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Hannover Hannovers Stickoxidwerte sinken, aber bleiben hoch
Nachrichten Hannover Hannovers Stickoxidwerte sinken, aber bleiben hoch
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00:17 04.02.2018
Symbolbild, Foto: Samantha Franson Quelle: Samantha Franson
 Hannover

Seit Jahren kämpft Hannover mit zu hohen Stickoxidwerten, verursacht vor allem durch Dieselfahrzeuge in den Straßen. Die Stadt hat sich Kritik eingehandelt und wurde von der Deutschen Umwelthilfe angezeigt (DUH). Jetzt sind Messwerte gesunken, was man ja als Erfolgsmeldung verkaufen könnte. Die Stadt sagt: nichts. Oder jedenfalls: nicht viel. „Die Zahlen sind vorsichtig zu sehen“, erläutert Sprecher Dennis Dix. Außerdem gehört Hannover nach wie vor zu den 20 deutschen Städten mit der höchsten Belastung durch die gasförmigen Stoffe, die Atemwegserkrankungen und auch Krebs verursachen können.

Das Bundesumweltministerium hat gestern Daten für das Jahr 2017 veröffentlicht. Danach ist die Stickoxidbelastung in vielen deutschen Städten zurückgegangen. Statt zuvor in 90 liegt wird der von der Europäischen Union vorgegebene Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft jetzt noch in 70 Städten überschritten. In Hannover wurde an der offiziellen Messstation in der Göttinger Straße ein Durchschnittswert von 44 Mikrogramm gemessen, zuvor waren es 48 Mikrogramm gewesen. Höhere Werte erreichte der Messpunkt in der Friedrich-Ebert-Straße mit 55 Mikrogramm. „Dort liegen noch keine aktuellen Ergebnisse vor“, erläutert Dix. Auch die Daten für die Göttinger Straße müssten noch vom Gewerbeaufsichtsamt überprüft und bestätigt werden; es fehlten beispielsweise diejenigen für den Dezember.

Schostok setzt auf blaue Plakette

Deswegen wollte die Verwaltung vorerst keine Schlussfolgerungen ziehen oder Bewertungen vornehmen. Oberbürgermeister Stefan Schostok hält nichts von pauschalen Fahrverboten und setzt weiterhin vor allem auf die blaue Plakette, die Dieselfahrzeuge mit besonders hohem Schadstoffausstoß aus Innenstädten verbannen würde. Dafür müsste allerdings der Bund per Gesetz die Weichen stellen.

Ratspolitiker reagieren ebenfalls eher zurückhaltend auf die Messwerte. „Vier Mikrogramm weniger sind nicht besonders viel“, sagt Felix Blaschzyk, umweltpolitischer Sprecher der CDU-Ratsfraktion. Möglicherweise seien mittlerweile mehr abgasärmere Autos in Hannover unterwegs, auch der Fahrradanteil könne einen höheren Anteil gewonnen haben. Nach wie vor gelte: „Um das Stickoxidproblem zu lösen, brauchen wir Ampelschaltungen, die den Verkehr besser fließen lassen.“ Auch wirbt er dafür, den Nahverkehr attraktiver zu machen.

SPD-Umweltpolitiker Philipp Kreisz sieht keinen Anlass zur einer Kursänderung, solange Hannover die von der Europäischen Union vorgegebene Grenze nicht einhält. Er verweist auf den Antrag „Saubere Luft für Hannover“, den das Mehrheitsbündnis aus SPD, Grünen und FDP vorgelegt hat. Zu den Inhalten zählt etwa die Forderung nach einem Jahresticket für den Nahverkehr im Stadtgebiet Hannovers zum Preis von 365 Euro. Ein größeres Kapitel widmet sich dem Radverkehr. Die drei Fraktionen sprechen sich für bessere, pendlergerechte Verbindungen ins Umland, für den Bau von Fahrradparkhäusern und für mehr Ladestationen für E-Bike-Akkus aus. Carsharing soll attraktiver werden, indem die Stadt für die Fahrzeuge zusätzlich 400 Parkplätze vor allem in den innenstadtnahen Quartieren wie der List, der Ost- oder der Südstadt reserviert. 

„Die Fraktion“, ratspolitischer Arm der Satirepartei „Die Partei“, kann dem nicht viel abgewinnen. „Innovative, progressive Konzepte sucht man vergebens“, sagt ihr umweltpolitischer Sprecher Oliver Förste. Sie wirft der SPD vor, vor der Autolobby einzuknicken und hat die umweltpolitischen Iniativen der Ratsmehrheit mit einem Gaga-Antrag gekontert, der unter anderem eine graue Plakette für Eselskarren fordert. Ernst hingegen ist das Ansinnen, das Thema mit einer Expertenanhörung in den zuständigen Ratsausschüssen zu beleuchten.

Gelegenheit, sich auszutauschen, haben die Ratspolitiker am kommenden Montag ab 15 Uhr im Umweltausschuss. Dann steht das von den Mehrheitsfraktionen vorgelegte Papier zur Abstimmung. Spätestens im April dürfte wieder debattiert werden. Dann will das Gewerbeaufsichtsamt die endgültigen Werte für Stickoxid in Hannover vorlegen – und die Stadt weiß, wo sie steht.

Von Bernd Haase

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