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Hannover Bildungforscher Fthenakis fordert Reform des Schulsystems
Nachrichten Hannover Bildungforscher Fthenakis fordert Reform des Schulsystems
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17:30 21.02.2018
Sie freuen sich schon auf die Didacta (v.l.): Andreas Gruchow von der Messe AG, Wilmar Diepgrond, Vorsitzender des Verbandes der Bildungsmedien, Prof.  Wassillios Fthenakis, Präsident des Didacta-Verbandes der Bildungswirtschaft, und  Reinhard Koslitz, Hauptgeschäftsführer der Didacta-Ausstellungs- und Verlagsgesellschaft. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

 Alle drei Jahre  – im Wechsel mit Stuttgart und Köln – ist Hannover Gastgeber der weltgrößten Bildungsmesse Didacta. Eröffnet wird die Messe, die sich mit neuen Trends in Krippe, Kita, Schule und beruflicher Bildung befasst, am nächsten Dienstag, die Messe mit 800 Ausstellern, darunter 130 aus 50 verschiedenen Ländern, läuft bis Sonnabend in den Hallen 11, 12 und 13. „Das sind unsere größten und modernsten Hallen, und sie sind miteinander verbunden, sodass sich die Didacta unter einem Dach präsentiert“, sagte Andreas Gruchow, Mitglied des Vorstands der Deutschen Messe AG, am Donnerstag vor Journalisten in Hannover.

„Moderne Medien fördern selbständiges Lernen“

Bildungsforscher Prof. Wassilios Fthenakis, Präsident des Didacta-Verbandes, forderte, das deutsche Schulsystem müsse gründlich reformiert werden. Bildung fände nicht mehr  im Kopf des Kindes statt, sondern im Austausch mit anderen. Dem digitalen Lernen gehöre die Zukunft. Moderne Medien sollten dort eingesetzt werden, wo es sinnvoll sei, nicht um ihrer selbst willen. „Heute reicht nicht mehr ein afrikanisches Dorf, um ein Kind zu erziehen, heute braucht man die ganze Welt“, sagte deutsch-griechische Pädagoge und Psychologe. Digitale Medien seien für Kinder eine Chance, das wahrzunehmen, was sie mit den herkömmlichen Sinnen nicht erleben könnten. So werde das autonome Lernen, aber auch die Kreativität gestärkt. „Lange wurde in Deutschland um das Für und Wider des digitalen Lernens gestritten“, betonte Fthenakis, „endlich geht nicht mehr um das Ob, sondern um das Wie.“

Erzieher und Lehrer fehlen allerorts

Zu wenig Erzieher in den Kindergärten, zu wenig Lehrer in den Grund-, aber auch in den Berufsschulen – es fehle an einer bundesweiten Strategie zur Qualifizierung von Fachkräften, kritisierte Fthenakis: „Das mahne ich schon seit Jahren an.“ Auch Wilmar Diepgrond vom Verband der Bildungsmedien warnte vor einem Lehrermangel, viele Kollegien seien überaltert, gut ein Drittel der Lehrer seien älter als 50 Jahre.   

Deutschland hinkt beim digitalen Lernen hinterher

Beim digitalen Lernen hat Deutschland noch Nachholbedarf. Diepgrond sagte, die Schulbuchverlage würden nur fünf Prozent ihres Umsatzes mit digitalen Angeboten machen, in anderen Ländern seien es rund 20 Prozent. Wichtig sei es, die Schulen nicht nur  mit Breitbandanschlüssen und WLAN auszustatten, es müsste auch ein professioneller Support aufgebaut werden, das könnten nicht Lehrer ehrenamtlich machen, zudem müssten die Pädagogen fortgebildet und die Lehrpläne erneuert werden. 

Vier Schwerpunkte

Die Didacta läuft von Dienstag, 20. Februar, bis Sonnabend, 24. Februar, jeweils zwischen 9 und 18 Uhr. In den drei Hallen 11, 12 und 13 präsentieren sich auf dem hannoverschen Messegelände insgesamt mehr als 800 Aussteller auf 33.000 Quadratmetern. Die Schwerpunkte sind Frühe Bildung, Schule und Hochschule und Berufliche Bildung sowie die Didacta Digital. In der Woche gibt es rund 1400 Vorträge, Tagungen, Konferenzen und Seminare. Tageskarten kosten 15 Euro im Vorverkauf und 16 Euro  an der Tageskasse, Dauerkarten 31 Euro im Vorverkauf und 34 an der Tageskasse, wer ab 13 Uhr kommt, zahlt nur 10 Euro. Eine Familien-Tageskarte für zwei Erwachsene und maximal vier Kinder kostet 18 Euro im Vorverkauf und 19 Euro an der Tageskasse.

Wichtig seien auch entsprechende Datenschutzrichtlinien, die die Verlage mit den Ländern schließen müssten, sagte Reinhard Koslitz, Hauptgeschäftsführer der Didacta-Ausstellungsgesellschaft.  Auffällig sei, dass amerikanische Konzerne wie Google, Intel, Microsoft und Apple zunehmend auf den Markt drängten. Viele hätten zuletzt Hunderttausende Lehrer in Eigenregie fürs Onlinelernen fitgemacht.

Von Saskia Döhner

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