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Hannover Wie das Luftfahrtmuseum durchstarten will
Nachrichten Hannover Wie das Luftfahrtmuseum durchstarten will
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00:46 15.04.2018
„Wir haben keinen Platz mehr“: Klaus-Dieter Hoppe führt durch das Luftfahrtmuseum in Laatzen. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

  Die Hallen sind bis unter das Dach gefüllt. In der Luft hängen alte Flugzeuge, mit Drahtseilen an der Decke befestigt. Und auch auf dem Boden reihen sich historische Karossen an Turbinen, Vitrinen mit Fotos und kostümierte Schaufensterfiguren. Mittendrin steht Klaus-Dieter Hoppe, graues Haar, rahmenlose Brille, blaue Krawatte mit weißen Flugzeugen darauf. „Wir haben gute Beziehungen zu anderen Museen, national und international“, sagt der 78-jährige Museumsführer vom Verein Luftfahrtmuseum Laatzen-Hannover und betrachtet ein Flugzeug an der Decke. Kürzlich habe man einige Exponate an das polnische Armee-Museum in Warschau verliehen, sagt Hoppe. Ein Anflug von Stolz klingt in seiner Stimme mit. „Wir sind kein kleines Licht.“ 

Auch wenn das Luftfahrtmuseum am Messegelände im Ausland Bekanntschaft erlangt hat, ist es seit seiner Gründung vor 25 Jahren noch nicht wirklich in Hannover angekommen. Dabei gibt es allerhand zu sehen: 4500 Zeugnisse der Luftfahrtgeschichte sind auf 3500 Quadratmetern ausgestellt. Nur wird das Museum zu selten besucht. Noch vor drei Jahren dümpelten die Besucherzahlen um etwa 10.000 Gäste im Jahr herum. Erst die Schau über die hannoversche Ausnahmepilotin Elly Beinhorn brachte dem Museum 2016 wieder leichten Auftrieb. Im vergangenen Jahr kamen dann schon 13.000 Menschen in die Ausstellung, berichtet Hoppe. Dieses Jahr sollen noch einmal 1000 dazukommen – und eines Tages will man sogar bei 20.000 Besuchern pro Jahr landen. 

Dieses Ziel schien 2015 noch unerreichbar, denn das Museum befand sich in ernsten Turbulenzen. Beinahe hätte die komplette Sammlung die alten Hallen der Spedition Nelke verlassen und wäre an den Flughafen in Paderborn verlagert worden, um ihren Erhalt zu sichern. Doch daraus wurde nichts. „Das war nur ein warmer Wind“, sagt Hoppe und lächelt milde. Allein der Umzug der 38 Flugzeuge wäre nicht nur logistisch, sondern auch finanziell ein kaum zu bewältigender Kraftakt geworden. „Die Kosten dafür, ein komplettes Museum zu verlagern, gehen in die Millionen“, sagt der 78-Jährige. Und Geld ist eines der Dinge, an denen es dem Museum mangelt. 

Die Ehrenamtlichen bauen die Flugzeuge zusammen

Damit der Betrieb überhaupt funktionieren kann, restaurieren die 24 Ehrenamtlichen des Museumsvereins in Handarbeit die alten Flugzeuge, führen die Besucher durch die Ausstellung und sorgen für Ordnung und Sauberkeit. „Wir verdienen keinen Cent“, sagt Hoppe. Nicht einmal eine Aufwandsentschädigung werde gezahlt. Einnahmen würden ausschließlich durch Eintrittskarten, Mitgliedsbeiträge und Spenden erwirtschaftet, erklärt der 78-Jährige. „Zuwendungen seitens der Stadt, des Landes oder des Bundes bekommen wir nicht.“ 

Sein Kollege Friedrich-Wilhelm Korff, ehemaliger Professor für Philosophie an der Leibniz Universität Hannover, formuliert es deutlicher. „Wir sind ein Tabu, an das man nicht gehen will“, sagt der ebenfalls 78-Jährige. „Wenn wir Stiftungen ansprechen, wollen die nichts mit uns zu tun haben.“ Denn es gebe einen „Schatten“, der über dem Museum liege. Und es sind einige Ausstellungsstücke, die diesen Schatten werfen. Manche der historischen Flugzeuge wurden als Kriegsmaschinen entwickelt und mit Maschinengewehren oder Bomben ausgerüstet. Andere Exponate tragen Symbole wie das Hakenkreuz, den Stern der Sowjetunion, Hammer und Sichel der Kommunisten oder das Emblem der DDR. Es sind Maschinen, die zum Töten gebaut wurden, und Symbole des Krieges. 

