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Hannover So sieht der Alltag von Markthändler „Gemüse-Klaus“ aus
Nachrichten Hannover So sieht der Alltag von Markthändler „Gemüse-Klaus“ aus
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00:19 29.11.2018
Markthändler Klaus Krohn, den alle „Gemüse-Klaus“ nennen. Quelle: Samantha Franson
Hannover

Die Glocke der Bennokirche in Linden-Nord schlägt gerade achtmal am Sonnabendmorgen, als Kay Dellin als erster Kunde am Stand von Klaus Krohn auf dem Wochenmarkt in der Pfarrlandstraße steht und überlegt, ob er festkochende oder halbfestkochende Kartoffeln mitnehmen soll. „Ich wohne um die Ecke, es gibt leckere Ware, man trifft nette Menschen. Wenn ich früh komme, ist noch nichts ausverkauft und ich muss nicht anstehen“, sagt er. Der Besuch auf dem Wochenmarkt gehört deshalb zum festen Ritual.

Ohne Menschen wie Klaus Krohn wäre das nicht möglich. Er war lange bei VW, wollte dann vor zehn Jahren eine Veränderung. „Ein befreundeter Landwirt brauchte einen Verkäufer für die Märkte. Weil ich mich schon immer für Landwirtschaft interessiert habe, habe ich mitgemacht“, erzählt der 54-jährige. Es hat ihm gefallen – so gut, dass er beschloss, als selbstständiger Markthändler anzufangen.

4 Uhr: Aufstehen

„Die Arbeit auf dem Markt ist ehrlich, ich bekomme direktes Feedback von den Kunden“, sagt Krohn. Vor allem die älteren unter ihnen seien treue Besucher. Auch nicht zu verachten: „Man arbeitet an der frischen Luft“. Irgendwann hat ihn eine Kundin „Gemüse-Klaus“ genannt. Unter diesem Namen ist er bekannt bei den Besuchern der Wochenmärkte etwa in Linden, auf dem Moltkeplatz in der List oder in Seelze.

Der Markttag am Sonnabend beginnt für Krohn um 4 Uhr. Zu dieser für andere nachtschlafenen Zeit setzt er sich zuhause in Burgwedel-Engensen ans Steuer seines Transporters und fährt die gut 30 Kilometer über die um diese Zeit noch leeren Straßen zum Großmarkt in Bornum und dort zum Großhändler Grove. „Moin“, sagt Steffen Gurach, den sie hier „Katze“ rufen. Viel mehr an Gespräch ist nicht nötig, denn Gurach und seine Kollegen wissen, was Krohn braucht. Fast die gesamte Ware liegt schon bereit. Eine halbe Stunde später ist der Wagen beladen, und der Engenser kann sich auf den Weg nach Linden-Nord machen.

In der Pfarrlandstraße warten Krohns Mitarbeiter für den Markttag. Tiermedizinstudentin Hanna Marahrens gehört seit vier Jahren dazu – „weil es einfach schön ist“, wie die 27-jährige sagt. Die 73-jährige Helga Heyda hatte früher mit ihrem Mann zwei Obstgeschäfte in der List und müsste nicht mehr arbeiten. Will sie aber. „Ich bin kein Typ für die Wohnung“, betont sie. Wenn gewünscht, hilft sie den Kunden mit Kochtipps oder Rezepten. Der 36-jährige Benni Quante wohnt eigentlich in Münster, kommt aber noch regelmäßig nach Hannover, der Liebe wegen und zum Verkaufen auf dem Markt.

