagen habe? Es ist wirklich bedauerlich, wie wenig sensibel manche Menschen auf die schwerwiegenden gesundheitlichen Probleme von Ein-Etagen-Einsteigern reagieren.

Von Michael Zgoll

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