Der Krieg soll eine Mahnung sein

Mit seiner unverschleierten Ausstellung eckt das Museum an, unter anderem wenn es um Kulturförderung geht. Dabei hat man sich bewusst dazu entschieden – und bittet die Besucher mit einem Infoschild über dem Eingang um Toleranz. „Wir zeigen das, weil es auch eine Mahnung ist, was passiert, wenn Flugzeuge als Waffen benutzt werden“, sagt Hoppe. Noch vor dem ersten Weltkrieg sei das Flugzeug in erster Linie ein Sportgerät gewesen, bis das Militär es für seine Zwecke umgenutzt habe. Und da in der Waffenindustrie viel Geld steckte, habe der Krieg auch die technische Entwicklung der Flugzeuge vorangetrieben. Hoppe nennt es die „Höhen und Tiefen“ der Luftfahrt. Ein Fluch für die Menschheit, ein Segen für den technischen Fortschritt. 

Die zweite Sache, an der es dem Museum mangelt, ist Platz. Für größere Neuzugänge gibt es kaum noch freie Lücken auf der Ausstellungsfläche. „Wenn uns ein neues Stück angeboten wird, müssen wir genau schauen, wo das noch hinpassen könnte“, sagt Hoppe und sieht sich in der Halle um. „Aber wir haben momentan nichts besseres.“ Pläne des Museumsgründers Günter Leonhardt, die Ausstellung am Flughafen in Langenhagen anzusiedeln, seien noch zu seinen Lebzeiten wieder verworfen worden. Und um sich in eine der umliegenden Hallen einzumieten, fehlte seinerzeit ebenfalls das Geld. 

So müssen die Ehrenamtlichen wohl ein bisschen umräumen, wenn irgendwann noch ein Bereich für die moderne Luftfahrt von den Achtzigerjahren bis heute hinzukommen soll. Die Raumfahrt ist aber bisher noch kein Thema, obwohl sich vor allem dort heutzutage einiges tut. Ein Blick ins Weltall ist dem Museum aber noch etwas zu abgehoben.

Günter Leonhard: Der Gründer durfte selbst nicht fliegen

Er schuf eine riesige Sammlung historischer Flugzeuge, Motoren und Bauteile – doch selber fliegen durfte er nie. Bevor Günter Leonhard 1992 in den ehemaligen Hallen seiner Spedition Nelke das Luftfahrtmuseum Laatzen-Hannover gründete, unternahm er mehrere Versuche, Pilot zu werden. „Ich bin immer auf dem Boden geblieben“, sagte er der HAZ in einem Gespräch, zwei Jahre vor seinem Tod im Oktober 2011. Er meldete sich schon in jungen Jahren als Freiwilliger bei der Luftwaffe, wurde aber nur am Boden eingesetzt. Den Sprung ins Cockpit schaffte er nie. 

Stattdessen heuerte er nach dem Zweiten Weltkrieg bei der Spedition Nelke an, die er später übernahm, zu einer der größten Deutschlands machte und 1994 gewinnbringend verkaufte. Die Leidenschaft für das Fliegen hatte er aber stets behalten. „Meine Liebe zu ihr habe ich anderweitig abreagiert“, sagt er. Er begann zu sammeln, investierte beim Kauf von Propellern und Uniformen ein Vermögen. Das Ergebnis ist nun in den alten Hallen der Spedition ausgestellt. 

Die Fliegerei brachte ihn bis an den Rande des Polarkreises, wo er in einer aufwendigen Bergung mehrere Maschinen des Typs Ju 52 aus einem norwegischen See an die Oberfläche zog, die dort zurückgelassen wurden und während der Schneeschmelze im See untergegangen waren. „Als nach 46 Jahren die erste Maschine aus 72 Metern Tiefe hochkam, hatte ich Herzklopfen – das war das größte Erlebnis meines Lebens“, hatte Leonhardt über die Bergung gesagt. Seine Willenskraft bestimmt noch heute den Geist des Luftfahrtmuseums. „Er hatte Durchsetzungsvermögen und war sehr zielstrebig“, sagt Klaus-Dieter Hoppe vom Museumsverein. „Unsere Zielsetzung ist es, das Museum in seinem Sinne zu erhalten.“ 

Von Nils Oehlschläger

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