Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Hannover Das macht der KFC-Mann heute
Nachrichten Hannover Das macht der KFC-Mann heute
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:09 23.02.2018
Im Mai hatte der damals 42-jährige Matthias D. einen Blackout, stand stundenlang vor dem Schnellrestaurant KFC herum und löste einen Großeinsatz der Polizei aus.  Quelle: Dillenberg/Archiv
Anzeige
Hannover

Er sitzt in einem Café am Kröpcke, bestellt an diesem verschneiten Nachmittag Latte Macchiato, auf dem Boden neben sich hat er eine größere Tasche abgestellt. Matthias D., 43 Jahre alt, kommt gerade von der Arbeit. Er lässt sich zum Sicherheitsmitarbeiter weiterbilden. Die sechs Monate hat er fast hinter sich, die erste Prüfung ist bestanden, einen Arbeitsvertrag hat er bereits in der Tasche. Er ist freundlich, erzählt ruhig seine Geschichte – auch von jenem Tag Anfang Mai 2017, an dem sein Leben aus der gewohnten Bahn glitt.

An jenem Donnerstag war Matthias D. an der Vahrenwalder Straße in Richtung Langenhagen unterwegs. „Ich war zu Fuß, weil ich mein Fahrrad aus der Werkstatt abholen wollte“, sagt der 43-Jährige beim Treffen im Café. An die Geschehnisse der kommenden Stunden kann sich D. so gut wie gar nicht mehr erinnern. Er hat keine Vorstellung davon, dass er unvermittelt vor einem Schnellrestaurant stehen blieb, die Hände in den Jackentaschen vergraben, weder ansprechbar für Mitarbeiter der Fast-Food-Kette, noch für Polizisten, die nach einiger Zeit alarmiert worden waren. „Ich habe das Blaulicht gesehen, es aber nicht mit mir in Verbindung gebracht, ich weiß, dass ich Tanz-Bewegungen gemacht haben, mehr aber auch nicht“, sagt er.

Angst vor Terroranschlag

Matthias D. löste an jenem Abend einen großen Polizeieinsatz aus. Die Vahrenwalder Straße war in Höhe des Schnellrestaurants mehrere Stunden lang für den Verkehr gesperrt. Die Üstra stellte ihren Betrieb auf dieser Strecke ein. Das Schnellrestaurant wurde geräumt. Die Polizei vermutete, der Mann, der regungslos an der Straßenkreuzung stand und dessen Identität lange Zeit nicht geklärt werden konnte, plane entweder einen Terroranschlag oder sei abgefüllt mit Drogen. 

Zu diesem Zeitpunkt ahnte niemand, dass der 43-jährige D. an einer psychischen Erkrankung leidet. Sie brachte ihn bereits in der Vergangenheit dazu, wirre, unzusammenhängende Sätze vor sich hin zu brabbeln. „Ich habe nie jemanden verletzt, habe mich hinterher auch behandeln lassen“, sagt D. Die Schritte, die die Ärzte unternahmen, schienen Wirkung zu zeigen. Jahrelang hatte D. Ruhe vor seinen Dämonen. Aber: „An dem Tag Anfang Mai traf es mich aus heiterem Himmel“, sagt er.

Auch die Einsatzkräfte der Polizei wussten zunächst nicht, wie sie mit der ungewohnten Situation umgehen sollten. Der Mann vor dem Schnellrestaurant warf weder mit wüsten Drohungen um sich, noch stellte er Forderungen, auch Waffen waren nicht sichtbar. Der Einsatzleiter ließ schließlich Spezialkräfte zur Vahrenwalder Straße ausrücken. Bis die Beamten des SEK vor Ort waren und sich positioniert hatten, verstrichen wieder einige Stunden. Gegen 3 Uhr bewegten sich die Polizisten langsam und vorsichtig auf den stehenden Mann vor. 

Mit der Erkrankung leben 

„Als sie bei mir waren und mich zum Rettungswagen begleiteten, kam ich wieder langsam zu mir“, sagt Matthias D. Schnell konnte er den Ermittlern seinen Namen und seinen Wohnort nennen. Auch über seine Erkrankung unterrichtete er die Beamten sofort. „Der Rettungswagen brachte mich nach Langenhagen in die Psychiatrie.“ Dort bekam er Medikamente und schlief bis in den Vormittag hinein. 

Vier Wochen lang behandelten die Ärzte den 43-Jährigen in der Klinik. Anschließend erfolgte ein zweiwöchiger Aufenthalt in einer Tagesklinik. Dort hat er gelernt, mit seiner Erkrankung umzugehen. „In langen Gesprächen mit den Ärzten, aber auch mit meiner Familie, habe ich einen Weg gefunden, die Anzeichen für einen derartigen Ausfall zu erkennen“, sagt D. Heute wisse er, wen er kontaktieren würde, um sich schnell Hilfe zu holen. Und er hat sich etwas fest vorgenommen: „Das nächste Mal, wenn ich in der Zeitung stehe, muss es mit etwas absolut Positivem sein – und dann auch gerne auf der Titelseite“, sagt der 43-Jährige.

Von Tobias Morchner

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

An zwei Tagen hat die Polizei Hannover gezielt durch Smartphones abgelenkte Autofahrer kontrolliert. Experten fordern mehr Kontrollen, um Unfällen vorzubeugen. Auch die Polizei Hannover will Autofahrer deswegen öfter unter die Lupe nehmen.

23.02.2018
Hannover Alarmanlage gegen Autoaufbrecher - Fahrzeughalter muss für Fehlalarm zahlen 

Wegen der Vielzahl der Autoaufbrüche in den ersten sechs Wochen dieses Jahres rät die Polizeidirektion zur Nachrüstung alter Fahrzeuge mit Alarmanlagen. Doch eine Fehlfunktion des Geräts kann teuer werden.

23.02.2018

Mit der Fortschreibung des Nahverkehrsplans der Region werden die Buslinien neu geordnet. Dies könnte in einigen Jahren auch etliche Veränderungen für die südlichen Stadtteile mit sich bringen.

23.02.2018
Anzeige