6.30 Uhr: Aufbau auf dem Markt

Gegen 6.30 Uhr beginnt der Standaufbau und das Arrangieren der Ware. „Es muss etwas hermachen, darf nicht aussehen wie Kraut und Rüben“, sagt Krohn. Ganz links werden die Eier platziert, daneben Kartoffeln, Äpfel und Zitrusfrüchte, davor Beutel mit Grünkohl. Rechts liegen Möhren, Kohlköpfe und Porree. Tomaten, Salate, Nüsse, Zitronen und noch einiges mehr runden das Angebot bei „Gemüse-Klaus“ ab. Im Sommer sähe der Stand anders aus, es gibt dann Spargel, Beerenfrüchte, Pfirsiche. Es wäre auch wärmer nicht nasskalt wie an diesem Tag in der Pfarrlandstraße, als die Thermometeranzeige sich mühsam von unten an die Drei-Grad-Marke pirscht. Aber es regnet nicht. „Mein Lehrmeister hat immer gesagt, die Leute kommen gern mit dicker Jacke, aber nicht so gern mit dem Schirm“, sagt Krohn. Er selbst behilft sich mit passender Kleidung und Kaffee gegen die Kriechkälte. „Kalter Wind ist schlimmer“, erklärt er.

15 Händler bauen in der Pfarrlandstraße regelmäßig ihre Stände auf, es gibt von Obst und Gemüse über Fleisch, Fisch, Käse und Backwaren bis hin zu Blumen alles, was einen guten Wochenmarkt ausmacht. „Es ist ein ruhiger Markt, aber nicht so ruhig, dass es sich nicht mehr lohnen würde“, sagt Krohn. Auf anderen Wochenmärkten in Hannover ist es schon zu ruhig, es mangelt an Händlern und Kunden. Wie man in Zeiten wachsender Konkurrenz etwa in Form von Bio-Supermärkten und in denen in Familien, in denen Mann und Frau arbeiten und keine Zeit den Wochenmarktbummel haben, wieder mehr Publikum anlocken können, ist beliebtes Thema unter den Marktbeschickern. Die höheren Gebühren, die sie vom nächsten Jahr an zahlen müssen, auch. Sie sind kein Stimmungsaufheller.

Gebührenerhöhung tut den Händlern weh

Die höheren Gebühren, die Händler auf Hannovers Märkten vom kommenden Jahr an zahlen müssen, sind für die Wochenmarkthändler ein saurer Apfel. „Das tut richtig weh und geht außerdem in der Wirkung nach hinten los“, sagt Heinrich Wisseroth. Der Barsinghäuser, in Ricklingen gebürtig, ist Wochenmarkthändler für Obst, Gemüse und Kartoffeln in vierter Generation und außerdem stellvertretender Landesvorsitzender des Verbandes der Marktbeschicker und Schaustellerbetriebe.

Die Stadt will die Gebühren für Wochenmarkthändler um 4 Prozent und diejenigen für Anbieter auf Bauernmärkten um 9 Prozent anheben. „Das macht je nach Größe einige Euro mehr pro Markttag“, hat Wisseroth berechnet. Dabei seien die Gebühren in Hannover ohnehin schon im landesweiten Vergleich Spitze. Informiert worden ist der Verband nach seinen Angaben kurzfristig. Der Wirtschaftsausschuss des Rates hat den Plänen bereits zugestimmt, der Rat dürfte folgen.

Wisseroth kritisiert, die Stadt lasse unberücksichtigt, dass eine Handvoll Wochenmärkte gut laufe, andere aber ums Überleben kämpfen. „Wenn weitere Händler wegen der Kosten nicht mehr mitmachen, kann das kleinere Märkte killen“, sagt er. Generell könnte eine Folge der Gebührenerhöhung sein, dass die Marktstände kürzer werden, das Angebot also schmaler. Der Verband wünsche sich, dass die Stadt die Märkte attraktiver gestaltet und auch auf Konkurrenzsituationen achtet. „In Linden gibt es zwei Wochenmärkte. Da muss nicht auch noch ein Bauernmarkt dazukommen“, sagt Händler Klaus Krohn und meint den Markt, der im Herbst auf dem Schmuckplatz eröffnet hat. Kunden, die am Freitagnachmittag dort einkaufen, würden am folgenden Vormittag nicht mehr zum benachbarten Markt in der Pfarrlandstraße kommen.

