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Hannover Lebende Rasenmäher: Diese Schafe helfen Naturschützern
Nachrichten Hannover Lebende Rasenmäher: Diese Schafe helfen Naturschützern
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00:41 30.05.2018
Schäfer Conrad Nussbaum hilft mit seiner Tieren bei der Renaturierung eines kleinen Gebietes in Lahe. Quelle: Foto: Katrin Kutter
Hannover

Conrad Nussbaum ist ein Genießer. „Das ist eine super Gegend hier“, sagt der 60-jährige Schäfer und Landwirt. Auf der einen Seite der Laher Stadtfriedhof, auf der anderen Seite die Autobahn 37. „Ich genieße es, dass man hier ganz allein sein kann“, sagt er. Im Auftrag der Stadt kümmern sich Nussbaums Schafe um die Renaturierung des 2,5 Hektar großen Gebiets. Dort wachsen einige Eichen, aber auch Büsche wie zum Beispiel Holunder. Dazwischen befinden sich Grasflächen. Und Brennnesseln, die anderen Pflanzen allerdings die Nährstoffe wegnehmen.

Seit April sind die Schafe dort unterwegs, und sie haben schon ganze Arbeit geleistet. „Es geht darum, den Bewuchs klein zuhalten“, berichtet der Landwirt bei einer kleinen Führung für eine Handvoll Interessenten. Das Ziel sei es, dadurch die Artenvielfalt in der Stadt zu erhöhen, meint Solveig Hesse vom städtischen Fachbereich für Umwelt und Stadtgrün.

Aber was passiert, können weder Hesse noch Nussbaum vorhersehen. „Die Fläche wäre immer dunkler geworden, mit einer waldartigen Struktur“, sagt die Umweltexpertin Hesse. Dort wären im Laufe der Jahre also immer mehr Büsche und Bäume gewachsen, die Vegetation am Boden durch den zunehmenden Schatten wäre immer mehr verkümmert. „Wir wissen aber nicht, was die Schafe rausfressen, es ist ein Experiment“, meint Hesse. Bei den Brennnesseln sind die Schafe noch zurückhaltend, berichtet Nussbaum. „Das habe ich denen noch nicht beibringen können“, sagt er. Vorerst mäht er die Pflanzen deshalb per Hand um.

Die Stadt hat den durch das 2,5 Hektar große Gebiet führenden, einst schnurgeraden Laher Graben, mit einigen Kurven versehen, in manchen Bereichen auch Schilf ans Ufer pflanzen lassen. Seit Nussbaum vor ein paar Wochen eine einfache Brücke gebaut hat, fressen die Tiere auch auf der anderen Seite des Grabens. Und sie trinken das Wasser.

Unterwegs sind in dem Gebiet Schafe der Rasse Nolana, die Nussbaum schon seit Jahren züchtet. Die Tiere sind besonders widerstandsfähig und verlieren ihre Wolle im Frühsommer auf natürliche Art, wie auch schon die früheren Schafsrassen. Die Schafe, die bei Kennern wegen ihres guten Fleisches bekannt sind, sind besonders gut in der Landschaftspflege geeignet.

Wie gut die Schafe arbeiten, zeigt Nussbaum mehrere hundert Meter weiter. Eine 5,6 Hektar große Fläche direkt an der A 37 lag brach, nachdem die Stadt dort zur Expo den Mutterboden abgetragen hatte. Jetzt gibt es auf der sumpfigen Weide Pflanzen, die es sonst nicht in Hannover gibt, wie zum Beispiel den fleischfressenden Sonnentau. „So wie hier habe ich es mir auch auf der anderen Fläche vorgestellt“, sagt Nussbaum. Bis es soweit ist, wird es aber noch ein paar Jahre dauern. Und dann fressen die Schafe vielleicht auch die Brennnesseln.

Hannover erlebt fünf „wilde Jahre“

Das Nolana-Schafprojekt gehört zum Bundesprogramm „Städte wagen Wildnis“, an dem Hannover von 2016 bis 2021 gemeinsam mit Frankfurt und Dessau teilnimmt. Unter wissenschaftlicher Beobachtung testen die drei Städte Strategien gegen die Auswirkungen des Klimawandels, vor allem die Starkregen- und Trockenheitsperioden, mit denen die Landschaftsräume kämpfen. Parallel geht es darum, die Artenvielfalt zu erhalten und der Natur Rückzugsräume zu verschaffen in einer Zeit, in der landwirtschaftliche Flächen zunehmend durch Monokulturen geprägt sind. Begleitet wird das vom Bund geförderte Projekt von Kunstaktionen, Mitmachspaziergängen und Kinderprogrammen.

Die erste Fläche, auf der das Wildnis-Projekt sichtbar wurde, ist eine Weide in Badenstedt, auf der neuerdings schottische Galloway-Rinder stehen. Die robusten Tiere können ganzjährig im Freien stehen und helfen, den Bewuchs der Fläche so niedrig zu halten, wie er in dem Landschaftsraum ursprünglich war. Als andere Flächen sind etwa aufgegebene Kleingärten vorgesehen, zwei Areale in der Eilenriede und Grünverbindungen, die nach einem besonderen Konzept gepflegt werden. Insgesamt sind elf Teilflächen im Programm.

Von Mathias Klein

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