Der Gleidinger Obstbauer Klaus Hahne, Vorsitzender des Fördervereins Bauernmarkt Hannover, sieht die Sache gelassen. „Die Gebührenerhöhung liegt in einem Rahmen, den man noch akzeptieren kann“, erklärt er. Probleme bereite eher der Umstand, dass die Bauernmärkte ab und an Konkurrenzveranstaltungen weichen müssen – aktuell derjenige an der Marktkirche dem Weinachtsmarkt. „Die Kunden denken dann, wir sind nicht da. Dabei sind wir nur zur Seite gerückt“, sagt Hahne.

15 Uhr: Feierabend

Der überwiegende Teil derjenigen, die bei „Gemüse-Klaus“ einkaufen, sind Stammkunden. Man erkennt das schon am „Du“, das die gängige Anrede ist. Jutta Münnighoff und Klaus Stieglitz gehören zu ihnen. Sie schätzen nicht nur das Angebot, sondern auch die gelassene Atmosphäre und die Funktion des Marktes als Nachbarschaftstreff. „Außerdem muss man so etwas unterstützen. Gäbe es keine Märkte mehr, würde etwas fehlen“, sagen sie.

Um 13 Uhr ist Schluss am Pfarrlandplatz für diesen Tag. Nach dem Standabbau verabschieden sich Helga, Benni und Hanna. Krohn muss noch einmal zum Großmarkt, den Stand einlagern. Irgendwann gegen 15 Uhr wird er dann wieder zuhause in Engensen sein. „Dort falle ich dann wie ein nasser Lappen aufs Sofa“, kündigt er an. Markthändler ist ein Beruf mit einem eigenen Rhythmus. Krohn weiß ihn zu schätzen.

Die Markttage

27 Wochenmärkte gibt es im Stadtgebiet Hannovers an fünf Wochentagen. Montags und Sonntags ist kein Markt. Eine Übersicht:

Dienstags 8 bis 13 Uhr: Linden (Lindener Marktplatz), Mitte (Klagesmarkt, Zoo (Platz an der Friedenskirche; 14 bis 18 Uhr: Groß-Buchholz (Roderbruchmarkt)

Mittwochs 8 bis 13 Uhr: List (Moltkeplatz), Mittelfeld (Rübezahlplatz) Vahrenwald (Jahnplatz); 14 bis 18 Uhr: Badenstedt (Badenstedter Straße am Denkmal), Mühlenberg (Mühlenberger Markt).

Donnerstags 8 bis 13 Uhr: Kleefeld (Schaperplatz), Oberricklingen (Butjerbrunnenplatz), Ricklingen (August-Holweg-Platz); 14 bis 18 Uhr: Ledeburg (Kurländer Weg), Oststadt (Lister Meile/Gretchenstraße), Sahlkamp (Hägewiesen/Sahlkampmarkt).

Freitags 8 bis 13 Uhr: Döhren (Fiedelerplatz), List (Klopstockstraße), Stöcken (Stöckener Markt/Hogrefestraße), Südstadt (Stephansplatz); 14 bis 18 Uhr: Davenstedt (Wegsfeld), Groß-Buchholz (Bussestraße und Roderbruchmarkt).

Sonnabends 8 bis 13 Uhr: Herrenhausen (Herrenhäuser Markt), Linden (Lindener Marktplatz und Pfarrlandstraße), Misburg (Kardinal-Galen-Schule), Mitte (Klagesmarkt).

Dazu kommen die elf Bauernmärkte, von denen derjenige auf dem Ernst-August-Platz montags von 14 bis 18 Uhr geöffnet hat. Donnerstags bieten die Händler nachmittags ihre Waren an der Marktkirche und der Neustädter Lutherkirche an, freitags sind vormittags an der Jacobikirche in Kirchrode und nachmittags im Einkaufspark Klein-Buchholz, auf dem Lindener Schmuckplatz und erneut auf dem Ernst-August-Platz. Sonnabends ist auf dem Lister Moltkeplatz, an der Melanchthonkirche in Bult und an der Friedenskirche im Zooviertel vormittags Bauernmarkttag.

Von Bernd Haase

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